Seelsorge wird durch Pandemie vor Herausforderungen gestellt

Corona und Kirche: Gesprächsbedarf der Menschen wächst

Kreuz in einer Kirche mit Kamera im Vordergrund
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Kirche und Corona: Viele digitale Formate haben die Kirchen auf den Weg gebracht. Das persönliche Miteinander ersetzen können diese Lösungen aber nicht.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie merken auch die Verantwortlichen im evangelischen Kirchenkreis Werra-Meißner. Der Gesprächsbedarf der Gemeindeglieder in den Gemeinden wächst. Das teilt Dekanin Ulrike Laakmann auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Werra-Meißner – Die Sorgen, mit denen sich die Gemeindeglieder an die Kirche wenden, sind dabei decklungsgleich mit der Gesamtbevölkerung. „Sorgen um die Gesundheit, um die Überlastung in Kliniken, den Spagat zwischen Home-office, Home-schooling und Familie“ gehören laut Laakmann ebenso dazu wie Frust und Klagen über tatsächliche und vermeintliche Freiheitsbeschränkungen.

Die pandemiebedingten Einschränkungen merken Kirche und Gemeinde hautnah. „Kirche hat viel mit Erfahrungen von gelebter Gemeinschaft zu tun“, so Laakmann. Diese merke man in der Seelsorge-Arbeit. Die Pfarrpersonen selbst ebenso wie Besuchsdienstkreise konnten und können ihre Arbeit nicht wie üblich durchführen. „Das Telefon kann aber leider nicht alles ersetzen – schon gar nicht die kleinen stimmen gesten und die wortlosen Zeichen der Teilnahme und der Unterstützung“, betont die Dekanin.

Gleiches gelte für Trauerfeiern. Zu Beginn der Pandemie waren Trauerfeiern nur im allerkleinsten Rahmen möglich – eine besondere Belastung für die Menschen, die Abschied nehmen möchten. „Immerhin ist es auch hier entsprechend der Hygienekonzepte und nötigen Regelungen möglich, wieder mehr Anteilnahme von anderen zu spüren.“

Grundsätzlich sei in allen kirchlichen Bereichen die Sehnsucht nach analogen Begegnungen und Präsenzformaten sehr hoch, ebenso wie der Gesprächsbedarf mit den Pfarrerinnen und Pfarrern vor Ort. Diese Entwicklung deckt sich mit der Statistik der Telefonseelsorge bundesweit. Insbesondere das Thema Einsamkeit, verstärkt durch die Corona-Pandemie, dominiere die Gespräche. Schon seit November stellt die Telefonseelsorge fest, dass vermehrt Anrufe, Mails und Chats um das Pandemie-Thema kreisen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Digitale Formate werden bleiben

Der Kirchenkreis wird auch nach Ende der Corona-Pandemie auf digitale Formate setzen. Der persönliche Kontakt sei zwar unersetzlich, aber digitale Andachten seien auch Gottesdienst, wenn auch auf anderen Wegen. Während der Pandemie habe man Angebote, beispielsweise auf der Videoplattform Youtube oder beim Rundfunk Meißner ausgebaut. Großer Vorteil seien Videokonferenzen, die einen schnellen Austausch auch im Flächenlandkreis ermöglichen. (Konstantin Mennecke)

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