Bund nimmt Verbot zurück: Im Schlachtraum dürfen Fleischer wieder Wurst herstellen

Werra-Meißner. Das Schlachten, Zerlegen und Verarbeiten von Tieren soll künftig wieder in einem Raum möglich sein - verboten worden war es erst 2007.

Die neue Regel werde handwerklich strukturierten Schlachtbetrieben wieder erlaubt, kündigte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft jüngst als Änderung des Lebensmittel-Hygienerechts für März 2016 an. Damit entlaste man kleine und mittlere Schlachtbetriebe und stärke die regionale Lebensmittelproduktion, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt (CSU).

Doch so groß ist die Freude bei den Fleischern im Werra-Meißner-Kreis über die Rücknahme des 2007 erlassenen nationalen Verbots, das Fleisch in einem Raum zu zerlegen und zu verarbeiten, nicht. „Eine späte Erkenntnis“, sagt beispielsweise Bio-Landwirt Hans-Jürgen Müller aus Witzenhausen. Als Vorsitzender des Verbandes der Landwirte mit handwerklicher Fleischverarbeitung (VLHF) vertritt er bundesweit 60 Bauern, die auf ihren Höfen schlachten oder Fleisch verarbeiten.

Beim Umsetzen des EU-Hygienepaketes seien damals viele kleine Betriebe gezwungen worden, entweder erheblich zu investieren, oder aber Schlachtung oder Fleischverarbeitung aufzugeben. Deshalb sei die Neuregelung jetzt „vor allem für Neueinsteiger von Interesse“.

Die Fleischer-Innung Werra-Meißner begrüße die Änderung zwar, erklärt Innungs-Obermeister Markus Dreßler (Großalmerode), viele Betriebe hätten die räumliche Trennung aber längst geschaffen. Die Rücknahme des Verbots sei höchstens noch für Direktvermarkter interessant, die alle hygienischen Voraussetzungen aber auch weiterhin erfüllen müssten.

Fleischermeister Markus Dreßler meint, es gebe wichtigere Dinge, bei denen Berlin helfen könnte - beispielsweise „Bürokratie abbauen“. Das findet auch Bio-Landwirt Hans-Jürgen Müller: In erster Linie müssten „unangemessene Dokumentationsmaßnahmen für die kleinen Betriebe auf den Prüfstand“.

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