Kaum 5 Minuten in der Halle

CORONA: Ein Tag im Testzentrum am Dünzebacher-Tor-Turm in Eschwege

Testteam im geschützten Bereich: (von links) Anja Jursch schreibt auf und Silke Ullrich nimmt den Abstrich bei den Patienten.
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Testteam im geschützten Bereich: (von links) Anja Jursch schreibt auf und Silke Ullrich nimmt den Abstrich bei den Patienten.

So läuft es in einer Corona-Teststelle: WR-Redakteurin Hanna Maiterth als Ehrenamtliche im Einsatz.

Eschwege – In 15 Minuten öffnet die Coronateststelle in der Sporthalle des Dünzebacher-Tor-Turms. Die Vorbereitungen sind abgeschlossen: Im Eingangsbereich liegen Anmeldebögen, in den abgetrennten Testbereichen warten Stäbchen auf ihren Einsatz. Bevor die ersten Patienten getestet werden, können wir – das Team vom Deutschen Roten Kreuz – vor der Halle Luft schnappen.

Das Team

Wir, das sind Gunnar Michel, Teststellenleiter, sieben Mitglieder des DRK-Ortsverbandes Eschwege, eine ehrenamtliche Helferin – Sabine Sickel – und ich. Als ich mich vorstelle, werde ich mit einem wissenden Nicken und dem Satz „Ach, die Reporterin“ begrüßt. Die Gesichter von Silke Ullrich und Claudia Weigt kenne ich noch von meinem letzten Test. Für heute wechsele ich allerdings die Seite. Dank der leuchtenden Hose und der dunklen Fleecejacke mit DRK-Logo fällt mir das leicht. Auch meine neuen Kollegen scherzen und lachen mit mir, als gehörte ich längst zum Team. „Wir sind nicht nur ein eingespieltes Team, wir sind Freunde“, sagt Gunnar. Untereinander wird geduzt.

Der Einlass

Die ersten Patienten stehen bereits auf dem Bürgersteig, als wir öffnen. Wer zum sogenannten Bürgertest will, trifft zuerst auf Jannik Gries und Claudia Weigt. Beide sind schon lange DRK-Mitglieder, erzählen sie. Jannik macht aktuell sogar ein Freiwilliges Soziales Jahr beim DRK. Er wolle aus dem Ehrenamt seinen Beruf machen und in den Rettungsdienst gehen. Claudia macht beruflich vieles. Unter anderem hat sie einen Putzjob. Sie ist seit elf Jahren im Ortsverein. „Nach dem Tod meines Mannes habe ich hier Abwechslung.“

Wir begrüßen die Patienten. Schauen, dass jeder, der eintritt, eine Maske trägt, sich die Hände desinfiziert und einen Anmeldebogen ausfüllt. Auch wer ohne Termin vorbeikommt, wird nicht abgewiesen, erklärt mir Claudia. Besonders am Wochenende und bei schönem Wetter steige die Zahl der Spontantester. Dann wollen viele die Großeltern besuchen oder Freunde treffen, sagt Gunnar. „Es ist vernünftig, wenn sie sich vorher testen lassen.“

Die Anmeldung

QR-Code scannen, Ergebnisse kopieren, in den Computer eintragen und abheften – das passiert an der Anmeldung hinter der Plexiglasscheibe bei Patrick Jursch. Der gelernte Bürokaufmann erklärt mir den Ablauf: Nach dem Scan tauchen die Angemeldeten in einer Liste auf.

Patrick ist seit April beim Ortsverein und auf Jobsuche. „Das Jobcenter hat mir sogar eine Stelle als Dachdecker empfohlen.“ Ich schaue ungläubig auf seinen Rollstuhl. „Das wissen die“, fügt er belustigt hinzu. „Eigentlich.“

Die Testung

Zur Sache geht es dann in den beiden abgeschirmten Testbereichen. Ich arbeite mit Anja Jursch und Silke Ullrich zusammen – beide vom Ortsverein. Neben uns in der Kabine sind Tina Lingelbach-Hüther und Sabine Sickel. Tina ist hauptamtliche Rettungssanitäterin – die einzige im Kreisverband. Sabine ist Hotelfachfrau und seit Beginn der Kurzarbeit ehrenamtliche Helferin.

Während in unserer Gruppe Silke die neuen Patienten über das Vorgehen aufklärt und die Abstriche nimmt, sitze ich bei Anja am Tisch. Sie erläutert: Der Patient bringt den Anmeldebogen mit, wo wir die Uhrzeit des Tests, wer ihn durchführt, das Datum und bis wann er ausgewertet wird – nämlich 15 Minuten später – eintragen. Außerdem notieren wir den Namen in einer Liste. So behalten wir eine Übersicht, wer in unserer Kabine getestet wurde. Nach dem Abstrich tunkt Silke das Stäbchen in ein kleines Röhrchen mit der Testlösung und träufelt einige Tropfen auf die Testkassette. Viele Patienten seien angespannt, wenn sie sich auf den Stuhl setzen, erzählt sie.

Trotzdem wird hier viel gelacht und mit den Leuten gescherzt. Schlechte Erfahrung hätten sie auch keine gemacht, erzählen die beiden Frauen. Schließlich kämen hier auch alle freiwillig hin. Den Abstrich darf ich nicht machen. Dafür ist ein Lehrgang nötig, erklärt Gunnar im Anschluss.

Das Ergebnis

Wir behalten die Testkassetten im Auge. Das Ergebnis tragen wir ein und bringen den Anmeldebogen zurück zu Patrick. Was ist, wenn ein Test positiv ausfällt, frage ich Anja. „Dann wird die Station geschlossen und alles muss desinfiziert werden.“ Die Proben und die Kassette werden nach dem Auslesen gesondert entsorgt.

Keine fünf Minuten verbringen die Patienten in der Sporthalle. Auf das Ergebnis müssen sie draußen warten. Schichtleiter Andreas Jursch bringt es ihnen. Es sei denn, die Patienten haben sich im Internet angemeldet. Dann werden sie per Mail informiert. „Das ist uns lieber. Wir wollen Menschengruppen vermeiden“, sagt Andreas.

„Fällt ein Test positiv aus, müssen wir das an das Gesundheitsamt weiterleiten und die jeweilige Person bitten, sich direkt in Quarantäne zu begeben.“ Ärger habe es bislang noch keinen gegeben. Meistens seien die Leute nur überrascht, weil sie symptomfrei sind. Aber heute gab es keine Überraschungen. Alle negativ. Hanna Maiterth

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