Innerdeutsche Grenze: Kommunen sollen bei Schäden haften – Brief an Ministerium

DDR-Minen bereiten Ärger

+
Auf den Wegen bleiben: Warnschild am Wanderpfad.

Wanfried. Die drei Kommunen Wanfried, Treffurt und Südeichsfeld fühlen sich von der Bundesrepublik Deutschland im Stich gelassen.

Die drei Nachbargemeinden sollen zur Haftung herangezogen werden, wenn auf dem Wanderweg P 12, der entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze verläuft, eine der DDR-Minen hochgeht, die bisher noch nicht entschärft wurden.

Es dürfe nicht sein, dass die Kommunen mit diesem Problem allein gelassen werden, schreiben die Bürgermeister Wilhelm Gebhard (Wanfried), Michael Reinz (Treffurt) und Andreas Henning (Südeichsfeld) an das thüringische Innenministerium. Das hatte ein Gutachten eingeholt mit dem Ergebnis, dass es Stellen auf dem ehemaligen Grenzstreifen mit erhöhtem Restrisiko gebe. Unter anderem gehört der Aussichtspunkt „Mainzer Köpfe“ zu den gefährdeten Gebieten. Deshalb solle sich das Innenministerium an die zuständigen Bundesbehörden wenden. „Wir sehen hier die Bundesrepublik als Rechtsnachfolger der DDR in der Pflicht, dieses Gebiet neu abzusuchen und gegebenenfalls die Minen zu räumen“, sagt Gebhard.

Laut des thüringischen Gutachtens wurden an der Grenze zu Bayern, Hessen und Niedersachsen 23 000 Minen nicht gefunden. Alle anderen Sprengkörper, die lebensbedrohliche Verletzungen verursachen können, wurden nach der Grenzöffnung entschärft. Wo die Minen heute liegen, könne laut Gutachten nicht mehr genau zugeordnet werden. Erosionen und Wasserläufe hätten die Lage der Minen verschoben. Gebhard schätzt die Gefahr gering ein, weil in den vergangenen 22 Jahren kein Fall von einer detonierenden Mine bekannt sei. Das bedeute aber nicht, dass man die Wahrscheinlichkeit unterschätzen dürfe.

Die Stadt Wanfried ist als Betreiber des Wanderwegs P 12, die Landgemeinde Südeichsfeld ist als Eigentümer der Gemarkung und die Stadt Treffurt als Besitzer des Stadtwaldes betroffen. In den vergangenen Wochen wurden sowohl auf thüringischer als auch auf hessischer Seite Warnschilder angebracht. Es wird davor gewarnt, die markierten Wanderwege zu verlassen.

Aber: „Jeder noch so eindeutige Warnhinweis wird nicht verhindern können, dass sich Touristen in Bereichen aufhalten, die mit erhöhtem Restrisiko gekennzeichnet sind“, schreiben die Bürgermeister.

Auch zwischen Herleshausen und Pferdsdorf besteht an den Kielforst Klippen ein erhöhtes Restrisiko. Hier war ein Fels abgestürzt und hatte die Minen vermutlich verschoben. Sowohl auf thüringischer als auch auf Herleshäuser Seite wurden ebenfalls Warnschilder aufgestellt. Bürgermeister Helmut Schmidt gibt auch für diesen beliebten Wanderweg die Warnung aus: „Verlassen sie nicht die vorhandenen Wege und Pfade.“ (wr)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.