Buddeln für die Einheit

Erstklässler pflanzen Bäume am Werra-Grenzpark Herleshausen zum Tag der Deutschen Einheit

Für die Wiedervereinigung gedankt haben viele Menschen am Sonntag in Herleshausen.
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Schüler der Südringgauschule haben Bäume am Grenzpark Herleshausen gepflanzt.

Erstklässer der Südringgauschule haben am Sonntag anlässlich des Tag der deutschen Einheit Bäume im neuen Werra-Grenzpark bei Herleshausen gepflanzt.

Herleshausen – “Sehnsucht und Trauer nimmt kein Ende“, verlasen Louis Noack und Florian Bergmann, die Schulsprecher der Südringgauschule, ein Gedicht. Sie stehen dabei vor einer geschmückten Schulbank, an der passend zu diesem Text ein Schild mit der Jahreszahl 1958 klebt: „Um Verwandte zu besuchen, benötigt man Einreisedokumente.“

Mit der Teilnahme am Einheitsbuddeln am Sonntag lernten die Kinder der beiden ersten Klassen der Südringgauschule, deren Geschwisterkinder und Eltern sowie zahlreiche weitere Gäste am entstehenden Werra-Grenzpark etwas über die Zeit der deutschen Teilung.

Südrringgauschule war Einladung der Burg Ludwigstein gefolgt

Als sogenannte Weltschule war die Südringgauschule der Einladung der Jugendbildungsstätte Ludwigstein und der Fachstelle Partnerschaft für Demokratie gefolgt, und verband Geschichte und Umweltschutz beim Pflanzen zweier Säulenkirschen und zweier Blutpflaumen miteinander. Die Schüler der beiden ersten Klassen hatte die Schule eingeladen, da es ihr laut Claudia Berthold-Behnisch wichtig sei, die Kinder von Anfang an Teil einer solchen Aktion sein zu lassen. Sie und Schulleiterin Regina Nizold hatten ebenso wie Bürgermeister Lars Böckmann an der Veranstaltung teilgenommen. Als ein gutes Gemeinschaftsprojekt lobte Anika Seelig, Lehrerin der 1a, das Einheitsbuddeln. „Es ist schön, dass die Eltern so mitgezogen haben“, sagt Anette Wetterau, die gemeinsam mit dem Vorsitzenden Gero von Randow und Helfern aus dem Verein die Veranstaltung organisiert hatte.

Nach Anleitung und mit der Hilfe des Eisenacher Landschaftsarchitekten Thomas Herrmann pflanzten Erwachsene und Kinder gemeinsam die vier vom Werra-Meißner-Kreis finanzierten Bäume, trugen Erde und Wasser zu den bereits ausgehobenen Löchern, waren mit Schaufeln unterwegs und setzten Pfähle zu den jungen Obstbäumen. Selbst eine zweijährige Helferin war fleißig dabei und als jüngstes Mitglied des Werra-Grenzpark e. V. half ein Achtjähriger mit.

Nach Herleshausen waren auch die Witwe und die beiden Kinder des 1967 von der Bundesrepublik freigekauften Stasi-Häftlings Wilfried Linz gekommen, um von dessen Erlebnissen zu berichten. Als junger Mann war er bei dem Versuch, über Ungarn zu flüchten, festgenommen und 20 Monate lang inhaftiert worden. „Es ist auch unsere Geschichte, die Geschichte unserer Familie“, sagte Heidi Linz eingangs, bevor sie und ihre Kinder Hubertus Linz und Teresa Walter Passagen aus den Erinnerungen des Vaters verlasen.

Die Besucher des Einheitsbuddelns erfuhren so, dass nach der Festnahme des jungen Mannes auch dessen Eltern und sein Bruder bestraft wurden, indem sie ihre Arbeitsstellen verloren, und erhielten einen Einblick in die Ereignisse im Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen. „Ich fühlte mich wie zum zweiten Mal geboren“, verlas seine Tochter aus den Erinnerungen über den Moment, in dem ihr Vater den Grenzübergang Wartha-Herleshausen erblickte, auf den zehn Jahre mit Träumen folgten, in denen Linz weiter von der Stasi verfolgt wurde. (Eden Sophie Rimbach)

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