Prozess um versuchten Mord in Lichtenau

Brüder widersprechen Staatsanwaltschaft

Statue Justitia - Weniger Verfahren vor Gerichten
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Justizia Justitia Symbolbild

Es ist ein schwieriges Puzzle aus vielen Zeugenaussagen und Tatortfotos, einigen Indizien und zahlreichen Mutmaßungen, das die 6. Strafkammer des Kasseler Landgerichts unter Vorsitz von Richter Volker Mütze zusammensetzen muss, um zu einem Urteil zu gelangen.

Kassel/ Hessisch Lichtenau - Denn darüber, was sich tatsächlich am Abend des 3. Juli 2020 bei der Sparkasse in Hessisch Lichtenau abgespielt hat, gibt es unterschiedliche Aussagen, wie sich gestern zeigte.

Angeklagt sind zwei Brüder, 43 und 40 Jahre alt, die vor Jahren als Flüchtlinge aus dem Kosovo nach Deutschland gekommen waren. Sie sollen laut Anklage einen ihnen bekannten Mann, ebenfalls mit Flüchtlingshintergrund, zunächst im Streit geschlagen und verletzt, dann mit ihrem Auto absichtlich angefahren haben. Anschließend seien sie geflüchtet. Weil er dabei den Tod des Geschädigten in Kauf genommen habe, wird dem 43-jährigen Fahrer des Autos nicht nur Körperverletzung, sondern auch versuchter Mord vorgeworfen. Er sitzt in Untersuchungshaft, sein Bruder ist auf freiem Fuß.

Eine völlig andere Sicht auf die Ereignisse beschrieb Dr. Sven Schoeller, Anwalt der Brüder, in einer Stellungnahme vor Gericht. Danach kannten sich die Kontrahenten aus der Flüchtlingsunterkunft, es sei mehrmals zu Bedrohungen der beiden Angeklagten gekommen und schließlich im Juli 2020 zu dem Aufeinandertreffen an der Sparkasse.

Laut Schöller wurde sein Mandant wurde bedroht, auch mit einem Messer, und im Zuge des Streits sei der Bruder des 43-Jährigen durch einen Stich in den Bauch verletzt worden.

Im Fond des Wagens hätten die Frau des Angeklagten und seine zwei Kinder gesessen. Weil der Angeklagte seinen blutenden Bruder ins Krankenhaus habe bringen wollen, sei er schnell losgefahren und dabei mit dem Auto des Geschädigten kollidiert.

Dieser sei verletzt worden, da er neben dem Wagen gestanden habe. Er habe das nicht mit Absicht getan, sei aber weitergefahren. Welche Version den Tatsachen entspricht, soll durch Zeugenaussagen und Sachverständige geklärt werden. Die Indizien geben nicht viel her: Das Messer etwa, von dem die Rede war, tauchte nicht auf. Blutstropfen, die am Tatort gefunden wurden, stammen nicht vom Geschädigten, der am Kopf verletzt worden war. Nächster Prozesstermin ist der 28. Mai.

Von Ulrike Lange-Michael

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