"Ersatz-Mama": Birgit Langer zog zehn verwaiste Kaninchen auf

Gedränge im Kaninchenstall: Birgit Langer (rechts) hat die zehn Kaninchenwaisen mit der Flasche aufgezogen, nachdem die erst zwei Jahre alte Mutter der Tiere plötzlich gestorben ist. Kaninchenbesitzerin Doris Daemelt (links) ist ihrer Freundin Birgit für diesen ungewöhnlichen Ferienjob „unheimlich dankbar.“ Foto: Steensen

Blickershausen. Obwohl Experten ihr davon abrieten, wurde Birgit Langer zur "Ersatz-Mama" für zehn verwaiste Kaninchen - mit Erfolg.

Eigentlich wollte Birgit Langer nur als Urlaubsvertretung die über 100 Kaninchen von Freundin und Züchterin Doris Daemelt versorgen – doch dann wurde die Blickershäuserin plötzlich zur Lebensretterin. Denn eines Tages lag in einem der Kaninchenställe eine tote Häsin, ihr nur zehn Tage alter Nachwuchs lebte noch. „Das war ein Riesenschreck“, erinnert sich Langer.

Daemelts andere Häsinnen haben derzeit ebenfalls große Würfe, hier konnte Birgit Langer die Kleinen nicht einfach dazu setzen. „Sie wären sicher verstoßen worden“, sagt die Hobbyzüchterin, die selbst im dritten Jahr Kaninchen hält und sich gemeinsam mit Doris Daemelt und deren Ehemann Herbert im Kaninchenzuchtverein K114 Witzenhausen engagiert. Spontan nahm Langer die zehn Kaninchenwaisen, deren Augen teilweise noch geschlossen waren, mit nach Hause – fest entschlossen, sie von Hand aufzuziehen.

Zwei herbeigerufene, erfahrene Züchter machten ihr wenig Hoffnung, weil Kaninchen einen sehr empfindlichen Darm haben. „Sie sagten, dass ich sie nie alle durchbringen würde“, erinnert sich Langer. Doch die Tierfreundin wollte es nach Absprache mit Freundin Doris wenigstens versuchen. Also informierte sich die Blickershäuserin im Internet über die Handaufzucht von Kaninchen, besorgte eine Pipette und legte los.

Fortan bekamen die Kaninchen eine Mischung aus Wasser, Katzenaufzuchtmilch und Kamillentee. „Man kann auch Fencheltee nehmen“, weiß die Blickershäuserin nun. „Aber ich hatte nunmal Kamille zur Hand.“ Dreimal täglich sorgte Langer mit Futter und Bauchmassage für das Wohlbefinden der Kleinen, öfter werden kleine Kaninchen auch von ihren Müttern nicht gesäugt. „Ich musste mir also nicht die Nacht um die Ohren schlagen“, so die Ersatz-Mama.

Gewusel in der Küche

Mehr als zwei Wochen lang lebten die Kaninchen in ihrem Behelfsnest in Langers Küche, sie wuchsen und wurden immer quirliger. Bald konnte Langer von der Pipette auf eine 50-Milliliter-Flasche mit Sauger umsteigen. „Ich habe immer so viel gegeben, bis ich fühlen konnte, dass das Bäuchlein voll war.“ Weil sich die Kleinen so ähnlich sahen, setzte die Blickershäuserin die bereits Gefütterten in einen zweiten Karton. „Sonst hätte ich bei dem Gewusel den Überblick verloren.“

Mittlerweile sind die zehn Kaninchen wieder in ihr Heunest im Stall gezogen. Statt Milch aus der Flasche trinken sie jetzt Wasser, knabbern Heu und spezielles Aufzuchtsfutter in Pellet-Form. Doch wenn Birgit Langer an der Stalltür auftaucht, ist die Aufregung bei der Rasselbande immer noch groß. „Sie erkennen deine Stimme“, sagt Doris Daemelt und lacht. „Ich bin eben eine echte Kaninchen-Mama geworden“, erwidert Birgit Langer stolz.

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