1. Startseite
  2. Lokales
  3. Witzenhausen

Burg Boyneburg: An Himmelfahrt fliegen die Brote wieder

Erstellt:

Von: Tobias Stück

Kommentare

Werden sehnsüchtig erwartet: Die 300 Brote, an der Boyneburg von Gutsherr Otto von Boyneburgk geworfen. 700 Stück verteilt der Baron in den Patronatsdörfern.
Werden sehnsüchtig erwartet: Die 300 Brote, an der Boyneburg von Gutsherr Otto von Boyneburgk geworfen. 700 Stück verteilt der Baron in den Patronatsdörfern. © Kirchenkreis Eschwege

Nach zwei Jahren werden am kommenden Himmelfahrtstag an der Burgruine Boyneburg wieder die Brote fliegen. Die Tradition wird auf eine alte Sage zurückgeführt.

Wichmannshausen – Die traditionelle Brotspende auf der Boyneburg an Christi Himmelfahrt kehrt zurück. Nach zwei Jahren Pause soll an der Ruine die Tradition wieder in ihrer bewährten Form aufgenommen werden, bestätigt Gutsherr Otto von Boyneburgk gegenüber unserer Zeitung.

Was hat es mit dieser Tradition auf sich? Nach einer alten Sage soll einst ein Fräulein von Boyneburgk bei einem Unwetter vom Blitz erschlagen worden sein – freiwillig wohl, um Land und Leute zu erlösen, so die Sage.

Nach ihrem Vermächtnis und zum Andenken wurde daraufhin am Gründonnerstag (seit 1902 an Himmelfahrt) eine Brotspende an die Armen gegeben.

Und noch heute, über 500 Jahre nach dem sagenumwobenen Tod, beseelt das Vermächtnis des Burgfräuleins die Ruinen der einst so mächtigen Festung. Mehrere Tausend Menschen aus der Region erinnern sich an den Wunsch des jungen Mädchens und pilgern zur Brotspende auf die hoch oben im Ringgau gelegene Boyneburg. Nach dem Gottesdienst um 13 Uhr wird an das Burgfräulein erinnert. Nachdem dann die Betagten und auch die Schulkinder der ehemaligen Patronatsdörfer ihr „Brot und Speck“ erhalten haben, erfolgt durch Otto von Boyneburgk der „Brotschmiss“, der jährlich etwa 4000 Menschen anzieht.

300 Brote würden in die Menge geworfen werden. Die Glücklichen, die einen der Laibe ergattern, sind vor Blitzschäden geschützt. Weiterhin, so der Glaube, werde es ihnen nie an Brot mangeln.

Die Coronapandemie hatte dem alljährlichen Spendengottesdienst auf der Boyneburg zweimal in Folge einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Patronatsdörfer wurden 2020 und 2021 trotzdem versorgt. „Das wollte ich mir nicht nehmen lassen – schon wegen des Aberglaubens nicht“, sagt Baron Otto von Boyneburgk. Denn ausgefallen ist die Brotspende nur ein einziges Mal: In den 1920er-Jahren, zur Zeit der Wirtschaftskrise nämlich, als gespart werden sollte.

Die Folgen – fatal: Wenige Tage nach Himmelfahrt erhob sich ein mächtiges Gewitter. Die Arbeiter des Gutes Boyneburgk, die sich auf dem Feld befanden, schafften es noch bis auf das Gut, als ein mächtiger Blitz herniederging und die Feldscheune in Brand setzte. Auch in diesem Jahr werden 700 Brote in den Dörfern verteilt. „Gerade die Alten und Kranken warten sehnsüchtig auf die Brotspende“, weiß Boyneburgk. (Tobias Stück)

Auch interessant

Kommentare