Bundesregierung verkündet weitere Corona- Einschränkungen

Stimmen aus dem Werra-Meißner-Kreis zur Verlängerung des Lockdowns

Ein Schild ist in einem Schaufenster zu sehen mit der Aufschrift „Wegen Lockdown geschlossen“.
+
Bis Ende Januar ist das öffentliche Leben im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus mit einem Lockdown heruntergefahren. Vielerorts finden sich in Schaufenstern Hinweise auf die Schließungen der Geschäfte.

Eine Verlängerung des Lockdowns bis Monatsende und eine Verschärfung der Kontaktbeschränkungen sollen nach Ansicht von Bundes- und Landesregierung helfen, die Corona-Pandemie wieder in den Griff zu bekommen. Wie kommt das im Werra-Meißner-Kreis an? Wir haben uns umgehört.

Das Klinikum

Als sehr sinnvoll bewertet das Klinikum Werra-Meißner die neuen Bestimmungen, teilt Sprecher Florian Künemund mit. Denn ohne strikte Kontaktbeschränkungen würden die Infektionszahlen noch weiter steigen. „Unsere Mitarbeiter auf den Covid-Stationen stehen unter immensem Druck und haben täglich mit neuen Höchstwerten an Covid-Patienten zu kämpfen. Wir sind auf die Umsichtigkeit jedes einzelnen Bürgers angewiesen.“ 

Die Gastronomie

In den Augen von Christian Pelikan, den Vorsitzenden des Gastronomen-Verbandes Dehoga im Werra-Meißner-Kreis, ist schon vor der jetzigen Verlängerung des Lockdowns das Kind sprichwörtlich in den Brunnen gefallen: Die beschäftigungslosen Mitarbeiter und vor allem die Aushilfskräfte hätten sich größtenteils schon umorientiert und arbeiteten in anderen Bereichen. Vertrauen in die Gastronomie-Branche hätten sie nicht mehr. „Sollten wir je wieder aufmachen,“ spricht der in Bad Sooden-Allendorf gastronomisch engagierte Dehoga-Kreisvorsitzende für viele seiner Kollegen, „haben wir keine Mitarbeiter mehr“.

Im Interesse aller hofft Pelikan, dass der Ernst der Lage bezüglich des Corona-Virus von den Menschen endlich erkannt wird. Trotz voller Intensivstationen werde immer noch Schlitten auf dem Hohen Meißner gefahren und ohne Abstände in den Supermärkten eingekauft. Wobei er auch kritisiert, dass viele Einzelhändler ihrer Verantwortung nicht gerecht würden und immer noch ein Schlupfloch fänden, um ihr Geschäft geöffnet zu halten.

Überhaupt beklagt Pelikan ein zu spätes und auch konsequentes Handeln der Politik. Je länger der Lockdown – notwendigerweise – nun dauere, desto mehr Menschen müssten darunter leiden.  

Wirtschaftsförderung

„Jede weitere Verlängerung macht einen noch schnelleren Zugriff auf finanzielle Hilfen notwendig“, sagt Dr. Lars Kleeberg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Werra-Meißner, zur Verlängerung des Lockdowns. Dieser lähme das Verbraucherverhalten. Kaum jemand denke aktuell daran, Feste, Reisen und Veranstaltungen zu buchen. Darunter würden Gastronomie, Reisebüros, Künstler und Veranstalter immer mehr leiden. „Gerade in diesen Branchen ist auch nicht mit Nachholeffekten beim Konsum zu rechnen“, sagt Kleeberg.

Es stehe eine umfassende Palette an Wirtschaftshilfen zur Verfügung. Es sei wichtig, dass diese auch zügig an den richtigen Stellen ankämen, bis die Kombination von Impfstoff und wärmerem Wetter es zulasse, dass die Wirtschaft von selbst wieder Fahrt aufnehme.

Seniorenrat

„Ich halte die Verschärfung für sinnvoll. Sie hätte schon eher kommen müssen, dann wären wir heute einen Schritt weiter“, sagt Norbert Zoth, Vorsitzender des Witzenhäuser Seniorenrats. Dieser sei von den Corona-Maßnahmen leider sehr betroffen, da Veranstaltungen abgesagt werden mussten und Projekte weiter in der Warteschleife sind.

So ist zum Beispiel für den Herbst eine Infomesse geplant. „Aber ob wir die machen können?“, stellt Zoth infrage, der darauf hofft, dass alle Menschen sich an die Auflagen halten und die Impfungen erfolgreich sind.

Die einzige Aktion des Seniorenrats ist aktuell der Pendel- und Begleitdienst, da der Kreis kein Hotspot ist, erklärt er. Dafür seien die älteren Herrschaften dankbar und halten sich an die Regeln – auf der Rückbank hinter einer Plexiglasscheibe Platz nehmen und ständig Mund-Nasen Bedeckung tragen. Zudem werden die Wagen vor jeder Fahrt desinfiziert. Jeder der Senioren sei auf seine Gesundheit bedacht und sage „da müssen wir jetzt durch“, so Zoth.  

Gewerbeverein

Der harte Lockdown ist sinnvoll und sollte weiterlaufen, findet Bernd Bloß, Vorsitzender des Gewerbevereins Großalmerode. „Es ist uns mehr geholfen, das Leben drei bis vier Wochen zurückzufahren. Denn wenn eine dritte Welle käme, würde es Insolvenzen hageln.“

Das Jahr 2020 sei für das eine oder andere Mitglied des Gewerbevereins hart gewesen, so Bloß. Manche Firmen hatten Glück und konnten Verluste wieder gut machen, andere, wie Friseure konnten überhaupt nichts machen. Das Problem dabei: „Sie wissen nicht, wie es weitergehen soll.“ Reserven seien aufgebraucht und Hilfen würden erst spät kommen. Zudem gebe es etliche im Gewerbeverein, die erst seit einem Jahr selbstständig sind und damit keine Hilfen bekommen.

Corona habe jedoch auch gelehrt, so Bloß viel online zu machen. So finden etwa die Sitzungen des Gewerbevereins per Videochat statt.  

Die Polizei

 Die Überwachung der Einhaltung der Coronabeschränkungen wird sowohl von Polizei als auch von den Ordnungsämtern übernommen. Mit der Verschärfung der Kontaktbeschränkungen wird die Arbeit der Polizisten nicht anders als bisher, informiert Pressesprecher Jörg Künstler. Sie sind täglich auf Streife. Dabei sei die Lage im Werra-Meißner-Kreis entspannt und es gebe kaum Verstöße gegen die Kontaktbeschränkungen. In der Nacht zu Mittwoch kontrollierten die Beamten beispielsweise ein Gastgewerbe in Sontra, wo aber keine Verstöße festgestellt wurden. Zudem werden Plätze, die für Ansammlungen bekannt sind, wie der Pumptrail in Eschwege, regelmäßig kontrolliert.

Sollte die Inzidenz im Kreis auf einen Wert von über 200 steigen und der Bewegungsradius auf 15 Kilometern um den Wohnort eingeschränkt werden, werde die Polizei die Kontrollen ausweiten. Das erfolge nach den entsprechenden Anordnungen der Behörden.  

Die Jugendlichen

„Die Verlängerung des Lockdowns ist angesichts der sehr ernsten Lage in Deutschland richtig und wichtig“, findet auch Kreisschülersprecher Jan-Hendrik Schaadt. Allerdings müsse jetzt besonders auf die Kinder und Jugendlichen geachtet werden, die schon vor der Pandemie Schwierigkeiten in der Schule hatten, denn die dürften nun nicht abgehängt werden, so der 18-Jährige. „Die Schule ist für einige der einzige Ort, an dem sie sich mit Gleichaltrigen austauschen und ungestört lernen können.“

Zu Beginn der Pandemie im März sei bei einigen durchaus Freude darüber aufgekommen, nicht in die Schule zu müssen. Doch: „So sehr man sich manchmal über Hausaufgaben oder Klausuren beschwert, so sehr sehnen sich die meisten Schüler mittlerweile nach Normalität.“ Zwar glaubt Jan-Hendrik nicht, dass es den ultimativen Tipp gibt, der das Leben im Lockdown schlagartig verbessert, rät aber allen Jugendlichen: „Bleibt in Kontakt, ganz egal ob per Videokonferenz, WhatsApp oder Telefon. In Zeiten, in denen körperlicher Abstand wichtig ist, wird das Menschliche, das Gemeinsame wichtiger.“ 

Deutlich mehr Coronafälle in Thüringen

Mit den 37 neuen Coronafällen, die Kreissprecherin Sylvia Weinert am Mittwoch für den Werra-Meißner-Kreis gemeldet hat, liegt die Zahl der Gesamtfälle bei 1434 Personen. Erkrankt oder positiv auf das Coronavirus getestet sind indes 212 Personen. Da die 7-Tage-Inzidenz mit 117 Neuinfektionen noch weit unter dem Grenzwert von 200 liegt, greift die Einschränkung des Bewegungsradius auf 15 Kilometer um den Wohnort im Werra-Meißner-Kreis bisher nicht. Dieser Bewegungsradius wurde neben der Verlängerung des Lockdowns als Verschärfung der Coronaregeln am Dienstag von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder in Berlin vereinbart.

Anders sieht es bei den direkt angrenzenden Nachbarn in Thüringen aus: Landkreis Eichsfeld, Unstrut-Hainich-Kreis, Wartburgkreis sowie in der Stadt Eisenach. Hier liegen die 7-Tage-Inzidenzen weit über 200 (siehe Grafik). Am Wochenende war der Wert im Unstrut-Hainich-Kreis laut der dortigen Kreisverwaltung sogar mehr als 400. Bei den direkten Nachbarkreisen in Nordhessen und im Bundesland Niedersachsen liegen die Werte ebenfalls unter 200 und zum Teil sogar unter 100. mai

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.