Intensivbetten alle belegt

Klinikum Werra-Meißner: Auf der Intensivstation werden sieben Covid-Patienten beatmet

Eine Pflegerin schaut sich in der Intensivstation die Werte eines Beatmungsgeräts an mit dem ein Patient mit einem schweren Covid-19 Krankheitsverlauf behandelt wird.
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Die Intensiv-Betten für Covid-Patienten am Standort Witzenhausen sind allesamt belegt.

Die vierte Coronawelle könnte alle bisherigen übertreffen. Zu dieser Prognose kommt das Klinikum Werra-Meißner (Eschwege und Witzenhausen) mit Blick auf die Intensivbetten.

Eschwege/Witzenhausen - Im Vergleich zum Vorjahr haben wir jetzt schon mehr Covid-Patienten im November, als es 2020 im Dezember waren“, teilt der Ärztliche Direktor Dr. Peter Schott mit.

Die aktuell sechs für Covid-Patienten vorgehaltenen Intensiv-Betten am Standort Witzenhausen sind allesamt belegt, es wird sogar noch ein siebter Patient darüber hinaus dort versorgt. Alle sieben werden beatmet, ein zusätzlicher Patient liegt auf der Intensivstation in Eschwege ohne Beatmung. Hinzu kommen mehr als 20 Patienten auf der normalen Isolierstation. „Weitere Covid-Intensiv-Patienten müssten wir in ein anderes Krankenhaus verlegen lassen. Wir tun unser Möglichstes, um die Covid-Patienten aus dem Kreis hier vor Ort zu versorgen“, betont Schott.

Dr. Peter Schott, Ärztlicher Direktor

Das Klinikum behandele bereits jetzt mehr als die doppelte Anzahl der vom Land ursprünglich vorgesehenen Covid-Patienten. Um das möglich zu machen, habe man den Standort Witzenhausen erneut zum sogenannten Pandemie-Krankenhaus gemacht. Dort werden wie in den ersten drei Wellen die Covid-Patienten auf der Isolierstation sowohl intensiv als auch normal behandelt. Dieses Vorgehen soll in Eschwege einen weitestgehend normalen Klinikbetrieb möglich machen.

In Witzenhausen wird kaum noch operiert

Um die Corona-Situation bestmöglich meistern zu können, wird am Standort Witzenhausen nahezu nicht mehr operiert, damit das Personal aus dem Operationsbereich auf den Covid-Stationen aushelfen kann. Ausnahmen bilden nur Operationen von covid-positiven Patienten. „Auch in Eschwege wird bei plan- beziehungsweise verschiebbaren Eingriffen, die eine anschließende Unterbringung auf der Intensivstation zur Folge haben könnten, über Terminverlegungen nachgedacht“, so Schott. Für das Personal sei die Situation durch schwere Covid-Verläufe mental, durch die Schutzkleidung auch körperlich eine steigende Belastung.

Mitarbeiter sind stark belastet

Die Auslastung durch die hohe Anzahl an Corona-Patienten geht am Klinik-Personal nicht spurlos vorbei. „Die Mitarbeiter arbeiten an der Belastungsgrenze“, heißt es dazu von Christoph R. Maier, Geschäftsführer des Klinikums Werra-Meißner. In der Belegschaft, die täglich unmittelbar mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie konfrontiert wird, wachse der Frust über die mangelnde Impfbereitschaft in der Bevölkerung bundesweit.

„Lasst euch impfen, haltet euch an die Kontaktbeschränkungen“, ist laut Maier der Wunsch der Belegschaft an die Bevölkerung. Unterdessen steigen die Zahlen der Corona-Infizierten in der gesamten Region weiter an.

Zahl der Infektionen steigt weiter

In Hessen gab es am Montag im Vergleich zum Vortag 722 neue Corona-Fälle, die Inzidenz liegt bei 184,9, die Hospitalisierungsrate bei 3,81. Im benachbarten Niedersachsen ist die Inzidenz mit 132,8 zwar noch deutlich geringer, steigt aber schneller an mit 476 neuen Fällen. Die Situation hat sich an der Universitätsmedizin in Göttingen (UMG) entsprechend verschärft. 28 Corona-Patienten werden in der UMG aktuell versorgt, davon liegen 18 Patienten auf Normal-Station, zehn beatmungspflichtig. Fünf davon an ECMO-Geräten, die die komplette Atmung außerhalb des Körpers übernehmen.

Bislang hieß es vonseiten der UMG, dass viele der Covid-19-Patienten nicht gegen Corona geimpft seien. Die Frage nach der konkreten Zahl beantwortet UMG-Sprecher Stefan Weller auf Anfrage unserer Zeitung mit „etwa 80 Prozent“. Von den geimpften Patienten, die stationär wegen Covid-19 behandelt werden, hätten viele eine Vorerkrankung, bei denen aufgrund eines geschwächten Immunsystems eine Corona-Impfung keinen ausreichenden Schutz (mehr) biete.

Erste Veranstaltungen werden abgesagt

Im Landkreis Kassel meldet das Robert-Koch-Institut (RKI) am Montag eine Inzidenz von 118,6, im Landkreis Göttingen 140,5. Extrem hingegen sind die Werte über die Landesgrenze hinaus nach Thüringen. Der Wartburgkreis meldet zum Wochenstart eine Inzidenz von 500,2, der Unstrut-Hainich-Kreis von 569,3. Bundesweit lag die RKI-Inzidenz bei 303.

Im Werra-Meißner-Kreis reagieren unterdessen die ersten Vereine und Gastronomen auf die aktuelle Entwicklung der Corona-Situation. Das Bio-Bistro Ringelnatz in Witzenhausen hat aufgrund der stark ansteigenden Inzidenz seit Freitag geschlossen. Eine Bewirtung sowie die für den Rest des Jahres geplanten Konzerte finden nicht statt.

Von Konstantin Mennecke

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