CORONAVIRUS

Werra-Meißner: Corona-Tests für Mitarbeiter: Das sagen die Betriebe zur Angebots-Pflicht

Stiebel Eltron
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Corona-Schnelltests in den Betrieben: Die gibt es bei Stiebel Eltron in Eschwege schon seit Anfang März. Ein Ärzteteam testet die Mitarbeiter regelmäßig.

Betriebe müssen ihren Mitarbeitern jetzt Corona-Tests anbieten. Wir haben uns bei Firmen im Werra-Meißner-Kreis umgehört, wie das umgesetzt werden kann.

Werra-Meißner – Das Bundeskabinett hat sie beschlossen und die Firmen im Werra-Meißner-Kreis müssen die Verordnung zum verpflichtenden Corona-Testangebot umsetzen.

Ab kommender Woche müssen Firmen ihren Mitarbeitern mindestens einen Corona-Schnelltest pro Woche anbieten, die Arbeitnehmer sind allerdings nicht zum Test verpflichtet.

Die neue Verordnung bereite besonders kleinen Firmen große Schwierigkeiten, erklärt Dr. Lars Kleeberg von der Wirtschaftsförderung Werra-Meißner (WFG). „Wenn kein professioneller Einkauf stattfindet, sind Unternehmen, die wenige Mitarbeiter beschäftigen, im Nachteil.“

Kleine lassen’s machen

Susanne Schneider vom gleichnamigen Tischlerei- und Holzbaubetrieb in Waldkappel erklärt, wie das in der Praxis aussieht. Ihre zehn Mitarbeiter müssten in Zukunft ein Mal pro Woche getestet werden und das bedeute hohe Kosten für die Firma. „Um zu sparen, schicken wir die Mitarbeiter dann lieber in die kostenlosen Testzentren.“ Bisher seien die Mitarbeiter des kleinen Betriebes nicht getestet worden, sagt Schneider. „Bei den großen Abständen in den Hallen ist das nicht nötig“, sagt sie.

Wenn die Angestellten des Familienunternehmens aus dem Werra-Meißner-Kreis bisher einen Coronatest benötigt hätten, seien sie selbstständig in die Testzentren gegangen, erklärt auch Torsten Göbel von der Tischlerei Wilhelm in Wehretal. Das solle sich mit der neuen Verordnung jedoch ab Montag ändern, sagt der Geschäftsführer. Dann werden die zwölf Mitarbeiter des Unternehmens ein Mal pro Woche getestet. 500 Euro hat die Firma dafür schon jetzt investiert. Das reiche für acht Wochen, sagt Göbel. „Das ist schon ein ganz schön finanzielles Brett für uns“, erklärt er.

Die Kosten für Tests und Schutzmaßnahmen seien jedoch immer noch das kleinere Übel. „Wir haben einfach Angst, dass uns die Lichter ausgehen“, sagt Göbel. Er und alle anderen Arbeitgeber mit denen wir sprachen, fürchten sich vor erkrankten Mitarbeitern genauso wie vor Quarantäneregeln. „Wir haben so etwas ja vor Kurzem gesehen, als die Bäckerei Hufgard Hilfe von anderen Unternehmern benötigt hat“, sagt Stephan Schenker, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Werra-Meißner (wir berichteten).

Große machen’s selber

Die Befürchtung, durch die Pandemie arbeitsunfähig zu werden, treibt nicht nur kleine Unternehmen um. Auch große Betriebe wie Georg Sahm in Eschwege sorgen lieber vor, als im Quarantänefall ganze Abteilungen schließen zu müssen. Das Unternehmen hat dafür ein Chipsystem eingeführt, das bei zu engem Kontakten mit anderen warnt und mit dem sich Kontakte zurückverfolgen lassen. Für die anstehenden Pflichtangebote hat die Firma jetzt zusätzliche Tests im Wert von 10 000 Euro bestellt, wie Einkaufsleiter Martin Schmidt erklärt.

Bei der Firma Stiebel Eltron in Eschwege werden bereits seit mehr als einem Jahr die rund 200 Mitarbeiter regelmäßig in Arztpraxen getestet. „Im März haben wir dann auch ein Ärzteteam in die Firma geholt und ab nächster Woche werden außerdem externe Mitarbeiter und Gäste getestet“, erklärt Personalleiterin Anke Herrmann.

„Die Verordnung trifft die meisten Betriebe nicht überraschend und sie stößt nicht auf Widerstand“, sagt Lars Kleeberg von der WFG. Den Unternehmen sei bewusst, dass ein kranker Mitarbeiter teuerer sei als die Schnelltests. „Die meisten Unternehmen haben auch schon vor der Verordnung getestet“, sagt Kleeberg. Im Werra-Meißner-Kreis hielten sich alle Betriebe an die Bestimmung. „Es gibt aber immer schwarze Schafe“, sagt der WFG-Geschäftsführer.

Ab kommender Woche gilt die Verordnung zum Testangebot in den Unternehmen und die Betriebe im Werra-Meißner-Kreis müssen die Verordnung umsetzten. Die Meinungen darüber gehen jedoch auseinander. So fühlen sich kleine Betriebe bevormundet, manche sind über das fehlende Vertrauen der Politik in die Selbstverantwortung der Betriebe enttäuscht und wiederum andere sind davon überzeugt, dass sich nur so ein garantierter Arbeitnehmerschutz durchsetzen lässt.

Ob diese das Angebot jedoch auch annehmen und die Infektionszahlen sinken, werden die kommenden Wochen zeigen. (Von Kim Hornickel)

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