Rock und Politik passen

Die Grüne Claudia Roth plaudert bei Michael Roths Kaffeeklatsch im Schloss

Viel Spaß bei Roths Kaffeeklatsch: Claudia Roth war Gast bei Michael Roths lockerer Plauderveranstaltung. Dabei wurde im Schloss in Ermschwerd viel gelacht. Die Grünen-Politikerin erzählte aus dem Nähkästchen und redete sehr impulsiv. Foto: Schröter

Ermschwerd. Wenn Roth auf Roth trifft, der eine Roth politisch gesehen auch tatsächlich rot ist, sein Gegenüber aber grün, dann ist das an sich schon bemerkenswert. Wenn der rote Roth dann auch noch in grün gekleidet erscheint und die grüne Roth ganz in schwarz, dann haben beide sofort die Lacher auf ihrer Seite.

So auch bei der zehnten Auflage von „Roths Kaffeeklatsch“, bei dem der heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Roth diesmal die Grünen-Politikerin und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages Claudia Roth bei Kaffee, Kuchen und lockerem Talk zu Gast hatte.

Knapp 100 Neugierige waren ins Ermschwerder Schloss gekommen, um abseits der ernsten Politik mehr über die sympathische 59-Jährige zu erfahren. Als Urgestein und ehemalige Bundesvorsitzende der Grünen setzt sich Claudia Roth seit Jahren entschieden für Menschenrechte, eine offene und solidarische Gesellschaft und den Schutz von Minderheiten ein. Wer aber weiß schon, dass die Schwäbin zuvor Managerin der Rockband „Ton Steine Scherben“ war und wie sich für sie die Leidenschaft für Rock und Kultur mit Politik verbinden lässt?

„Bei meinem Kaffeeklatsch steht der Mensch im Mittelpunkt, aber das hat ja auch viel mit Politik zu tun“, betonte Michael Roth bei seiner Begrüßung. Seine Fragen stellte er anschließend feinfühlig, aber doch immer wieder genau auf den Punkt. Ging es zunächst nur um Vorlieben wie Tee oder Kaffe (Kaffee), Abendkleid oder Dirndl (beides) oder den Lieblings-Sozi (Michael Roth – mit viel Applaus aus dem Publikum), kratzte der Gastgeber danach auch schwierigere Themen an. Etwa den Austritt aus der katholischen Kirche, der für die aus Ulm stammende Claudia Roth irgendwann „ein schwerer, aber absolut nötiger Schritt“ gewesen sei, „den ich aber mit Zustimmung meiner Omi gemacht habe“. Über die Familie, die für sie als kinderlose Alleinstehende eine immense Bedeutung hat, weshalb der Tod ihrer Mutter vor einem Jahr ihr noch immer enorm nahe geht. Über die Politik, die für Politiker „sehr gefährlich ist, weil sich viele dadurch wichtig vorkommen und den Bezug zur Realität verlieren“. Über ihre bittere Niederlage bei der Urwahl der Parteimitglieder zur Grünen-Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl 2013, nach der sie sich gefragt habe, ob sie überhaupt noch Parteivorsitzende sein könne, wenn man ihr eine solche Kandidatur nicht zutraue. Und über Beschimpfungen, Beleidigungen und Morddrohungen, die sie enorm belastet hätten, nach denen sie aber immer versucht habe, sich nicht verhärten zu lassen.

Rückzug ist nicht geplant

„Was ich mache, mache ich sehr gerne“, antwortete Claudia Roth auf die Frage nach der Zukunft. Dass sie ein Leben vor der Politik hatte, sei gute Grundlage dafür, auch ein Leben danach zu haben. Einen Rückzug aus der Politik plane sie aber nicht. „Es gibt ja noch so viel zu tun“, sagte sie und erntete nicht nur dafür von den begeisterten Gästen donnernden Applaus.

Von Per Schröter

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