Offener Brief an das Hessische Kultusministerium

Öffnung der Schulen nach Corona-Pause: Scharfe Kritik an Land wird laut

Nach Corona-Pause: Scharfe Kritik an der Wiederöffnung der Schulen in Hessen 
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Die Grundschule am Brunnen vor dem Tore in Bad Sooden-Allendorf.

Nach der Corona-Pause öffnen nun die Schulen in der Region wieder schrittweise. In einem Offenen Brief an das Hessische Kultusministerium wird scharfe Kritik zur Schulöffnung laut.

  • Mitte März waren die Schulen und Kindergärten wegen der Corona-Pandemie geschlossen worden
  • Nun sollen die Schulen schrittweise wieder geöffnet werden
  • Der Personalrat einer Grundschule äußert Kritik am Vorgehen des Landes Hessen

Wiesbaden/ Bad Soden-Allendorf – Der Personalrat der Grundschule in Bad Soden-Allendorf kritisiert in einem Offenen Brief das Hessische Kultusministerium für dessen Umgang bei der Wiederöffnung der Grundschulen für den 4. Jahrgang ab 27. April. Die Schulen seien vor vollendete Tatsachen gestellt worden und hätten keine Informationen darüber bekommen, wie der Schulalltag in der Corona-Krise ablaufen soll. Offenbar trifft die Schule damit einen Nerv. In sozialen Netzwerken wird der Brief vielfach verbreitet. Auch andere Schulen äußerten bereits ähnliche Kritik.

Wiederöffnung der Schulen in Hessen nach Corona-Pause: Kritik an fehlenden Handlungsanweisungen

Der Personalrat beklagt zum Beispiel, dass es keinerlei Handlungsanweisungen oder Hilfestellung bei der Erstellung von Corona-Hygieneplänen gebe. Zudem verfüge die Schule über nur wenige Waschbecken, Warmwasser gibt es für Schüler nicht, Desinfektionsmittel und Schutzmasken fehlten bislang. „Die aktuelle Forderung zur Schulöffnung des Hessischen Kultusministeriums beängstigen uns, da sie keine detaillierte, konkrete und realistische Vorstellung eines tatsächlichen Schulalltages einer Grundschule enthalten“, heißt es in dem Brief.

Das Hessische Kultusministerium bestätigt auf Nachfrage unserer Zeitung, dass die Schulen bislang tatsächlich keine Informationen und Anweisungen zum Umgang mit der Corona-Pandemie erhalten haben. Im Hintergrund arbeite man aktuell aber fieberhaft an der Erstellung solcher Pläne, sagte Ministeriumssprecher Philipp Bender. „Die hessischen Schulen erhalten noch in dieser Woche alle Informationen, die sie benötigen.“

Wiederöffnung der Schulen nach Corona-Pause: Kultusministerium Hessen nimmt Stellung

Darin würde auch beschrieben werden, wie der Schulalltag im Corona-Krisenmodus zu organisieren ist. Die Schutzvorgaben sind teils streng. Die Gruppengröße richtet sich nach den räumlichen Gegebenheiten vor Ort. Zwischen den Schülern sollte ein Mindestabstand von 1,5 Metern in alle Richtungen eingehalten werden. Die Gruppengröße soll in der Regel 15 Schüler nicht übersteigen, heißt es vom Kultusministerium. Auch einen Hygieneplan verspricht Bender den Schulen. Darin seien auch alle Vorgaben des Robert-Koch-Instituts enthalten.

Ein schwieriges Feld bleiben dem Ministeriumssprecher zufolge die baulichen Gegebenheiten. „Viele Schulträger haben in den vergangenen Jahren bei Sanierungen auf Waschbecken in den Unterrichtsräumen verzichtet, weil keine Kreide mehr auf der Tafel zum Einsatz kommt“, erläuterte Bender. Einige Schulen seien mit Waschbecken gut ausgestattet, in anderen Schulen seien sie nur in den Toiletten vorhanden - da aber wegen Corona gerade das Händewaschen wichtig ist, ein schwieriger Umstand. Das Kultusministerium könne diesen Umstand kurzfristig nicht ändern. In der Diskussion sei aber beispielsweise der Einsatz von mobilen Waschmöglichkeiten im Gebäude oder auf dem Schulgelände.

Wiederöffnung der Schulen in Hessen nach Corona-Pause: Ausreichend Desinfektionsmittel vorhanden?

Ebenfalls ungeklärt sei die Frage nach der Ausstattung der Schulen mit ausreichend Desinfektionsmitteln und Corona-Schutzmasken. Noch herrsche Uneinigkeit in der Frage, in welchen Bereichen Masken zu tragen sind – nur im Schulbus, oder auch auf dem Pausenhof oder gar im Unterricht? Sollte es bis zum Schulbeginn eine Maskenpflicht geben, werde das Land Hessen auch für deren Verfügbarkeit sorgen, sagte Bender.

Weiter in diesen Fragen ist man bereits im Nachbarland Niedersachsen. Dort haben die Schulen bereits in der vergangenen Woche Leitfäden für den Unterricht in der Coronakrise erhalten. Beschrieben wird die Rolle des Schulleiters, der Lehrkräfte, die Wiederaufnahme des Unterrichts sowie eine Checkliste für Schulleiter.

Schulen in Hessen starten stufenweise nach Corona-Pause

Ab dem 27. April erfolgt nach der Corona-Pause zunächst die Beschulung vor Ort für folgende Schüler: 4. Jahrgangsstufe der Grundschulen, der Sprachheilschulen und der Schulen mit Förderschwerpunkt Sehen oder Hören; Abschlussjahrgang an Schulen mit Förderschwerpunkt Lernen; 9. Jahrgangsstufe Hauptschule und die 10. Jahrgangsstufe Realschule an Realschulen, Hauptschulen, Mittelstufenschulen und kooperativen Gesamtschulen sowie der integrierten Gesamtschulen; 12. Jahrgangsstufe der Fachoberschulen und Höheren Berufsfachschulen; Abschlussklassen an den Fachschulen im letzten Ausbildungsjahr an den Berufsschulen sowie an Schulen für Gesundheitsberufe

Von Daniel Göbel

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