Ausstellung: Vor allem Jugendliche sollen die „braune Falle“ erkennen

Blick in die rechte Szene

So können sie aussehen: Daniela Künzel und Katharina Sundheim inspizieren die typische Kleidung der Skinheads. Fotos: Geier

Hessisch Lichtenau. Bomberjacke und Springerstiefel. Den Baseballschläger lässig über die Schulter gelegt. Die finstere Gestalt mit kahl geschorenem Schädel ist nur eine Puppe, zieht aber die Blicke auf sich. Sie ist Teil der Ausstellung „Die braune Falle - Eine rechtextremistische Karriere“, zu sehen bis zum 2. Dezember im Bürgerhaus in Hessisch Lichtenau.

Auch wenn die Ausstellung über Dresscodes und Mode von Neonazis aufklärt, so wird ebenso gezeigt, in welcher Vielfalt man rechtsextremistische Gruppierungen trifft, und die sind nicht mehr so leicht an ihren Glatzen zu identifizieren. Vor allem aber werden die Handlungsfelder und Gefahren hervorgehoben. Während die Älteren in das Leben von Mario S. hineinschauen, werden die jugendlichen Besucher auch belehrt. Die Besucher sollen hinter die Fassade blicken und sich selbst ein Bild machen. Die Schaukästen machen den Fanatismus deutlich, denn die sichergestellten Stücke reichen von erfindungsreich über makaberbösartig bis kurios, von einem „Jude, ärger dich nicht“-Spiel bis zu einem Parfum, mit dessen Hilfe man nach Adolf Hitler riechen soll.

Dieses Bild hat sich Katharina Helwig schon gemacht. Die Oberstufenschülerin der Freiherr-vom-Stein-Schule blickte interessiert über die hoch aufragenden Ausstellungswände. Mit Bedacht las sie sich alles durch. Die 17-Jährige hatte schon zuvor ein Bild von den Neo-Nazis, aber durch die interaktive Ausstellung wurde es noch klarer: „Ich habe jetzt mehr Eindrücke und der Hass, den die Neo-Nazis versprühen, wird noch spürbarer.“

Dieter Utermöhlen und Horst Jodscheit, die die Ausstellung begleiten, ermutigten die Schüler und die anderen Besucher, sich alles genau anzusehen. Die Musik beeindruckte die Jugendlichen aber am meisten. Der anfangs rhythmische Bass lädt zum Mitrocken ein. „Genau das ist es, was die Skinhead-Musik so gefährlich macht“, erklärt Utermöhlen, „Vor Schulen werden die CDs verteilt, und die Schüler finden das gut, leise und schnell prägen sich die rechtsextremistischen Parolen ein.“ Vor allem isolierte Jugendliche, die keinen Anschluss finden, seien gefährdet. „Unser fiktiver Mario S. war so einer“, sagte Jodscheit, „Die Schule hat ihn genervt, aber in der rechtsextremistischen Szene hat er Halt und Freunde gefunden.“

Auszusteigen ist schwer

Dem Besucher wird auch die rechtsextremistische Weltanschauung dargelegt. Die Geschichte, die in der Schule gelehrt wird, wird von ihr als Lüge bezeichnet. Und so wird behauptet: „Es gibt naturwissenschaftliche Gutachten, die beweisen, dass in Auschwitz nie Juden vergast wurden“. Auf die Oberstufenschüler wirkt dies erschreckend, denn sie kennen aus dem Geschichtsunterricht die Wahrheit.

Die meisten Schüler heben sich die letzte Säule bis zum Schluss auf: Wie schwer es ist aus der Szene auszusteigen, belegen Interviews mit zwei Aussteigern.

Von Christiane Geier

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