Die Couch als Reiseschlafplatz

Bietet Fremden ihr Sofa zum Übernachten an: Judith Taschenmacher aus Witzenhausen ist Mitglied in dem Netzwerk Couchsurfer. Die bunte Decke hat sie sich aus Guatemala mitgebracht. Foto: Peukert

Ellingerode. Bei völlig fremden Menschen auf dem Sofa übernachten - für viele ist dies nahezu unvorstellbar. Nicht für die Witzenhäuserin Judith Taschenmacher. Sie ist Couchsurfer.

Auf der gleichnamigen Internetplattform können Mitglieder weltweit eine kostenlose Unterkunft auf Reisen finden und auch selbst eine Unterkunft anbieten.

Taschenmacher hat vor neun Jahren das erste Mal Couchsurfing gemacht. „Ich wollte mich an der Uni Trier einschreiben und habe eine Bleibe für eine Nacht gesucht. Und beim Couchsurfing konnte ich direkt erste Kontakte in der neuen Stadt knüpfen“, erklärt die 30-Jährige. Zunächst habe sie das Netzwerk sporadisch genutzt, um Übernachtungen innerhalb Deutschlands zu organisieren. Im September 2010 hat sie allerdings das Reisefieber gepackt und mit ihrem damaligen Freund ging es von der Eifel aus auf Rucksacktour durch Europa und Afrika. Während der gesamten 21-monatigen Reise haben beide entweder im Zelt übernachtet oder sich eine Bleibe über die Internetplattform gesucht.

Unter anderem hat Taschenmacher die Alpen zu Fuß überquert und auch dort bei einem Couchsurfer übernachtet: „Die Gastgeber waren bereits seit zehn Jahren bei dem Portal angemeldet. Doch wir waren die ersten, die sie angeschrieben haben. Die dachten, dass sich niemand mehr in ihr Kaff verirrt.“ Sogar in einer Oase in Ägypten fand die Witzenhäuserin über das Netzwerk eine kostenfreie Übernachtungsmöglichkeit. „Dieser Couchsurfer war wirklich ein Sechser im Lotto. Denn wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschen dort Internet haben und dann auch noch auf der Plattform angemeldet sind“, sagt die 30-Jährige.

Bisher hat Taschenmacher die Kontinente Asien, Südamerika, Australien und Afrika bereist. „Ich bin neugierig und will die Menschen und die Kultur vor Ort kennenlernen. Ich mag authentisches Reisen“, erklärt sie. Schlechte Erfahrungen beim Couchsurfing hat Taschenmacher, die seit Herbst 2012 ökologische Agrarwissenschaften in Witzenhausen studiert, bisher nicht gemacht. Erstaunt hat sie jedoch das große Vertrauen, welches ihr viele Gastgeber entgegenbrachten. So wurde ihr zum Beispiel das Versteck des Wohnungsschlüssels verraten, obwohl man sich zuvor noch nie gesehen hat.

Auch Taschenmacher bietet Fremden ihre Couch in Ellingerode zum Übernachten an. Etwa einmal im Monat erhält sie eine Anfrage über die Internetseite: „Doch das Angebot genutzt hat bisher nur eine Studentin, die sich in Witzenhausen Wohnungen angesehen hat.“

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