Neue Initiative

Bei Codewort Maske 19: Opfer häuslicher Gewalt bekommen Hilfe in Apotheken

In Apotheken sollen Opfer häuslicher Gewalt im Werra-Meißner-Kreis künftig Hilfe bekommen können, wenn sie selbst keine rufen können. SYMBOL
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In Apotheken sollen Opfer häuslicher Gewalt im Werra-Meißner-Kreis künftig Hilfe bekommen können, wenn sie selbst keine rufen können.

Menschen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, sollen künftig mit einem speziellen Codewort in Apotheken auf ihre Situation aufmerksam machen können. Mit „Maske 19“ gibt‘s Hilfe.

Werra-Meißner – Damit soll vor allem denjenigen geholfen werden, die nicht die Möglichkeit haben, sich ungehindert selbst Hilfe zu holen – etwa weil sie vom Täter unter Beobachtung stehen oder sie keinen Zugang zum Telefon haben.

Das Gleichstellungsbüro will dieses Vorgehen nun im Werra-Meißner-Kreis einführen. In anderen europäischen Ländern wie Spanien und Frankreich wurde es schon umgesetzt. Das Codewort lautet hier: „Maske 19“. „Wir beschäftigen uns derzeit damit, ein Codewort für unsere Region auszuarbeiten“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte Thekla Rotermund-Capar.

Denn die Schwierigkeit dabei sei, dass Betroffene das Codewort zwar unbedingt kennen sollen, Täter dagegen nicht. Sobald das Projekt startet, werde ein Codewort bekannt gegeben, sagt die Gleichstellungsbeauftragte.

Der Hintergrund

Auslöser für die Aktion ist die Pandemie, sagt Rotermund-Capar. Denn durch die Krise sei die Situation in vielen Haushalten angespannter, Homeschooling trifft auf Homeoffice, manche sind wegen Schließungen in Kurzarbeit oder haben sogar ihre Arbeit verloren. Dazu ist das öffentliche Leben eingeschränkt, man verbringt mehr Zeit zu Hause. „Die Doppelbelastung spannt an. Menschen sind gereizter, die Hemmschwellen niedriger“, betont Rotermund-Capar.

Die Gewalt hinter verschlossener Tür nehme dadurch zu. Betroffene, darunter vor allem Frauen und Kinder, finden in der Krise kaum die Möglichkeit, ungehindert Hilfe zu rufen. Doch manche Orte werden dennoch regelmäßig aufgesucht, etwa die Apotheken. Hier kommt das Projekt „Maske 19“ ins Spiel.

Der Ablauf

So könnte es ablaufen: Eine Betroffene kommt unter einem Vorwand in die Apotheke, um zum Beispiel ein Medikament zu holen. Sie ist allerdings nicht alleine, denn der Täter begeleitet sie. Im Gespräch mit den Mitarbeitern in der Apotheke muss die Betroffene irgendwie das bekannte Codewort einfließen lassen.

Im Falle von „Maske 19“, könnte das so lauten: „Ich möchte mir eine Maske 19 abholen.“ Dann wissen die Mitarbeiter um die Situation und müssen die Lage einschätzen: Ist es ein akuter Notfall? Sind Blessuren sichtbar? Wirkt die Betroffene besonders ängstlich? Ist die Betroffene in Begleitung, sollten die Apotheker zunächst neutral reagieren. Im akuten Notfall rufen sie dann direkt die Polizei, zum Beispiel unter dem Vorwand, das gewünschte Produkt im Lager suchen zu müssen.

Die verständigten Beamten sind ebenfalls eingeweiht. Während man auf die Polizei wartet, gilt es für die Apotheker, Zeit zu schinden und die Personalien der Betroffenen aufzunehmen. Etwa mit der Begründung, das Produkt zunächst noch bestellen zu müssen.

Das Vorgehen

Für verschiedene Szenarien werden beim Gleichstellungsbüro aktuell noch Ablaufpläne – ein Verhaltensprotokoll – für die Apotheken ausgearbeitet. Was ist zu tun, wenn eine Betroffene in Begleitung erscheint? Was ist, wenn eine Betroffene am Telefon das Codewort sagt? Apotheker, Beamte und weitere Institutionen werden in das Projekt eingeweiht und sensibilisiert, auf welche Zeichen zu achten ist, wann es ein Notfall ist und was im Falle des Falles zu tun ist. (Jessica Sippel)

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