INTERVIEW

Bürgermeister Friedhelm Junghans aus Meißner strebt die vierte Amtszeit an

Arbeitsplatz im Rathaus: Der amtierende Bürgermeister Friedhelm Junghans möchte auch in den kommenden sechs Jahren die Geschicke der Gemeinde Meißner lenken.
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Arbeitsplatz im Rathaus: Der amtierende Bürgermeister Friedhelm Junghans möchte auch in den kommenden sechs Jahren die Geschicke der Gemeinde Meißner lenken.

„Ich will nicht mittendrin aufhören“, sagt Meißners Bürgermeister Friedhelm Junghans. Am 14. März entscheiden die Bürger, ob er in die vierte Amtszeit geht. Gegenkandidaten gibt es nicht.

Meißner – Seit 18 Jahren steht Friedhelm Junghans als Bürgermeister an der Spitze der Gemeinde Meißner. Am 14. März muss er sich bei den Kommunalwahlen dem Urteil der Bürger stellen, die über eine vierte Amtszeit entscheiden.

Wir sprachen mit dem Kandidaten, der nun schon zum dritten Mal keine Konkurrenz hat, über anstehende Projekte und wofür er in den vergangenen drei Amtsperioden kritisiert wurde.

Bergwildpark, Mohnblüte, Freizeitanlage Rehberg –das sind nur einige Beispiele von Aktivitäten der Bürger Ihrer Gemeinde. Das Amt des Bürgermeisters in Meißner hört sich nach einem Spaziergang an.

Nein, das ist es nicht. Aber eine Prämisse war schon immer, wenn gute Ideen aus der Bevölkerung kommen, dann bin ich der Allererste, der das sofort unterstützt. Und daraus haben sich dann Projekte entwickelt wie die Mohnblüte oder die Wassertretanlage, die eine Idee des Heimatvereins war. Ich will nicht der Master sein, der oben drübersteht und Ideen vorgibt, sondern der Vermittler, der unterstützt, sodass wir was Ordentliches für die Gemeinde hinbekommen. Das habe ich die letzten 18 Jahre so gemacht und daraus sind viele gute Projekte entstanden.

Sie sind seit 18 Jahren Bürgermeister und treten nun zum vierten Mal an. Warum?

Meine Vorüberlegungen waren: Macht es Sinn, noch einmal anzutreten, was sind die Ziele für die nächsten Jahre, kannst du noch was erreichen und gibt es noch andere Interessenten? Gleichzeitig stehen in der Gemeinde wirklich viele interessante Sachen an, wo ich gesagt hab, Mensch, jetzt willst du doch nicht mittendrin aufhören. Es war ein Prozess, in dem ich zur Überzeugung gekommen bin, es läuft gut, ich kann noch was erreichen und habe auch die Kraft dazu. Deshalb bin ich wieder angetreten.

Sie sprachen von interessanten Projekten, die anstehen. Welche sind das?

Wir machen diesen ganzen Dorfentwicklungsprozess, der bestimmt bis 2027 geht. Jetzt wollen wir ein Konzept für den Außenbereich erstellen. Auch der Ausbau der Hauptstraße in Abterode steht an.

Welche Zweifel hatten Sie?

Man muss darauf achten, dass man so ein Amt nicht zu lange ausübt. Denn je länger man es füllt, desto mehr muss man auch gucken, ob die Bevölkerung mal jemand anderes braucht, der sie anspricht. Es schleicht sich ja auch einiges ein, darauf muss man sich auch immer wieder hinterfragen.

Noch sind Sie nicht der Dienstälteste im Werra-Meißner-Kreis ...

Nein, der Kollege Friedel Lenze aus Berkatal, der kandidiert schon für die fünfte Periode. Aber dahinter komme ich dann doch schon.

Kaum war die Gemeinde aus dem Schutzschirm raus, da kam auch schon Corona: Spielte das eine Rolle bei Ihrer Entscheidung?

Den Schutzschirm haben wir trotz schlechter Prognosen wirklich gut gemeistert. Klar, die wirtschaftliche Entwicklung hat uns geholfen und ab 2017 hatten wir ausgeglichene Haushalte und Überschüsse. Vor einem Jahr habe ich noch gesagt, jetzt sind wir in gutem Fahrwasser. Dann kam Corona und ich habe mich natürlich gefragt: Hast du die Kraft, wenn der Haushalt wieder defizitär wird, das Ganze nochmal zu machen? Das war wirklich der schwierigste Punkt.

Wie läuft der Wahlkampf unter Coronabedingungen?

Es ist, auch wenn wir eine relativ kleine Kommune sind, schwieriger geworden, Kontakt zu halten. Wenn ich Jubiläumsbesuche mache, sind das Momente, in denen ich immer mit vielen Menschen ins Gespräch und den Austausch komme. Das fällt jetzt weg. Genauso wie die Vereinsversammlungen. Sonst bin ich mit jedem Gemeindemitglied mindestens einmal im Jahr in Kontakt gekommen. Das ist natürlich ein Problem.

Wie haben sich die Menschen seit Ihrer ersten Amtszeit verändert?

Angriffe, die unter die Gürtellinie gehen, verbreiten sich immer mehr.

Und das, obwohl hier jeder jeden kennt?

Ja, in einigen wenigen Fällen trauen die sich das schon. Wären es mehr, dann hätte ich bestimmt auch anders über meine Kandidatur nachgedacht.

Welche Vorteile hat es, dass Sie nun schon so lange im Amt sind?

Weil ich so lange dabei bin, kennen die Menschen meine Art. Sie haben keine Scheu und rufen an oder schreiben eine Mail, wenn sie ein Problem haben. Das ist ein Vorteil. Und ich weiß, wohin ich mich wenden kann, weil ich auf ein bestehendes Netzwerk zurückgreifen kann.

Welches sind die wichtigsten Ziele für die kommenden Jahre?

Zu den wichtigsten Zielen gehört, die finanzielle Situation zu meistern, ohne die Bürger über Gebühr belasten zu müssen. Wir haben die günstigsten Steuern und Gebühren im Kreis. Das ist ein Erfolg und Alleinstellungsmerkmal. Das haben wir auch bei den Bauplätzen gemerkt. Lange lief der Verkauf sehr schleppend. Jetzt gibt es eine rege Nachfrage, aus der sich das nächste Ziel ergibt. Wir müssen jetzt gucken, wo können wir in den Ortsteilen erweitern und Baumöglichkeiten schaffen. Die Neugestaltung der Ortsdurchfahrt in Abterode ist ein weiteres Großprojekt im Rahmen der Dorfentwicklung, bei dem wir schauen müssen, wie wir das schultern, ohne die Bürger zu sehr oder überhaupt zu belasten.

Im Zuge der Dorfentwicklung wird ein medizinisches Versorgungszentrum diskutiert – wie steht es darum?

Die ärztliche Versorgung wollen wir konzeptionell weiterentwickeln. Auch in dem Wissen, dass das die schwierigste Aufgabe ist. Wir können die Rahmenbedingungen schaffen, aber einen Arzt oder eine Ärztin können wir nicht backen.

18 Jahre im Amt: Wofür wurden Sie kritisiert?

Es gab zwei Themen. Das war in Weidenhausen die Ansiedelung der Firma Bohn, die den Abfall verarbeitet und ohne deren erhebliche Mehreinnahmen wir die Auflagen des Schutzschirms nicht hätten erfüllen können. Aber die Ansiedelung war stark umstritten. Da war einiges auszuhalten. Das zweite schwierige Thema waren die geänderten Transportwege der Firma Köhler, die durch Germerode führen. Da gab es große Bedenken und Kritik. Ich musste bei beiden Projekten abwägen: Ist das wegen der Gewerbesteuereinnahmen und der Arbeitsplätze gut für die Gemeinde oder eine zu starke Belastung für die Bevölkerung.

Gab es Entscheidungen, die Sie aus heutiger Sicht anders getroffen hätten?

Nein, das kann ich nicht feststellen. Es gibt nur die Situation am Schwalbenthal, die mich noch heute ärgert, weil es für den Hangrutsch noch immer keine abschließende Lösung gibt. Als Gemeinde haben wir da allerdings den wenigsten Einfluss, weil wir weder Grundstückseigentümer noch Verursacher sind.

Es ist für Sie der dritte Wahlkampf ohne Gegenkandidat – spricht das für gute Arbeit oder sind die Bürger von Meißner zu feige, einen Gegenkandidaten aufzustellen?

Ich will es mal positiv sehen (lacht). Ich denke, die Menschen sind zufrieden mit meiner Arbeit, sonst hätte sich daraus eine Gegenkandidatur entwickelt. (Von Hanna Maiterth)

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