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Chor-Schwund im Werra-Meißner-Kreis

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Von: Theresa Lippe

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Immer weniger Gesangvereine. © Manfred Schaake

Die Zahl der Sänger im Werra-Meißner-Kreis wird immer weniger. Im Sängerbezirk Mittelwerra sind von einst 55 Gesangvereinen keine 30 mehr übrig.

Werra-Meißner – Typische Männergesangvereine gibt es im Werra-Meißner-Kreis immer weniger. Das liegt aber nicht an den Folgen von Corona, sagt Michael Schröter, Vorsitzender des Sängerkreises Mittelwerra. Die Chorlandschaft des Sängerkreises Mittelwerra dünnt bereits seit 2016 zusehends aus. In den zehn Jahren zuvor schwankte die Vereinszahl zwischen 50 und 55 (Chöre für Männer, Frauen, gemischtes Singen und Kinder).

Im Jahr 2017 waren es erstmals weniger: Von 45 Gesangvereinen sind Stand heute nur noch 24 übrig geblieben. So gibt es beispielsweise in Wanfried seit 2020 keinen einzigen Gesangverein mehr. Konnte Eschwege früher acht Chöre verzeichnen – einen Frauen- und sieben Männerchöre – so ist heute nur noch der Frauenchor aktiv, berichtet Schröter.

Chor-Schwund: Corona kein Grund

Ein großes Problem sei dabei hausgemacht. Schröter: „Bei zu wenigen Sängern im Verein lösen sich reine Männerchöre oft lieber auf, bevor sie sich einem gemischten Chor anschließen.“ Woran das liegt, wisse er aber nicht.

Doch werden nicht nur Männergesangvereine weniger. Schröter leitet selbst drei Chöre in der Region und berichtet: Das Durchschnittsalter in seinem Frauenchor Werraland Eschwege liege zum Beispiel bei zirka 75 Jahren, eher höher. Generell seien es hauptsächlich Sängerinnen und Sänger ab 60, die im Sängerkreis Mittelwerra gemeinsam musizieren. Da käme es nicht selten vor, dass Krankheit und fortgeschrittenes Alter zum Chor-Austritt führten. Außerdem fehlt der Nachwuchs.

Michael Schröter Vorsitzender Sängerkreis
Michael Schröter, Vorsitzender Sängerkreis Mittelwerra © Lippe, Theresa

Werra-Meißner: Gesangvereinen fehlt der Nachwuchs

„Es gibt hinzukommend den einen oder anderen Chor, der wegen der Sprachbarriere ausschließlich auf deutsch singen will“, sagt Schröter. Damit stünde man sich selbst im Wege, modernere Stücke, beispielsweise auf Englisch, zu erarbeiten und das Programm für Jüngere interessant zu machen.

Hinzukommend gibt es nur wenige Chorleiter. Laut Schröter werden die 24 Vereine aktuell von acht bis zehn Chorleitern betreut. Doch gibt es nicht nur bei der Leitung Mehrfachbesetzungen. Besonders die Männer singen oft gleichzeitig in mehreren Chören.

Bezirke des Sängerkreises Mittelwerra

Insgesamt gibt es sechs Sängerbezirke im Sängerkreis Mittelwerra. Leuchtberg (inkl. Eschwege Kernstadt) und Ringgau verzeichnen je fünf Gesangvereinen, Wehretal sieben und Meinhard zwei. Schlusslicht ist Wanfried. Hier gibt es seit 2020 keinen einzigen mehr. Spitzenreiter ist der die Gemeinde Meißner. Hier gibt es neun Gesangvereine. Ein solcher Verein besteht immer mindestens aus einem Chor, der Schwerpunkt liegt üblicherweise im nicht professionellen Bereich. (tli)

Immer weniger Chöre im Werra-Meißer-Kreis

Da besonders die Zahl der männlichen Chorsänger immer weiter sinkt, gebe es einige Herren, die in mehr als einem Chor mitsingen, damit diese ausreichend Männerstimmen hätten. Das sei keine Seltenheit, sagt Michael Schröter, Vorsitzender des Sängerkreises Mittelwerra. Aber auch unterschiedliche Niveaus und Repertoires der Chöre führten dazu, dass es Mehrfachbesetzungen gibt: „Wer in einem Chor hauptsächlich Volkslieder singt, geht dann in einen zweiten Chor, in dem beispielsweise nur klassische Stücke geprobt werden“, erklärt Schröter.

Der Nachwuchs fehlt: Viele Kinder würden zwar in Schulchören singen, doch wanderten junge Menschen oft aus der Region ab, um zu studieren oder in einer größeren Stadt zu arbeiten. Hinzukommend gebe es deutlich mehr Vereine als noch vor 50 Jahren, „man entscheidet sich nicht mehr nur zwischen Chor, Feuerwehr oder Fußball“, so Schröter. Und ein Repertoire, was die Sänger ab 60 Jahren anspricht, mag hinzukommend nicht unbedingt einen Anreiz für den Nachwuchs schaffen.

Gesangvereine werden immer weniger: Nachwuchs fehlt

Daran versuche Schröter zu arbeiten und seine Chöre behutsam auch an moderne Stücke heranzuführen. „Singen im Chor ist ein Gemeinschaftserlebnis ohne Konkurrenz“, nennt er als Grund, weshalb sich Interessierte einem Chor anschließen sollten.

Schröter hat seinen Posten als Vorsitzender des Sängerkreises Mittelwerra seit März 2022 inne. 2010 hatte er die Ausbildung zum Chorleiter gemacht. Nach einer Pause leitet er nun drei Chöre in seiner Heimat Reichensachsen, in Eschwege und im Ringgau. Er selbst singt in einem Männerchor. Um auf die Gesangvereine in der Region aufmerksam zu machen, plant Schröter für diesen Herbst ein Chorfest, bei dem die Sängerinnen und Sänger auftreten können.

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