Ansteckung von Patienten gilt als unwahrscheinlich

Infizierter Chirurg im Werra-Meißner-Kreis: Klinik schließt nicht

Der Infizierten Chirurg im Werra-Meißner-Kreis hat höchstwahrscheinlich keine Patienten angesteckt.  Der Betrieb in der Klinik geht daher weiter. 

  • Chirurg aus Klinik im Werra-Meißner-Kreis überraschend auf Corona-Virus getestet
  • Ansteckungsgefahr für Patienten des Chirurgen bestand offenbar nicht
  • Betrieb im Krankenhaus geht weiter
  • Alle Infos zur Corona-Krise im Werra-Meißner-Ticker

Innerhalb von fünf Tagen ist die Zahl der an dem Coronavirus Erkrankten im Werra-Meißner-Kreis stetig gestiegen. Landrat Stefan Reuß gab am Samstag den fünften Fall bekannt.

Dabei handelt es sich um einen Patienten des Klinikums Werra-Meißner, der mit einer anderen Diagnose in das Krankenhaus nach Eschwege kam und bei dem die Infektion mit dem Virus zufällig diagnostiziert wurde. 

Corona-Fall im Werra-Meißner-Kreis: Chirurg hatte keine Symptome 

Der Patient habe weder den für das Virus typischen trockenen Husten noch Fieber gehabt, erklärte Michael Rimbach. Bei einem CT sei festgestellt worden, dass der Patient, der wegen einer Gallenblasenentzündung ins Krankenhaus kam, eine beginnende Lungenentzündung hat, sagte Dr. Peter Schott. 

Der Patient sei bisher der einzige der an Corona Infizierten, der stationär im Pandemiekrankenhaus in Witzenhausen untergebracht sei, sagten die beiden Geschäftsführer des Klinikums. Er liege isoliert auf der Normal- und nicht auf der Intensivstation, müsse also auch nicht beatmet werden und habe keine schlechte Prognose. 

Corona-Fall im Werra-Meißner-Kreis: Chirurg nicht in Risikogruppe

„Er gehört nicht in die Gruppe der Hochrisiko-Patienten“, bestätigte auch Schott.

Alle anderen Fälle befinden sich laut Rimbach sich in häuslicher Quarantäne. Darunter auch der Arzt des Klinikums, bei dem am Freitag eine Infektion nachgewiesen wurde. 

Bei ihm handelt es sich laut Rimbach um einen Chirurgen, der nach einem fünftägigen Aufenthalt in der Schweiz zwei Tage lang im Dienst war und dann über Unwohlsein klagte. Er habe ebenfalls weder Husten noch Fieber, geschweige denn eine Erkältung gehabt, trotzdem aber frühzeitig beschlossen, sich krank zu melden. 

Das Credo, dass man sich nicht krank zum Patienten schleppe, gebe es immer – auch in Nicht-Corona-Zeiten.

Corona-Fall im Werra-Meißner-Kreis: Chirurg hatte Patientenkontakt

In den zwei Tagen habe der Chirurg zu drei Patienten Kontakt gehabt, die alle informiert seien. Sie befinden sich in häuslicher Quarantäne und stehen mit dem Gesundheitsamt in Kontakt. 

Dies entscheide anhand möglicher Symptome, ob auf Corona getestet werde oder nicht. Bei fünf Kollegen, mit denen der Arzt engen Kontakt hatte –laut Robert-Koch-Institut bedeutet das, länger als 15 Minuten in einem Raum zu sein – habe die Klinikleitung direkt entschieden, einen Abstrich zu machen. 

Die Ergebnisse stehen noch aus. „Die Testung dauert mindestens einen Tag im Ergebnis“, sagte Rimbach. Bisher habe er keine Kenntnis davon, dass sich jemand bei dem erkrankten Arzt infiziert habe. Dass er einen Patienten angesteckt haben könnte, sei relativ unwahrscheinlich, sagt Rimbach und verweist auf die strengen Hygienevorschriften während einer Operation. 

Eine Schließung des Krankenhauses ist daher nicht erforderlich. Die Patientenzahlen seien zudem schon runtergefahren worden, eine Station sei für mögliche Coronafälle freigeräumt worden. Daher seien nicht mehr viele Patienten im Haus.

Hohe Dunkelziffer "schlafender Fälle"

Rimbach verweist jedoch auf die hohe Dunkelziffer an „schlafenden Fällen“. Dadurch, dass das Virus eine Inkubationszeit von zwei Wochen habe, könnten sich viele auch vor ein bis zwei Wochen infiziert haben und die Infektion könne – wie im Fall des Patienten im Eschweger Klinikum – durch eine andere, aktuelle Erkrankung ausbrechen.

 Dies sei auch angesichts der, im Vergleich zu den Nachbarkreisen, ungewöhnlich niedrigen Corona-Infektionszahl im Werra-Meißner-Kreis wahrscheinlich. „Es ist ja keine hohe Mauer um unseren Kreis gezogen.“

Wenn Symptome nach 7 bis 14 Tagen verschwunden, gilt Erkrankter als nicht mehr ansteckend

Da sich das Virus im Körper erst entwickeln müsse, um darstellbar zu sein, würde auch eine Massentestung keine Sicherheit bringen. „Hat man sich erst wenige Stunden vor dem Abstrich angesteckt, ist die Corona-Infektion noch nicht nachweisbar.“ 

Ganz davon abgesehen, dass die Laborkapazitäten für eine Massentestung nicht ausreichen würden. Irgendwann würden auch so viele Menschen infiziert sein, dass man gar keine Abstriche mehr vornehme, sondern nur noch die Symptome behandele und die Kranken isoliere, sagte Schott. 

Häusliche Quarantäne sei dann überholt. Wenn jedoch eine große Masse das Virus einmal gehabt habe, stelle sich eine Herdenimmunität ein. Zwar könne man eine Mutation des Virus nie ganz ausschließen, da es sich seit seinem ersten Ausbruch vor drei Monaten jedoch nicht verändert habe, sei eine Mutation des Coronavirus nicht sehr wahrscheinlich. 

„Meist läuft ein Virusstamm über die Bevölkerung.“ Ob ein Patient die Krankheit überstanden hat, wurde bis vergangene Woche mit einem Abstrich überprüft. Mittlerweile gelte jeder als nicht mehr ansteckend, sobald er keine Symptome mehr aufweise. Dies könne je nach Krankheitsverlauf zwischen 7 und 14 Tage dauern.

Entgegen Gerüchten: Belegschaft arbeitet im normalen Schichtdienst

Gerüchte, dass Krankenhauspersonal nicht nach Hause dürfe, weil es verpflichtet worden sei, zwei Wochen mit jeweils 16-Stunden-Schichten im Krankenhaus zu arbeiten, bezeichnete Rimbach als „absoluten Schwachsinn und Panikmache“. 

An den Arbeitszeiten der Belegschaft habe sich nichts verändert, es gebe normalen Schichtdienst und selbstverständlich könne jeder nach Hause zu seiner Familie, wenn er nicht arbeiten müsse. 

Auch Aussagen, dass Ärzte und Schwester dazu angehalten wurden, Beatmungsgeräte bei Schwerkranken nach zwei Wochen abzustellen, um den nächsten Corona-Patienten eine Chance zum Überlegen zu lassen, wies Rimbach klar in die Verschwörungsecke. 

„Es gibt keine Anweisung, Geräte abzustellen, das darf man gar nicht“, sagte Rimbach und verwies auf die Ethikkomitees, die selbst bei vorhandenen Patientenverfügungen den jeweiligen Fall genau prüfen würden. 

Von den 16 Beatmungsplätzen im Pandemiekrankenhaus in Witzenhausen sei bisher auch noch kein einziger benötigt worden, betonte Rimbach.

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* die Werra-Rundschau ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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Quelle: Werra-Rundschau

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