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Volkskrankheiten thematisieren: Chefarzt hält Vortrag über Rückenschmerzen

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Sprach im E-Werk über die Volkskrankheit Rückenschmerzen: Dr. Bernd Schlei, Chefarzt der Schmerztherapie am Klinikum Werra-Meißner.
Sprach im E-Werk über die Volkskrankheit Rückenschmerzen: Dr. Bernd Schlei, Chefarzt der Schmerztherapie am Klinikum Werra-Meißner. © Lorenz Schöggl

Rund 60 Prozent aller Deutschen geben an, in den vergangenen zwölf Monaten Rückenschmerzen gehabt zu haben; rund 16 Prozent leiden an chronischen Rückenschmerzen.

Eschwege – Am Montagabend hielt Dr. Bernd Schlei, Chefarzt der Schmerztherapie am Klinikum Werra-Meißner, im E-Werk einen Vortrag zu Ursachen, Zusammenhängen, Diagnosen und Behandlungsmöglichkeiten bei chronischen Rückenschmerzen. „Die Chronifizierung von Schmerz ist kein Problem der Zeit, sondern der Zunahme von beteiligten somatischen und psychosozialen Faktoren“, so Dr. Schlei. Chronisch seien Schmerzen dabei erst, wenn sie über drei Monate andauern, das Leben zentral mitbestimmen und gravierende Einschränkungen hinterlassen. Angst vor Bewegung, Depressionen, Schlafstörungen, Arbeitsunfähigkeit und sozialer Rückzug können Folgen sein.

Vier Prozent der Schmerzen seien auf einen Bandscheibenvorfall zurückzuführen, während über 90 Prozent nicht zugeordnet werden können. Blockierungen, Dysfunktionen der Wirbelsäule oder der Muskulatur, Bindegewebsveränderungen und systemische Probleme seien denkbare Zusammenhänge.

Als Auslöser kämen mangelnde Bewegung, Fehlhaltungen, Verschleiß und psychosoziale Belastungen in Frage. Schlei gibt umfangreiche Einblicke in das Zusammenspiel von Wirbelsäule, Bandscheiben, Muskulatur und Faszien. Meistens seien zwei Scherzarten zeitgleich zu beobachten: Der nozizeptive Schmerz entsteht durch Schmerzreize und der neuropathische Schmerz entsteht durch Schädigungen am Nervensystem; Bewegungseinschränkungen, Schwächegefühl oder Missempfindungen seien die Folge. „Der Vortrag war sehr interessant und informativ. Vor allem war er für Laien gut verständlich“, lobt Herbert Albert als Besucher. Bei der Behandlung ist Dr. Schlei deutlich: „Entscheidend ist eine multimodale Therapie“.

Operationen sind nur in besonderen Fällen, bei neurologischen Symptomen und nach intensiven Therapieversuchen sinnvoll. Eine Schmerztherapie auf bio-psycho-sozialer Basis könne Abhilfe schaffen, um den Schmerz zu lindern oder „mit dem Schmerz gut leben zu können“. Verhaltenstherapie, Rückenschule, Ergotherapie, Physiotherapie und ergänzende Maßnahmen wie Akupunktur werden gezielt kombiniert.

Wobei der Einsatz des Patienten entscheidend sei: „Passive Massagen sind schön und angenehm, aber wenn man ehrlich ist, dann helfen sie nicht lange“, so Dr. Schlei. Medikamente können als Unterstützung eingesetzt werden, wobei er eine Übersicht gibt, aber auch vor den Gefahren von mehr als vier bis sechs Wochen Einsatz warnt: Magen-Darm-, Nieren- und Leberschäden seien nicht selten. Eine gezielte, multimodale Schmerztherapie könne am Klinikum auch kurzfristig begonnen werden, wobei er Fragebögen zur Erst-Diagnostik verteilt.

„Es hat sich für die Betroffenen sehr gelohnt. Man bekommt eine ganz neue Sicht auf die Beschwerden“, resümiert Erika Albert. (Von Lorenz Schöggl)

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