Blumen für die Löcherallee: Bürger bepflanzten Schlaglöcher

Pflanzaktion als Prozess: Einige Roßbacher setzten Blumen in die Schlaglöcher in der Straße nach Oberroßbach. Foto: Neugebauer

Oberroßbach. „Löcherallee, Achtung Lebensgefahr" steht auf einem selbstgebastelten Schild am Anfang der innerörtlichen Verbindungsstraße zwischen Roßbach und Oberroßbach.

Über 60 große Schlaglöcher von teilweise 1,4 mal 0,90 Metern und einer Tiefe von bis zu 15 Zentimeter hat Anita Sedlatschek auf der knapp einen Kilometer langen Verbindungsstraße bis nach Oberroßbach gezählt. Dabei hat sie nur die großen Löcher aufgenommen.

In diese haben engagierte Roßbächer und Oberroßbächer Bürger nunmehr bis zu elf Stiefmütterchen pro Loch gepflanzt, um auf die seit Jahren bestehenden Missstände aufmerksam zu machen. Vorher wurden die größten Löcher mit Recyclingmaterial der Forstgenossenschaft verfüllt. „Wir fühlen uns von der Stadt stiefmütterlich behandelt“, sagte Ehemann Karl Heinz Sedlatschek, der seit über 20 Jahren im Ortsbeirat Roßbach ehrenamtlich tätig ist und den Zustand für untragbar hält. Die 1969 in günstiger Bauweise hergestellte Verbindungsstraße wurde im Laufe der Jahre durch Bau- und Holztransportfahrzeuge immer mehr in Mitleidenschaft gezogen, sodass ab 1996 jährlich auf den schlechten Straßenzustand hingewiesen wurde. 2011 sollte die Straße unter Beteiligung der Anlieger für 80 000 Euro grundlegend saniert werden.

Unfallrisiko für Radfahrer

„Mittlerweile ist sie im Investitionsprogramm bis nach 2017 verschoben mit guter Chance auf weitere Verzögerung. Jetzt werden noch nicht einmal die Löcher ausgebessert und ein Unfallrisiko von Radfahrern bewusst in Kauf genommen“, lässt Sedlatschek seinem Unmut freien Lauf. Wenn die Sportradler aus dem Kaufunger Wald auf der abschüssigen Straße (zehn Prozent) ein Schlagloch übersehen, steigen sie über den Lenker ab. Sedlatschek ist froh, dass hier bislang nicht mehr passiert ist. Kai-Uwe Steinfeld, der sich an der Pflanzaktion ebenfalls beteiligte, weist darauf hin, dass durch den finanziellen Einsatz der Roßbacher Jagdgenossenschaft in den vergangenen Jahren für den Feldwegebau der Stadtetat bereits um mehr als 40 000 Euro entlastet wurde und irgendwann „ein bisschen Geld für unser Dorf übrig sein müsste“. Dass im Gegenzug zig Millionen für vollkommen intakte Bundesstraßen ausgegeben würden, nur weil es ein anderer Topf ist, könne keiner der Beteiligten verstehen. (znb)

Das sagt die Bürgermeisterin

„Der Stadt Witzenhausen ist der Zustand der Straße bekannt“, sagt Bürgermeisterin Angela Fischer auf Anfrage. Es habe in der Vergangenheit mehrfach Ortstermine gegeben. Sobald keine Frostgefahr mehr bestehe, sollen die Schlaglöcher erneut ausgebessert werden. Das sei zwar keine dauerhafte Lösung für die Frostschäden, aber derzeit die einzige Möglichkeit. Der grundhafte Ausbau, der nach derzeitigen Schätzungen 130 000 Euro kosten soll, ist erst für 2017 geplant, weil die Stadt vorher noch Straßen reparieren müsse, die deutlich stärker befahren seien. Fischer nennt als Beispiel die Südbahnhofstraße. Zudem weist die Bürgermeisterin darauf hin, dass der grundhafte Ausbau beitragspflichtig ist: Die Anlieger müssen sich zur Hälfte an den Kosten beteiligen. Dazu können auch Besitzer landwirtschaftlicher Flächen seit Kurzem herangezogen werden. (fst)

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