Fragen und Antworten

Busfahren nur mit Fahrkarte - Das gilt bei der Schülerbeförderung

Die Schülerbeförderung sorgt aktuell in einigen Teilen des Werra-Meißner-Kreises für Unmut. Unser Symbolbild zeigt die Haltestelle am Markt in Witzenhausen.
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Die Schülerbeförderung sorgt aktuell in einigen Teilen des Werra-Meißner-Kreises für Unmut. Unser Symbolbild zeigt die Haltestelle am Markt in Witzenhausen.

In einigen Kommunen wird seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten mit zugedrücktem Auge akzeptiert, dass Kinder eine Station mit dem Bus zur Schule fahren, obwohl sie zu nahe daran wohnen.

Werra-Meißner – Dass dieses Vorgehen aber auch teuer werden kann, zeigt der Fall eines neunjährigen Grundschülers aus dem Werra-Meißner-Kreis (Name der Redaktion bekannt). Mehrere hundert Euro sollen die Eltern nun dafür bezahlen, dass er die 1650 Meter von Zuhause nicht gelaufen, sondern im Bus mitgefahren ist.

Wir beantworten Fragen zum Thema.

Wer hat Anspruch auf Schulkindbeförderung?

Laut der Internetseite des hessischen Kultusministeriums trägt der Schulträger für Grundschulkinder die Fahrtkosten, wenn diese weiter als zwei Kilometer von der Schule entfernt wohnen. Schüler von weiterführenden Schulen bis zum Abschluss der Mittelstufe müssen drei Kilometer entfernt wohnen. Für Schüler höherklassiger Schulen gibt es keine Erstattung.

Gab es in jüngster Zeit Rückforderungen?

Es gab Rückforderungen im einstelligen Bereich, die sich über das gesamte Kreisgebiet verteilen, sagt Roland Lentz, Geschäftsführer der Nahverkehrsgesellschaft Werra-Meißner (NWM).

Warum wurde die Praxis der stillschweigenden Duldung im Wohnort des Neunjährigen geändert?

Laut Lentz gab es diese Duldung durch ein Missverständnis vor vielen Jahren durch den Busunternehmer. Um an der bisherigen, rechtswidrigen Praxis etwas zu ändern, müssen die Eltern informiert werden.

Wie gehen Eltern richtig vor, wenn sie ein Schülerticket haben möchten?

In der Regel wird laut Lentz von der Schule das Schülerticket Hessen beantragt. Wenn Eltern von Kindern ohne Anspruch auf Schülerbeförderung Fragen haben, könnten diese beim Nahverkehr Werra-Meißner anrufen, Tel. 0 56 51/7 45 70, und sich auf der Homepage nwm-esw.de/schuelerbefoerderung informieren.

Welcher Wohnsitz ist maßgeblich dafür, ein Schülerticket zu bekommen? Zum Beispiel, wenn die Eltern getrennt leben und das Kind wechselweise bei einem Elternteil lebt?

„In der Schülerbeförderung zählen nicht der Erstwohnsitz oder Zweitwohnsitz“, erklärt Lentz. Nach dem Hessischen Schulgesetz sei der dauerhaft gewöhnliche Aufenthaltsort entscheidend, der sei üblicherweise bei den Erziehungsberechtigten, das gelte auch bei getrennt lebenden Eltern. Teilen diese sich gleichberechtigt den Aufenthalt des Kindes, empfehle es sich, den NWM direkt anzusprechen. „In den meisten Fällen finden wir mit den Erziehungsberechtigten eine Lösung“, sagt Lentz.

Und was ist, wenn Personen, die die Kinder nach der Schule regelmäßig betreuen, wie etwa Großeltern, weiter weg wohnen?

In diesen Fällen müssten die Eltern eine Fahrkarte oder das Schülerticket Hessen kaufen, erklärt Lentz.

Was müssen Eltern bei Umzug oder Schulwechsel tun?

Die Adressen der berechtigten Schüler bekommt der NWM von den Schulen, erklärt Lentz. Diese erhielten das Schülerticket Hessen mit einem Merkblatt, auf dem darauf hingewiesen werde, dass etwa bei Umzug oder Schulwechsel das Sekretariat informiert werden müsse. Geschehe dies nicht, müssten die Erziehungsberechtigten die Mehrkosten tragen.

Welche Kulanzmöglichkeiten hat der NWM bei Rückforderungen?

Unter Beachtung der wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse sind laut Lentz eine Stundung mit Ratenzahlung möglich.

Wie geht es nun für Schüler weiter, die bisher kurze Strecken ohne Bezahlung mitgefahren sind?

„Die Busunternehmen werden unter Beachtung der vertraglichen Verpflichtung zur Personenförderung angewiesen, nur Kinder mit gültigem Fahrausweis zu befördern“, so Lentz.  (nde)

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