Werra-Meißner-Kreis

Chöre durch Corona weiter eingeschränkt: Online-Probe kein richtiger Ersatz für Gemeinschaft

Gemeinsames Singen in der Gruppe ist noch nicht möglich: Präsenzproben dürfen auch jetzt nur mit Abstand stattfinden. Auf unserem Foto zu sehen ist der Chor Chorios der Liedertafel Hessisch Lichtenau.
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Gemeinsames Singen in der Gruppe ist noch nicht möglich: Präsenzproben dürfen auch jetzt nur mit Abstand stattfinden. Auf unserem Foto zu sehen ist der Chor Chorios der Liedertafel Hessisch Lichtenau.

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie ist das Singen in der Gruppe nicht mehr möglich. Jetzt darf sich ein Chor im Freien zwar wieder treffen, aber nur unter strengen Auflagen.

Werra-Meißner - „Am 9. März 2020 war unsere letzte richtige Gesangsstunde, seitdem haben wir nicht mehr gesungen“, sagt Hiltrud Kiesewetter vom Frauenchor der Liedertafel in Hessisch Lichtenau. Die Gemeinschaft fehle den Mitgliedern des Vereins sehr. Das bestätigt auch Chorleiter Andreas Bothmann vom Gospelchor A Gospella aus Witzenhausen. „Im vergangenen Sommer und Herbst haben wir uns zwar draußen getroffen und gemeinsam gesungen, allerdings hieß das dann Singen auf Distanz. Unsere Mitglieder sind keine professionellen Sänger, da braucht man die Orientierung zum anderen“, erklärt er.

Seit einigen Wochen probiert der Gospelchor das Online-Singen per Videotelefonie aus. Dabei müssen jedoch alle Teilnehmer das eigene Mikrofon ausstellen, nur der Chorleiter lässt den Ton an und gibt Anweisungen. „Es ist ein merkwürdiges Gefühl, denn man hört ja nur seine eigene Stimme, anders ist das technisch nicht möglich. Das ist wohl das Gegenteil von dem, was sich die meisten unter Chorgesang vorstellen“, sagt Bothmann. Chorbeirätin Cornelia Nicol sieht es dennoch als gute Übergangslösung: „Wir sehen uns mal und die Stimme rostet nicht vollkommen ein.“

Eine kreative Herausforderung ist es auch für der Chor der Eschweger Gymnasien unter der Leitung von Andreas Worm. Gemeinsam proben sie schon online seit dem ersten Lockdown. „Im Sommer konnten wir für wenige Monate dann auch draußen singen. Wir wollten auf unser Hobby nicht verzichten und machen das Beste daraus. Aber wir hätten auf diese Erfahrung gern verzichtet“, sagt Worm.

Wie viele Sänger nach der pandemiebedingten Pause zu den Chorstunden zurückkehren, könne man jetzt gerade noch schwer beurteilen, sind sich die Vertreter der Chöre aus dem Landkreis einig. Ehrenvorsitzender der Liedertafel Hessisch Lichtenau, Helmut Dilchert, sagt: „Aus dem Verein austreten wird sicher niemand, aber vielleicht gibt es ein paar aktive Mitglieder weniger.“ Bei älteren Chorsängern sei das auch abhängig vom Gesundheitszustand. „Vielleicht gibt es nach der Pandemie aber auch das eine oder andere neue Vereinsmitglied. Nach der langen Zeit der Einsamkeit wächst vielleicht ein neues Interesse an Gemeinschaft.“

Online-Singen als Alternative

Einige Chöre nutzen das Online-Singen als Alternative zu Präsenzproben. Während ältere Chormitglieder dabei vor allem Probleme bei der technischen Umsetzung haben, stehen auch junge Sänger vor Hürden. Andreas Worm leitet die beiden Chöre der Eschweger Gymnasien. „Ich habe das Online-Singen zunächst mit den Älteren ausprobiert und da klappt es wirklich gut. Viele sind regelmäßig dabei“, sagt er. Auch bei den Fünft- bis Siebtklässlern funktioniert es, Worm sieht dabei aber auch die Herausforderung für die Schüler.

Chor der Eschweger Gymnasien probt online: Kreativ geworden sind die beiden Chöre von Musiklehrer Andreas Worm. Sie üben regelmäßig über das Internet und lernen so neue Lieder.

Er sagt: „Die Jüngsten haben noch nie ein richtiges Konzert erlebt und lang kannten sie mich nur vom Video. Es erfordert wirklich Mut, allein vor dem Bildschirm zu singen.“ Gemeinsam haben die Sänger mit ihrem Chorleiter auch während der Corona-Pandemie Projekte a cappella umgesetzt. „Jeder hat seine einzelne Stimme zu Hause aufgenommen und Schüler aus dem Chor haben das dann zusammengeschnitten“, erklärt Worm. Auf dem Youtube Kanal „Chor der Eschweger Gymnasien“ sind die Videos zu sehen.

Der Kinderchor der Liedertafel aus Hessisch Lichtenau muss nach der pandemiebedingten Pause wieder ganz von vorn anfangen, denn der Chor besteht eigentlich aus Kindern der dritten und vierten Klasse der Grundschule Hessisch Lichtenau. Den Schülern wird der Chor als Arbeitsgemeinschaft angeboten. „Jetzt sind schon zwei Jahrgänge von der Pandemie betroffen. Eigentlich werden die Kinder in den ersten beiden Jahrgangsstufen an das Singen herangeführt und ab der dritten Klasse beginnt dann das Chorsingen“, erklärt Nancy Frölich, Vorstandsmitglied der Liedertafel und Spartenleiterin des Kinderchors. Die Dritt- und Viertklässler haben wegen der Pandemie bislang keine Erfahrung im Gruppensingen. Die Umsetzung des nächsten großen Musicals, welches der Kinderchor eigentlich alle zwei Jahre aufführt, sieht Frölich daher erst im Mai 2023 wieder.

Die weiteren Chöre der Liedertafel Hessisch Lichtenau, der Chor Chorios, der Frauen- sowie der Männerchor, haben bislang auf Videotelefonie als Probenersatz verzichtet. Der Altersdurchschnitt bei den Frauen und Männern liege bei 77 Jahren, da sei Online-Singen eher schwer umsetzbar, wie Vorstandsmitglied und Spartenleiterin des Chors Chorios Silke Frank sagt. Den Kontakt untereinander pflegten die Vereinsmitglieder aber dennoch. (Anna Weyh)

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