Tierschutz, Selbstliebe, Nachhaltigkeit

Instagram-Influencerin aus der Region hat mehr als hunderttausend Follower

Charlotte Weise mit Hündin Mini
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Am liebsten sind sie im Grünen: Charlotte Weise mit Hündin Mini beim Spaziergang am Hohen Meißner.

Für Charlotte Weise ging es aus dem Werratal hinaus in die weite Welt. Heute arbeitet sie als Model und Influencerin und lebt in Spanien.

Werra-Meißner – Charlotte Weise sitzt auf einer Holzbank mitten im Grünen am Frau-Holle-Teich des Hohen Meißners. „Ich liebe den Wald und vermisse die kühlen Sommer in Deutschland“, sagt die 28 Jahre alte Influencerin beim Besuch in ihrer Heimat. Mittlerweile lebt sie gemeinsam mit ihrem Partner Felix Adergold und ihrer Hündin Mini in der Nähe von Barcelona direkt am Strand. „Das Meer liebe ich aber auch.“ Sie grinst.

Dass einmal mehr als 172.000 Menschen Charlottes Leben auf Instagram mitverfolgen würden, hätte sie vor einigen Jahren noch nicht gedacht, sagt sie. Bekannt ist Charlotte als grüne Bloggerin heute über die deutschen Grenzen hinaus, arbeitet als Model für große Firmen und hat kürzlich zusammen mit einer Designerin eine eigene Modelinie herausgebracht.

Charlotte schließt die Augen und nimmt einen tiefen Atemzug der frischen Waldluft. Mit ihren Wurzeln im Werratal fühlt sie sich trotz aller Veränderungen der vergangenen Jahre noch immer sehr verbunden. „Es ist schön, hier alte Freunde wiederzutreffen. Alles ist mir so vertraut, selbst wenn ich nur die Familie besuche. Das ist Heimat“, sagt sie.

Charlotte Weise: In Kassel geboren, in Eschwege und Bad Sooden-Allendorf zur Schule gegangen

Geboren wurde sie 1992 als ältestes von vier Geschwistern in Kassel. Mit ihrer Familie lebte sie eine Zeit lang in Bad Sooden-Allendorf im Sportinternat, das ihr Vater Thomas Weise damals noch geleitet hat. Danach wohnte sie auch in Asbach und Neuerode. Den Aussichtspunkt an den Silberklippen im Wald zwischen Neuerode und Kella zählt Charlotte – neben dem Werratalsee und den Mohnblütenfeldern in Germerode – zu ihren Lieblingsplätzen im Werratal. „Wir waren früher oft wandern und ich bin auch heute noch gerne dort oben“, sagt sie.

Beim Besuch in der Heimat: Influencerin Charlotte Weise beim Spaziergang mit ihrer Mops-Mischlingshündin Mini beim Frau-Holle-Teich am Hohen Meißner.

Bis zur achten Klasse besuchte sie die Waldorfschule in Eschwege, die Charlottes Oma gegründet hat, wie sie erzählt. Nach ihrem Realschulabschluss an der Rhenanusschule in Bad Sooden-Allendorf folgte eine Ausbildung zur Friseurgesellin in Göttingen. In Lübeck hat sie 2017 schließlich ihr Abi nachgeholt, um dann Berufsschullehramt an der Uni Hamburg zu studieren. Ihren Bachelor hat sie nun in der Tasche. „Wäre ich keine Influencerin geworden, würde ich jetzt als Lehrerin arbeiten.“

Erste Modeljobs in Lübeck und Hamburg, heute kooperiert Charlotte Weise mit großen Firmen

Ihren ersten Modeljob ergatterte sie vor einigen Jahren noch in Deutschland bei Cyroline, einem Hersteller für faire Kleidung in Hamburg und Lübeck. Als Influencerin fing sie 2015 über ihren Partner Felix an, mit dem sie aktuell ein Kind erwartet.

Themen, die ihr besonders am Herzen liegen, sind Tierschutz, ein bewusstes Leben mit viel Selbstliebe und Nachhaltigkeit. Ihr Markenzeichen sind ihre Tanzvideos, in denen es weniger um Ästethik oder Choreografien, sondern einfach nur um Lebensfreude pur und ein gutes Körpergefühl geht.

In den sozialen Medien wie Instagram und der Videoplattform Youtube zeigt sie täglich ihr Leben, wie sich ihr nachhaltiger Lebensstil im Alltag umsetzen lässt und versucht, ihre Follower damit zu inspirieren. Das geht beim Frühstück los, welche Kleidung sie trägt und welche tierversuchsfreie Kosmetik sie verwendet. „Ich versuche es mit positiven Beiträgen und Aufklärungsarbeit zum Beispiel zum Tierschutz, zeige vegane Rezepte und faire Mode. Trotzdem möchte ich nicht missionarisch vorgehen“, erklärt sie. Denn diesen Lebensstil muss man sich auch leisten können, weiß die 28-Jährige.

Zu den Kunden, mit denen sie bereits zusammengearbeitet hat, zählen unter anderem Firmen für Naturkosmetik wie Lavera und Santé, aber auch Flaconi, diverse Modelabels wie Armedangels und Zalando, Lebensmittelhersteller und einige Hilfsorganisationen. Hauptsache nachhaltig und fair lautet das Motto. Die Follower setzen dabei auch ihr Vertrauen in Charlottes Urteilsvermögen. Charlotte Weise hat sich zu einer Marke entwickelt.

Charlotte Weises große Projekte: Eigene Unterwäschefirma, faires Schmucklabel

Beim Bewerben für Produkte soll es aber nicht bleiben. Aktuell ist Charlotte dabei, sich breiter aufzustellen: Ein veganes Kochbuch will sie in diesem Jahr zum Beispiel noch herausbringen, ebenso wie eine Co2-positive Decke und einer fairen Schmuckkollektion. Außerdem ist sie in Verhandlungen zur Gründung einer eigenen Unterwäschemarke, die ökologisch nachhaltig, fair und trotzdem stilvoll ist.

„Ich hoffe einfach, dass ich die Menschen zu einem positiven und bewussten Lebensstil inspirieren kann“, sagt Charlotte. Alles auf einmal geht nicht. Das weiß sie. Aber in einem ist sie sich sicher: „Viele Menschen können mit vielen kleinen Schritten sehr viel bewirken.“ 

Charlotte Weise über die guten und die schlechte Seiten des Influencer-Daseins

Wenn Charlotte Weise als Influencerin eines gelernt hat, dann dass man sich nicht alles zu Herzen nehmen darf, sagt sie. Denn neben ihren Fans tummeln sich in den Kommentarspalten der sozialen Medien auch zahlreiche Menschen, die ihrem Hass im Internet freien Lauf lassen.

Darunter gibt es Beleidigungen und auch Bedrohungen. „Mir wurde schon dreimal gewünscht, dass ich vergewaltigt werde, einmal hat mir jemand gedroht, er wolle mich aus nächster Nähe erschießen“, berichtet die 28-jährige Werratalerin.

Seit 2019 lebt sie mit ihrem Partner Felix Adergold in Spanien. „Dort fühle ich mich sicherer.“ Denn als sie noch in Hamburg gewohnt hat, konnte jeder leicht ihre Adresse herausfinden.

Zeitweise hatte sie überlegt, den Beruf deshalb an den Nagel zu hängen. „Je mehr Follower man hat, desto mehr Hass bekommt man zu spüren.“

Charlotte Weise: „Ich liebe es mit meinen Followern in Kontakt zu sein“

Aber ihr Dasein als Influencerin, mit dem sie seit 2017 ihr Geld verdient, hat auch viele positive Seiten, sagt sie. „Ich liebe es, so frei zu arbeiten und mit meinen Followern in Kontakt zu stehen. Ich habe auch schon oft Tanzevents veranstaltet und mich persönlich mit vielen getroffen.“

Viele Menschen unterschätzen das Influencer-Dasein aber auch, sagt Charlotte Weise, die von einer Agentur vermarktet wird. Denn hinter dem bloßen Fotomachen stecke viel mehr. „Man steht permanent im Zentrum der Aufmerksamkeit von Tausenden Leuten, hat Abgabefristen, Besprechungen, Termine, man muss fit und jeden Tag bei Instagram aktiv sein.“ Ansonsten gehe schnell die Zahl der Follower herunter – und damit auch die Preise für Werbekooperationen.

„Wenn ich einfach länger offline bin, mache ich mir alles kaputt, was ich mir jahrelang erarbeitet habe.“ Ein Fulltime-Job und es sei schwer, eine Grenze zwischen Arbeit und Privatem zu ziehen, weil die Kamera dazu gehört. Aktuell bekommt sie rund 2500 Nachrichten am Tag, die sie alle versucht, zu beantworten. Hilfe bekommt sie dabei von einer Freundin. „Dafür bin ich sehr dankbar.“ (Jessica Sippel)

Charlotte Weise ist nicht die einzige Influencerin aus dem Werra-Meißner-Kreis: Influencerin „joschy_84“, Joanna Hanisevski, verlässt Bad Sooden-Allendorf und zieht nach Zypern.

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