Sturz aus dem Nest

Datterode: Ehepaar päppelt Spatz Hansi nach Sturz vom Dach wieder auf

Spatz Hansi bei der Fütterung: Heiko Beck hat die blaue Dose geöffnet, die Hansi genau kennt. Der Vogel weiß, dass sich darin leckere Maden befinden.
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Spatz Hansi bei der Fütterung: Heiko Beck hat die blaue Dose geöffnet, die Hansi genau kennt. Der Vogel weiß, dass sich darin leckere Maden befinden.

Die Spatzendame „Hansi“ wurde von einem Ehepaar aufgenommen, nachdem sie aus dem Nest gefallen ist. Ihre Zieheltern besucht sie noch immer.

Datterode – „Sie sind vom Hausdach meines Bruders heruntergefallen, waren sichtbar lädiert und hätten alleine niemals zurück ins Leben gefunden“, berichtet Heiko Beck, pensionierter Polizist aus Datterode, über einen ganz speziellen Fund: zwei Spatzen. „Das konnte ich nicht mit ansehen, deshalb habe ich sie mit zu uns genommen und fortan mit den beiden Spatzen das Überlebenstraining begonnen.“

Beck hat schon seit seiner Kindheit das Bedürfnis, Tiere zu pflegen, die sich in freier Wildbahn verletzt haben. „Für meine Frau Ute und mich stellte sich gar keine Frage. Für uns war sofort klar, wir werden die armen Geschöpfe gesund pflegen.“ Das Ehepaar legte für die kleinen Derwische eine Erdbeerschale mit bequemen Daunenfedern zum Kuscheln aus, musste aber schnell eine erste Enttäuschung verschmerzen, denn eines der Vögelchen verlor den Kampf.

Wir dachten, dass sie in der freien Natur bleibt, aber sie kam die ersten drei Abende zurück und setzte zur Schulterlandung an.

Ute Beck aus Datterode

„Die Verletzungen waren offensichtlich zu heftig. Dazu kommt, dass der Spatz wohl ausgehungert war und die Flüssigkeitsdefizite ihm die letzte Chance raubten.“ Aber für das Geschwisterchen „Hansi“ sahen die Erfolgsaussichten viel besser aus: „Wir bemerkten gleich, dass es sich um ein Spatzenweibchen handelt, haben aber den Namen nicht geändert“, schmunzeln Heiko und Ute Beck, die in ihrem idyllischen Garten vielen kleinen Tieren – vor allem Insekten – Schutz und Hilfe anbieten. Doch auch größere Tiere, wie Rehe, haben bereits in dem Baum- und Strauchparadies sowie an der hauseigenen Quelle einen Ort der Zuflucht gefunden.

Für die erste Versorgung von Hansi galt es, Fliegen zu fangen. „Und weil wir Angst hatten, dass Hansi dehydriert, haben wir die Fliegen nass gemacht, um gleichzeitig den Flüssigkeitshaushalt aufzutanken“, erinnert sich Beck. Schon am nächsten Tag besorgte sich der pensionierte Polizist im Anglershop Maden und fütterte den Vogel stündlich mit dieser schmackhaften Spatzennahrung. Die Fortschritte seien unverkennbar gewesen. Zur Sicherheit des kleinen Bewohners wurde er gegen 19 Uhr in einen Käfig verfrachtet, wo er die Nacht verbrachte.

„Pünktlich um sieben Uhr begann Hansi mit der ersten Nachrichtensendung in pfeifender Form. Ich habe ihr Signal natürlich verstanden, sie wollte gefüttert werden“, erzählt Beck und muss lächeln, wenn er an die Morgen mit der kleinen Hansi zurückdenkt. Außerdem gab es für den Spatz ein Flugtraining in der Küche und im Esszimmer, so der 65-Jährige. Einige Tage später ging es dann ins Freie, wo Beck das Training fortsetzte, um der Auswilderung näherzukommen.

„Wir dachten, dass sie in der freien Natur bleibt, aber sie kam die ersten drei Abende zurück und setzte zur Schulterlandung an. Erst in der vierten Nacht ist Hansi tatsächlich im Garten geblieben und hat im Efeu geschlafen. Aber sie ist nicht in die Natur zurück, sondern hat die Futterzeiten minutiös eingehalten“, sagt Ute Beck, die ihren Ehemann beobachtete, wenn er mit Hansi auf der Schulter zum Kühlschrank im Keller ging, um die blaue Madendose zu füllen, die für den Spatz zum Markenzeichen wurde.

Und dann blieb Hansi zwei Nächte aus: „Ich gebe zu, das löste Traurigkeit in mir aus, was sich aber schnell änderte, denn jetzt kommt Hansi wieder täglich.“

Heiko Beck hat eine weitere lustige Anekdote mit Hansi auf Lager: „Ich ging zu einem Nachbarn, der wohnt 50 Meter von mir entfernt. Hansi flog mir nach, setzte sich sehr zur Verwunderung meines Freundes auf meine Schulter und suchte auch die des Kumpels auf, der sofort loslachte und sagte: Bin ich denn jetzt in Heiko Becks Zauberschau zu Gast?“

Mittlerweile sucht Hansi auch den Kontakt zu den beiden Hunden der Becks und auch mit der ausgehungerten Mehlschwalbe, die drei Tage im Hause gepflegt und wieder in die Freiheit entlassen wurde, hat sich Hansi „Bombe“ verstanden. „Die für uns wohl unendliche Geschichte dauert mittlerweile seit zwei Monaten an. Die blaue Madenbox sucht Hansi nach wie vor, weil sie weiß, sie ist ihre Schatzkammer“, so Ute Beck abschließend.

Von Harald Triller

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