Kreative Überlebensstrategien

Gastwirte im Werra-Meißner-Kreis kämpfen gegen Pandemie-Aus

Restaurants und Hotels bleiben leer: Die Wirte im Werra-Meißner-Kreis brauchen wegen der Corona-Krise derzeit finanzielle Rücklagen auf und entwickeln neue Konzepte, um der Pandemie entgegenzuwirken.
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Restaurants und Hotels bleiben leer: Die Wirte im Werra-Meißner-Kreis brauchen wegen der Corona-Krise derzeit finanzielle Rücklagen auf und entwickeln neue Konzepte, um der Pandemie entgegenzuwirken.

Das Hotel- und Gastronomiegewerbe hat das umsatzschwächste Jahr seit Langem hinter sich und muss bangen. Im Kreis haben die Wirte Strategien entwickelt, um die Krise zu überstehen.

Werra-Meißner - „Wir haben hier im Kreis die Situation, dass wir keine richtigen Tagungshotels haben und deshalb in einer anderen Lage sind als die Gastronomen der Stadt“, sagt Christian Pelikan, Kreisvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga.

Dass die ländliche Gastronomie trotz des Lockdowns Essen zum Mitnehmen anbieten kann, ihre Gäste oft schon für Jahre vorbestellen und die verwendeten Zutaten teils selbst herstellt, lässt die Wirte knapp durch die Krise manövrieren. Das kann auch Liane Gonnermann vom gleichnamigen Gasthaus in Sontra-Berneburg bestätigen. „Unsere Gäste reservieren schon Jahre im Voraus, zum Beispiel, wenn eine Konfirmation ansteht.“ Diese Buchungen stünden auch für das Jahr 2021 weiterhin fest, berichtet die Gastwirtin.

Andere Wirte begegnen der Krise flexibel: „Wir haben Aushilfen und können so schauen, wie viel Hilfe wir benötigen“, sagt Frank Volkmar vom Landgasthof zum Stern in Wehretal-Langenhain. Der Metzger und Wirt stellt Wurst- und Fleischwaren selbst her und kann sich so an die Nachfrage anpassen.

Industrie darf ohne Beschränkungen wirtschaften

Dass sich die Gastronomie-Unternehmen im Lockdown Überlebensstrategien ausdenken müssen während die Industrie ohne Beschränkungen wirtschaften darf, stößt bei Christian Pelikan auf Unverständnis. Dabei sei die Prognose für die Gastronomie 2021 bereits kritisch. „Wir haben eine sehr dünne Reservierungsdecke für dieses Jahr“, warnt der Experte angesichts halb leerer Auftragsbücher.

Liane Gonnermann erinnert sich an die Reservierungsflut, die sonst zu Beginn eines Jahres auf die Wirte zukam. „Im Januar klingelt das Telefon normalerweise die ganze Zeit und die Leute fragen für das kommende Jahr an, das ist jetzt ganz weggefallen.“

Weil alle Veranstaltungen bis Mitte Februar coronabedingt abgesagt wurden, begann das Jahr für die Gastronomen ohnehin ohne Gäste. Und auch die versprochenen Hilfen des Bundes ließen auf sich warten, merkt Christian Pelikan an. Er und weitere Kreisvorsitzende der Dehoga in Hessen haben sich deshalb direkt an die Politik gewendet und fordern in einem Brief unbürokratische Hilfen für die Branche.

Umgerüstet und mit der Schließung abgestraft

„Denn die Gastronomie hat sich angepasst, umgerüstet und wurde dann mit der Schließung abgestraft“, fasst Pelikan die Verschärfung der Lockdown-Regeln zusammen. Er sehe besonders die Gefahr pandemiebedingter Betriebsschließungen angesichts der fehlenden Hilfen.

Doch auch dort, wo Abschlagszahlungen eingetroffen sind, reichten sie nicht, um die Betriebe zu finanzieren, weiß Liane Gonnermann aus eigener Erfahrung. „Wir gehen jetzt schon an die Altersrücklagen“, bedauert die Wirtin. À-la-carte-Essen zu verkaufen reiche eben nicht, um dauerhaft finanziell zu bestehen, bestätigt auch Jesper Hedensted von der Gaststätte Kombergblick in Wehretal-Vierbach. (kh)

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