Vor 75 Jahren

Chronik beleuchtet Aussiedlung aus Gànt in Landkreis Eschwege

Beeindruckendes Denkmal – eingeweiht in Gánt zum 70. Jahrestag der Aussiedlung.
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Beeindruckendes Denkmal – eingeweiht in Gánt zum 70. Jahrestag der Aussiedlung.

Rund 738 Kilometer Luftlinie liegen zwischen der Gemeinde Wehretal und ihrer Partnergemeinde Gànt in Ungarn.

Wehretal – Trotz dieser Entfernung sind die beiden Kommunen auf das Engste freundschaftlich miteinander verwoben – und so jährt sich dieser Tage auch ein ganz besonderes Ereignis: Vor genau 75 Jahren kamen die sogenannten Schwabendeutschen in den Landkreis Eschwege.

Im Jahr 1946 „zogen nicht nur im damaligen Landkreis Eschwege düstere Wolken am Horizont auf“, weiß Jürgen Beck, Leiter der Sparte Ungarn des Partnerschaftsvereins Wehretal, zu berichten. Auf seinen Recherchen und den Beiträgen des Herleshäusers Helmut Schmidt beruht dieser Artikel.

„Nach den Flüchtlingen aus den deutschen Ostgebieten (1944/45) wurden aufgrund der Vereinbarungen unter den Alliierten und den festgelegten Aufnahmequoten für die einzelnen Besatzungszonen Menschen mit deutschen Wurzeln aus osteuropäischen Ländern in ihre Heimat überführt“, schreibt Jürgen Beck.

Mit acht Transporten kamen 1946 insgesamt 9738 Vertriebene im damaligen Landkreis Eschwege an, der nach dem Krieg selbst am Boden lag. Die Vertriebenen seien nicht wirklich willkommen gewesen, was man die Zugereisten auch habe spüren lassen.

„Die Neubürger haben unsere Region dennoch durch ihre Kultur, ihre Lebensweise, ihre Musik und vieles mehr bereichert. Vor allen Dingen: Sie haben mit angepackt, bei Null angefangen und letztlich damit auch ihren Anteil zum Wirtschaftswunder beigetragen, was die Menschen in Westdeutschland einige Jahre später erleben durften“, erklärt Jürgen Beck.

Die ungarische Gemeinde Gánt, etwa 20 Kilometer nördlich von Stuhlweißenburg (Székesfehérvár) gelegen, bestand zu dieser Zeit aus einer hohen Prozentzahl „Schwabendeutscher“. Insgesamt 1574 der Gánter Schwaben saßen in dem Güterzug, der fast acht Tage brauchte, um 1946 über Österreich in Eschwege anzukommen.

Mit Blick auf den 75. Jahrestag dieser Aussiedlung hat die Gemeinde Gánt nun mit Unterstützung der ungarndeutschen Selbstverwaltung eine umfassende Dorfchronik herausgegeben.

Auf 264 Seiten ist über die kämpferischen Jahrzehnte der Ansiedlung, die Revolution von 1848 bis zu den Weltkriegen der einst nahezu ausschließlich schwäbischen Dorfgemeinschaft im Herzen des Vértesgebirges zu lesen.

Die Sektion Ungarn des Partnerschaftsvereins Wehretal bietet an, die Chronik über eine Sammelbestellung in Gánt zum Preis von 15 Euro pro Buch zu besorgen. Der Restbestand der 750 gedruckten Bücher ist begrenzt.

Bestellungen nimmt Jürgen Beck unter Telefon 0 56 51/33 19 45 entgegen. (Von Emily Hartmann)

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