David Weiss will Bauern in der Mongolei helfen

Comics für Analphabeten geben Tipps für bessere Landwirtschaft

Vielseitiger Künstler: David Weiss wohnt seit vier Jahren in Witzenhausen-Unterrieden. In seinem mit Drucken vollhängenden Atelier malt er gerade die alte Lauterbacher Käsefabrik. Im Hintergrund zu erkennen ist ein Siebdruck mit einem mongolischen Kraftwerk. Foto: Forbert

Unterrieden. Er ist Künstler und angehender Öko-Landwirt: Schon jetzt bringt David Weiss beide Leidenschaften unter einen Hut - indem er Comics malt, die Analphabeten Tipps für bessere Landwirtschaft geben.

David Weiss ist vielseitig. Er ist Künstler und Kaufmann und Gemüsegärtner - und Master-Studierender an der Uni in Witzenhausen. Den Öko-Landbau und die Kunst kombiniert er, worauf schon seine filigrane Wirsingkopf-Lithografie hindeutet. Aber es gibt noch eine ausgefallene Kombination: David Weiss zeichnet nicht nur Illustrationen für ein Kinderbuch und stellt Holzschnitte zum Ausstellen her, sondern entwickelt auch Comics für Analphabeten in der Mongolei - und demnächst auf Madagaskar.

Die Bildergeschichten zielen auf einen Lerneffekt: Die Menschen in dem zentralasiatischen Steppenland wie auch die Bewohner der Insel im Südosten Afrikas sollen zu einer an den Klimawandel angepassten Landwirtschaft angeleitet werden. Das geht am einfachsten durch Zeichnungen, denn lesen können viele von ihnen nicht.

Dazu wird der 29-jährige Weiss Anfang März Witzenhausen wieder einmal verlassen, für sieben Wochen. Seit vier Jahren lebt der gelernte Gemüse- und Kräutergärtner und Student der Ökologischen Agrarwissenschaften in einer Wohngemeinschaft in einem alten Bauernhaus in Unterrieden - natürlich mit einem Gemüsegarten.

Die künstlerische Ader machte sich bei David Weiss, der in einem kleinen Dorf im Vogelsberg aufgewachsen ist, früh bemerkbar. Nach der Schule entspannte er sich mit Zeichnen. Und seine Mutter schenkte dem damals 15-Jährigen Pastellkreide und eine Malanleitung. Der junge Weiss verschenkte kleine Bilder im Familienkreis, schließlich ließ er sich zu einer Ausstellung im Dorf überreden - zusammen mit seinem Freund Andreas Schmelzer.

Mit ihm hat er heute eine eigene Werkstatt für Druckgrafik, Holzschnitt, Radierungen und Siebdruck im Vogelsberg. Die Künstler geben dort Kurse und machen auch Projekte mit Jugendlichen.

Aus einem Kunststudium wurde nichts, erzählt Weiss. Nun studiert er „nebenher“ noch Freie Grafik an der Kunsthochschule in Kassel. Dort stieß er 2013 auf ein Auftragsangebot: „Wer macht Holzschnitte für ein Kinderbuch?“ Seine Bewerbung fand Anklang, pro Kapitel dachte er sich zwei Zeichnungen aus - 28 Kapitel hat die Geschichte „Durch Traum und Zeit“. Vor Kurzem erschien das Buch.

Mittlerweile arbeitet Weiss an einer Comic-Geschichte. Die sei aber erst in zweieinhalb Jahren fertig, sagt er. Bis dahin wird er längst aus Madagaskar zurück sein. Auf der Insel erwartet ihn Ähnliches wie voriges Jahr in der Mongolei. Experten vor Ort befassten sich mit nachhaltiger Landwirtschaft. Deren Wissen und Vorschläge wandelte der Unterriedener Maler und Grafiker mit besten Ökolandbau-Kenntnissen dann in Geschichten aus Bildern im landestypischen Stil um. Dazu musste er sich zunächst in die „Sehkultur“ der lokalen Bevölkerung hineinversetzen, wozu er auch Kunstausstellungen besuchte. „Mit dieser Aufgabe“, sagt David Weiss, „bin ich sehr glücklich.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.