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Burg Ludwigstein feiert 102-jähriges Bestehen

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Von: Christoph Cortis

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Der Nachwuchs steht schon parat: Gitarrenspiel und Gesang setzten die musikalischen Akzente auf der Burg Ludwigstein.
Der Nachwuchs steht schon parat: Gitarrenspiel und Gesang setzten die musikalischen Akzente auf der Burg Ludwigstein. © Chris Cortis

Allen Grund zum Feiern hatte die Burg Ludwigstein, die am Samstag bei einem Festakt unter freiem Himmel auf ihr 102(100)-jähriges Bestehen zurückgeblickt oder – wenn man so will – das nachgeholt hat, was ihr vor 24 Monaten wegen der Coronakrise nicht vergönnt war. Dabei stand die Burg kurz vor der Insolvenz.

Burg Ludwigstein – Die Pandemie war es auch, deren schlimme Folgen der ehrenamtliche Stiftungsvorstand Holger Pflüger-Grone mit den Worten beschrieb. „Wir waren schlicht verzweifelt.“ Von heute auf morgen habe im März 2020 die Burg für quälend lange Zeit keine Besucher mehr gesehen, nicht in der Jugendherberge, nicht zu Seminaren, nicht zu kulturellen und anderen Veranstaltungen.

Folglich habe sie auch keine Einnahmen verbuchen können, sodass der Ludwigstein „kurz vor der Insolvenz“ gestanden habe, wie auch Tatjana Wander als Vorsitzende der Vereinigung Jugendburg Ludwigstein (VJL) bestätigte. Die Wende mit einer Großspende eingeleitet habe dann eine Person, die ungenannt bleiben wolle. Davon ermutigt, habe man zu einer Spendenaktion aufgerufen mit dem vorsichtigen Ziel, 20 000 Euro zu generieren. Es kam anders und besser. Am Ende, bilanzierte die VJL-Chefin, sprang sogar eine sechsstellige Summe heraus.

Im Beisein von Witzenhausens Bürgermeister Daniel Herz und aktuell 240 Burg-Besuchern aus allen Teilen der Republik dankten Pflüger-Grone und Wander allen, die zum Erhalt der Burg beigetragen hätten. Das Publikum quittierte es mit anhaltendem Beifall.

Dank an Gönner: Holger Pflüger-Grone.
Dank an Gönner: Holger Pflüger-Grone. © Chris Cortis

Iris Lück, Büroleiterin auf dem Ludwigstein, warf einen Blick zurück in die Vergangenheit. Sie selbst habe vor 36 Jahren ihre Ausbildung auf der Burg begonnen. In jener Zeit habe zum Frühstück die Marmelade täglich von rot auf gelb gewechselt: Abgesehen von Corona-Zeiten, wandte sie sich auch der Gegenwart zu. So würden pro Jahr auf dem Ludwigstein im Schnitt rund 15 000 Gäste bei 36 000 Übernachtungen gezählt.

Tobias Valentin Stark, einer von zahlreichen Zivildienstleistenden, welche die Burg schon beherbergt hat, äußerte den Wunsch, dass der Ludwigstein auch dann noch erlebbar sei, wenn er „in 50 Jahren kein Glas Bier, sondern eine Tasse Tee“ in den Händen halte. An die jungen Menschen appellierte er, sich für eine zukunftsfähige Burg zu engagieren.

Dabei sollten die Generationen Hand in Hand gehen und Verständnis füreinander aufbringen. In Vertretung von Landrätin Nicole Rathgeber, die durch andere Verpflichtungen gebunden war, überbrachte Kreisbeigeordnete Heike Nölke Grüße und Glückwünsche des gesamten Kreisausschusses. Selbst einst Pfadfinderin, habe sie „hier oben oft schöne Zeiten verbracht“. Toleranz sei ein Markenzeichen der Burg, welche die bedeutendsten Dokumente der deutschen Jugendbewegung berge. Im Namen der Landrätin überreichte sie eine Urkunde und ein Geldgeschenk.

Dicht gedrängt: Mehr als 240 Besucher verfolgten den Festakt auf der Burg Ludwigstein.
Dicht gedrängt: Mehr als 240 Besucher verfolgten den Festakt auf der Burg Ludwigstein. © Chris Cortis

Gestandene Männer des so bezeichneten Bauhüttenkreises wechselten den mehr als 100 Jahre alten Sturz über dem Burgtor aus. Sie hatten ihn aus einem Eichenstamm ausschließlich per Hand in die passenden Maße gebracht. Humorvoll von Selina Eckhoff und Miriam Kinkel moderiert, wurde der Festakt musikalisch umrahmt durch Gitarrenklänge und Gesang. Den Udo-Jürgens-Hit „Ich war noch niemals in New York“ textete ein Quintett um: „Ich war schon immer auf der Burg.“ Dafür gab es ebenso reichen Applaus wie für den „Arbeitskreis 2020“, der den Festakt organisiert hatte. (Chris Cortis)

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