In der Pandemie vervierfacht sich der Behandlungsaufwand im Klinikum

Corona: Beatmung von Patienten bringt Personal an Grenzen

Sorgt sich um die Mitarbeiter: Marco Lubitz, Chefarzt am Klinikum Werra-Meißner in Witzenhausen, berichtet von zunehmender Belastung durch Covid-Behandlungen.
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Sorgt sich um die Mitarbeiter: Marco Lubitz, Chefarzt am Klinikum Werra-Meißner in Witzenhausen, berichtet von zunehmender Belastung durch Covid-Behandlungen.

Durch die Versorgung von Covid-Erkrankten sind die Stunden, in denen Patienten beatmet werden, im Klinikum Werra-Meißner extrem angestiegen. Das berichtet Sprecher Florian Künemund nach einer aktuellen Auswertung.

Werra-Meißner - „Waren es 2019 rund 26 500 übers Jahr verteilt, belief sich der Wert im Jahr 2020 auf knapp 33 000“, so Künemund. Im Januar und Februar 2021 habe sich die Zahl der Beatmungsstunden (insgesamt 11 000) gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr (3000 Stunden) fast vervierfacht.

„Wir sehen an diesen Zahlen schwarz auf weiß, wie schwer die Krankheitsverläufe der Covid-Patienten waren“, sagt Marco Lubitz, Chefarzt der Inneren Medizin am Standort Witzenhausen, wo seit gut einem Jahr Corona-Erkrankte behandelt werden. Allein auf die Isolierstationen mit Normal- und Intensivbereich in Witzenhausen entfielen im Januar und Februar 6300 Beatmungsstunden – vor Beginn der Pandemie waren es nur 1000. „Das unterstreicht nochmals, wie heftig die zweite Covid-Welle war“, bilanziert Künemund. Auch die Covid-Todesfälle sind Anfang 2021 rasant angestiegen (wir berichteten).

Gerade die nicht-invasive Beatmung ist enorm arbeitsaufwendig

Der Anstieg der Beatmungsstunden verdeutliche nicht nur die Schwere der Erkrankungen, sondern auch die Mehrbelastung der Mitarbeiter. „Gerade die nicht-invasive Beatmung ist enorm arbeitsaufwendig“, sagt Lubitz. Zwischen zweiter und dritter Welle habe es nur eine ganz kurze Pause gegeben. Am Mittwoch wurden in Witzenhausen schon wieder 21 Covid-Patienten auf der Normal- und sieben auf der Intensivstation versorgt.

„Das Personal ist noch motiviert, aber alle Mitarbeiter sind sehr belastet. Der Frust angesichts der vielen Todesfälle sitzt tief“, so Lubitz. Für Mitarbeiter bestehe das Angebot einer hausinternen Supervision, um über Ängste und Sorgen zu sprechen. „Es wäre schön, wenn sich die Lage im Sommer etwas beruhigt und wir bald Schritt für Schritt zurück zur Normalität kehren könnten. Es fällt immer schwerer, den Kopf nach der Arbeit zuhause frei zu kriegen.“  fst

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