Spenden für Nachhaltigkeit

Biohof Werragut rüstet sich gegen Klimawandel

Bio-Landwirt Julius Nennewitz (links) und Agroforst-Experte Christoph Meixner wollen den Biolandhof Werragut in Niederdünzebach fit machen für den Klimawandel.
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Bio-Landwirt Julius Nennewitz (links) und Agroforst-Experte Christoph Meixner wollen den Biolandhof Werragut in Niederdünzebach fit machen für den Klimawandel.

Mit der Kombination aus Bäumen und Sträuchern wollen Bio-Landwirt Julius Nennewitz und Agroforst-Experte Christoph Meixner den Biolandhof Werragut in Niederdünzebach fit machen für den Klimawandel.

Niederdünzebach – Mit der Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne wollen sie das gemeinnützige Leuchtturmprojekt umsetzen, denn Förderungen sind rar.

Auf dem Biolandhof Werragut in Niederdünzebach ragen junge Bäume kerzengerade aus dem Acker, angeordnet in Reih und Glied. „Hier haben wir Esskastanie, Quitte, Stachelbeere, Holunder, Weide und Pappel gepflanzt“, erklärt Agrarwissenschaftler Meixner.

Gemeinsam mit Nennewitz steht er zwischen den hageren Bäumen. Auf ihrem Experimentierfeld soll eine nachhaltige Landwirtschaft entstehen.

Agroforst nennt sich die Kombination aus Bäumen und Ackerkulturen. „Bäume und Sträucher schützen den Boden und fördern die Biodiversität“, sagt Christoph Meixner, der Gründer eines Start-up-Unternehmens für Agroforstsysteme ist.

Doch die vier Reihen, zwischen denen die jungen Männer stehen, sind erst der Anfang. Gemeinsam mit ihrem Team wollen Christoph Meixner und Julius Nennewitz im nächsten Jahr auf insgesamt zwölf Hektar über 1000 Bäume und Sträucher pflanzen, alle 24 Meter eine Reihe.

Dazwischen weiden Kühe, laufen Hühner oder es wachsen Buchweizen, Dinkel oder Lupine – alle sollen gegenseitig voneinander profitieren.

Neben einheimischen Arten wie Apfel oder Stachelbeere sollen Exoten wie Pawpaw oder Kaki für Abwechslung in den Baumstreifen sorgen. „Mit diversen Arten streuen wir das Risiko“, sagt Christoph Meixner. I

st es mal zu trocken für die Walnuss, wächst die Feige eben besser. Solch diverse Systeme haben noch weitere Vorteile. „Durch die angespannte Klimasituation brauchen wir ein System, das resilient ist“, erklärt Julius Nennewitz. Die richtige Kombination aus Gehölzarten bremst die Luftbewegung und senkt die Temperaturen auf dem Feld. Somit bleibt der Ackerboden feucht, Regenwasser kann besser aufgenommen werden und fließt trotz des hügeligen Geländes nicht so schnell ab – das schützt auch vor Hochwasser.

Sind die zarten Jungpflanzen groß genug, sollen die Früchte zu vielfältigen Produkten verarbeitet und regional angeboten werden. Wirtschaftlich trägt sich das Projekt langfristig also selbst. Doch um zu starten braucht es finanzielle Mittel, denn öffentliche Gelder für Agroforstprojekte sind rar.

„Bisher gibt es keine Förderung, ab 2023 wird es circa 100 Euro für unsere zwölf Hektar vom Bund geben“, sagt Christoph Meixner. Wenig Geld, denn ein einzelner Setzling kostet zwischen 20 und 90 Euro. Neben privatem Kapital sollen Spenden das Leuchtturmprojekt ermöglichen.

Der eigens hierfür gegründete gemeinnützigen Verein für regenerative und soziale Landwirtschaft e.V. sammelt daher mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne 60 000 Euro. Schon für sieben Euro können Unterstützer „gutes Karma“ kaufen, für 50 Euro eine Baumpatenschaft oder für 300 Euro „fünf Quadratmeter Vielfalt“. Auch individuell festgelegte Beträge sind möglich.

Das Werragut versteht sich jedoch nicht nur als rein landwirtschaftliches Unterfangen; die Gesellschaft als Ganzes soll profitieren: Langfristig sind Wissbegierige eingeladen, mitzuarbeiten und zu lernen.

In Kooperation mit dem Universitätsstandort in Witzenhausen soll Wissen generiert und anderen zur Verfügung gestellt werden, zum Beispiel in einem Seminarzentrum auf dem Hof: „Wir wollen zukunftsweisende Landwirtschaft erlebbar machen“, sagt Christoph Meixner. (Von Alina Schäfer)

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