Unbekanntes im Heimatmuseum Wichmannshausen

Das Dings ausm Museum: Wer kennt die Herkunft dieser regionalen Exponate?

Idyllisch gelegen: Das Museum Wichmannshausen mit dem neuen Schlosshof.
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Idyllisch gelegen: Das Museum Wichmannshausen mit dem neuen Schlosshof. Bei manchem Exponat wissen selbst die Betreiber nicht, was es damit auf sich hat.

Heimatmuseen bergen alte Schätze aus der Region. Bei manchem Exponat wissen selbst die Betreiber nicht, was es damit auf sich hat. Wir stellen in loser Reihenfolge besondere Ausstellungsstücke vor.

Wichmannshausen – Die Redewendung „Einen Zahn zulegen“ und die sprichwörtliche „hohe Kante“ liegen im Museum im alten Boyneburger Schloss in Wichmannshausen nur wenige Meter voneinander entfernt. Getrennt werden sie durch einen hölzernen Türrahmen, auf dem zwischen mehreren anderen Exponaten ein Henkelkrug aus Ton steht, der Museumsleitung, Verein und Besuchern bis heute Rätsel aufgibt.

Krug mit Loch

Dabei ist der Henkelkrug, der auf einer Seite ein kreisrundes Loch nahe dem Boden aufweist, vermutlich schon beim Einräumen in den 1970er-Jahren in das Museum eingezogen.

Krug mit Loch: Welche Verwendung hatte dieses Gefäß aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts?

Und wenngleich erkennbar ist, dass er um das Jahr 1900 oder sogar früher auf einer Töpferscheibe handgefertigt wurde, stellt sich durch das Loch die Frage danach, wozu er einst verwendet und ob er möglicherweise für eine bestimmte Flüssigkeit genutzt wurde.

Was ist ein Lopfen?

Ein weiteres Rätsel gibt eine Passage aus dem am 4. September 1786 von Eva Elisabeth Kratzenbergs geschriebenen Testament auf, anhand dessen das „Kratzenbergzimmer“ des Museums mit dem Nachlass der Bäuerin eingerichtet wurde. „Drey weiße weiber Lopfen“ sind unter anderem aufgeführt. Was sich allerdings hinter den „Lopfen“ verbirgt, konnte bisher nicht geklärt werden. Ebenso fehlen die im Testament beschriebenen „zwei Paar weiße Zwirnhandschuhe“ und drei der vier Schemel, über die Eva Elisabeth Kratzenberg 1786 schrieb: „Vier schemel einer mit einem bein Drey ohne bein.“

Antworten an die Redaktion

Wer weiß, was ein Lopfen ist oder eine Erklärung hat, für welche Flüssigkeit das Loch im Krug gebraucht wurde, meldet sich unter redaktion@werra-rundschau.de

Redewendungen

Während der Museumsverein sowohl bei dem Henkelkrug als auch bei den „Lopfen“ und den weiteren fehlenden Exponaten für das „Kratzenbergzimmer“ um Ideen und Hinweise bittet, erwarten Besucher des Museums zahlreiche Besonderheiten aus vergangenen Zeiten, hinter denen neben einem Einblick in das Leben der Menschen früher zum Teil auch die Wurzeln von Redewendungen stecken. So deutet Arno Maske, Vorsitzender des Museumsvereins, auf einen auch als Kräuel bekannten Kesselhaken, an dem ein schwerer Topf hängt, und erklärt, dass durch das Verändern der Position des Topfes am Kesselhaken der Abstand zum Feuer verringert und schneller gekocht werden konnte. Hatte man es beim Kochen in der aufgrund des durch das offene Feuer entstehenden Rußes sogenannten „schwarzen Küche“ eilig, konnte man somit „einen Zahn zulegen“.

Einen Zahn zulegen: Die Redewendung kommt von der Beschleunigung des Garvorgangs.

Lächelnd verweist Museumsleiterin Ulrike Hahn auf die „hohe Kante“ im nächsten Raum. Denn die Kante des Baldachins über dem historischen Himmelbett wurde einst zum Aufbewahren des Ersparten genutzt, damit es sich auch im Schlaf direkt beim Eigentümer befand und bei Gefahr schnell in Sicherheit gebracht werden konnte.

Arbeitseinsätze

Direkt weitergeben konnten Museumsleitung und Verein dieses Wissen durch den pandemiebedingten Ausfall vieler Veranstaltungen nicht, doch die Arbeit im Museum geht weiter. „Es ist kein Stillstand“, sagt Maske mit Blick darauf, dass neue Mitglieder zum Museumsverein hinzugekommen sind und dieser vielseitig aufgestellt ist. Derzeit sucht der Verein für weitere Arbeiten am Gebäude nach jemandem, der sich mit Sandstein und dem Auffüllen von Gewölbekellern auskennt und so beratend zur Seite stehen kann. Telefonisch erreichbar sind Arno Maske (Tel.: 05 65 89 21 43) und Ulrike Hahn (Tel.: 0 56 53 73 99). (Eden Sophie Rimbach)

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