Chinesische Unternehmer haben Schloss Rothestein im Blick

Kommt die Rettung für das bei Bad Sooden-Allendorf gelegene Schloss Rothestein aus Fernost? Chinesische Geschäftsleute haben Interesse an einer Nutzung, eventuell am Kauf des neugotischen Gebäudes aus dem späten 19. Jahrhundert.

Bad Sooden-Allendorf. Die Kontakte aus dem Werra-Meißner-Kreis zu Firmen und Verwaltung in der Stadt Fenghua in Ost-China verdichten sich: So interessieren sich nach Aussage des CDU Landtagsabgeordneten Dirk Landau Unternehmer aus China für die Nutzung von Schloss Rothestein.

Zudem ist ein Gegenbesuch von Unternehmern und Verwaltungsspitzen aus dem Werra-Meißner-Kreis in Fenghua sicher.

Seit dem Tod des Eigentümers Theo Becker (Bergisch Gladbach) im Oktober 2010 und dem Insolvenzverfahren stehen Anwesen und Gebäude von Schloss Rothestein vor einer ungewissen Zukunft. Zudem hat der Insolvenzverwalter sein Mandat niedergelegt. Jetzt bemüht sich Dirk Landau um aktuelle Zahlen, um diese den potenziellen Interessenten mitteilen zu können. Am Freitag ist wieder eine Gläubigerversammlung.

Interesse an der Entwicklung hat auch der Badestädter Gastronom Christian Pelikan, der auf dem Gelände mit Erfolg ein Schlosscafé betreibt und an einer weiteren Nutzung interessiert ist. Die Familie Pelikan würde gerne wieder Festivitäten ausrichten, was momentan - auch aus Gründen von Sanierungsauflagen - nicht möglich ist.

Eigentümer Becker hatte nach dem Erwerb 1994 versucht das Schloss zu verkaufen. Es gab zum Teil prominente Anfragen von Hotelketten und Privatpersonen wie dem Autor Johannes von Buttlar.

Zuletzt wollte Becker das Hotel für das Drei-Bundesländer--Projekt Werraneum umbauen. Der Werra-Meißner-Kreis hat das Projekt unterstützt und zeitweise Bauauflagen ausgesetzt. Im Schloss gibt es einen Investitionsstau in Millionenhöhe. Das Interesse in China wertet Dirk Landau positiv, vor allem weil es schwierig sei, für ein solches Projekt überhaupt Investoren zu finden. Deshalb habe er den Kontakt zu Phil Liao, Eigentümer der Firma Pacoma (Eschwege) geknüpft und die Delegation aus Fenghua auf das Schloss geführt.

Erfolgreich laufen die Bemühungen um einen Gegenbesuch: Heimische Vertreter aus Politik und Wirtschaft werden für fünf Tage in die 480 000-Einwohnerstadt Fenghua reisen - in der Zeit vom 27. Juli bis 6. August. Die angesprochenen Geschäftsführungen in Unternehmen wie Werkmeister (Wanfried) und Seeger Engineering (Hessisch Lichtenau) haben ihre Teilnahme signalisiert.

Dabei sein wird auch Eschweges Bürgermeister Alexander Heppe. Für den Bereich Tourismus hat der Vorsitzende des Hessischen Heilbäderverbandes, Ronald Gundlach (Bad Sooden-Allendorf), zugesagt. "Es geht darum, die Kontakte zu knüpfen, zu vertiefen und erste Möglichkeiten der Zusammenarbeit anzubahnen", sagt Landau.

Der Abschluss von Aufträgen sei kein erklärtes Ziel, der Zeitpunkt für Kontakte aber günstig, zumal Chinas Regierung fordert, mit ausländischen Mittelstandsbetrieben zusammenzuarbeiten.

Hintergrund: Schloss im Werratal

Der Bau von Schloss Rothestein im neugotischen Stil begann 1891 nach den Plänen von Regierungsbaumeister Wilhelm Kegel und im Auftrag vom Intendanten des Kasseler Staatstheaters Adolph von Gasa. Erster Bewohner und Nutzer - auch für Festivitäten - war die Familie um Baron Julius von Koop. Bei dem Bau wurde die alte Festungsanlage Osterburg zerstört, es sollen aber Fundamente weitaus älterer Anlagen existieren.

1994 hat der Diplom-Ingenieur Theo Becker aus Bergisch Gladbach das Schloss von der Familie von Lüninck aus Bad Sooden-Allendorf gekauft. Er investierte in das Gebäude und die Zufahrtstraße. Seit 2009 ist es wieder öffentlich zugänglich, gibt es auch ein Café.

Das Badestädter Standesamt traut pro Jahr etwa 15 Ehepaare im Schloss. Seit dem Tod Beckers im Oktober 2010 finden dort aber keine Kulturveranstaltungen mehr statt.

Von Thomas Kopietz

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