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Deges macht wenig Hoffnung auf Erhalt des Autobahnanschlusses für Wommen

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Von: Emily Spanel

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Joachim Schmidt
Joachim Schmidt © Emily Hartmann

Um den Autobahnanschluss Wommen zu erhalten, sind in der nahen Zukunft weitere Aktionen geplant. Die Chancen stehen aber schlecht, heißt es jetzt.

Wommen – „Wir geben nicht auf“, erklären die Mitglieder der Bürgerinitiative für den Erhalt des Autobahnanschlusses Wommen vehement.

Wenig Hoffnung aber macht den Betroffenen die Autobahn GmbH des Bundes: „Aus Verkehrssicherheitsgründen und letztlich zum Schutz der Verkehrsteilnehmenden kann die Halbanschlussstelle Wommen nicht erhalten bleiben“, erklärt Joachim Schmidt von der Unternehmenskommunikation auf Anfrage unserer Zeitung. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Joachim Schmidt, Autobahn GmbH
Joachim Schmidt, Autobahn GmbH © Deges

Wie ist der derzeitige Planungsstand?

„Für den hier fraglichen Neubauabschnitt der A 44 einschließlich des zukünftigen Autobahndreieckes Wommen zur Anbindung an die A  4 besteht der rechtskräftige Planfeststellungsbeschluss seit dem Jahr 2013“, weiß Joachim Schmidt. Die Deges führt hier für die Autobahn GmbH die erforderlichen Bauleistungen durch. „Nach dem derzeitigen Zeitplan sollen der Abschnitt und das Autobahndreieck Wommen im August 2025 dem Verkehr übergeben werden.“ Dies wäre dann der Zeitpunkt, an dem die Anschlussstelle Wommen für den allgemeinen Verkehr geschlossen und nur noch als Betriebszufahrt fungieren würde.

Wie wirkt sich das auf das Verkehrsaufkommen aus?

Laut der Fortschreibung der Verkehrsuntersuchung aus dem Jahr 2009 würde die Schließung der Anschlussstelle Wommen eine Erhöhung der Verkehrsbelastung in der Ortslage von Herleshausen um durchschnittlich rund 300 Fahrzeuge am Tag auf insgesamt 5400 Fahrzeuge am Tag (ein Plus von sechs Prozent) im Gesamtverkehr verursachen.

Was passiert mit der Bundesstraße 400?

„Mit dem Neubau der A 44 und des Wommener Dreiecks wird die Auf- und Abfahrt Wommen obsolet“, erklärt Joachim Schmidt: Verkehrsteilnehmer könnten zukünftig an der Anschlussstelle Sontra-Ost (bei der Blinden Mühle) auf die A 44 oder über die Anschlussstelle Herleshausen auf die A4 fahren. Gemäß Planfeststellung werde die B 400 zu einer Kreisstraße herabgestuft, da der Verkehr dann nahezu vollständig über die parallel verlaufende neue A 44 abgewickelt werden könne. Die B 400 werde somit von 5000 Autos pro Tag auf 1000 Autos pro Tag (ein Minus von 82 Prozent) im Gesamtverkehr entlastet.

Wie ist die Ortslage Wommen dann zu erreichen?

Die Ortslage Wommen wird über die Anschlussstelle Herleshausen zügig erreichbar sein. „Dies entspricht auch den Festlegungen der ursprünglichen Planfeststellung für den Ausbau der A4 aus dem Jahr 2001“, sagt Joachim Schmidt. „Darin ist nach Inbetriebnahme der A 44 die Schließung der Anschlussstelle Wommen für den allgemeinen Verkehr vorgesehen.“ Baulich endet der sechsstreifige Ausbau der A4 östlich an der Talbrücke Wommen. Separate Ein- und Ausfädelungsstreifen für die Anschlussstelle Wommen wurden im Zuge der A4 nicht gebaut.

Warum soll die Anschlussstelle wohl erst 2025 geschlossen werden?

Da die Sechsstreifigkeit erst mit Inbetriebnahme der A 44 über die Talbrücke Wommen hinweg bis zum Autobahndreieck Wommen fortgesetzt wird – auf der Talbrücke Wommen werden dann sechs Fahrstreifen markiert – kann die Teilanschlussstelle Wommen bis zu diesem Zeitpunkt weiterbetrieben werden, weil die notwendigen Beschleunigungs- und Verzögerungsfahrstreifen vorübergehend auf der Verbreiterungsfläche der A 4 markiert wurden. „Mit der Weiterführung der Sechsstreifigkeit bis zum Autobahndreieck Wommen entfällt diese Möglichkeit dann aber“, so Joachim Schmidt.

Was hat es mit dem Mindestabstand auf sich?

Die Richtlinie für die Anlage von Autobahnen (RAA) besagt, dass ein Mindestabstand von drei Kilometern zwischen einem Autobahndreieck und einer Anschlussstelle (vom Ende der Beschleunigungsspur bis zum Beginn der Verzögerungsspur) vorhanden sein muss. Am Wommener Dreieck ist der besagter Mindestabstand zwischen zwei Knotenpunkten unterschritten. Vorhanden sind an dieser Stelle weniger als 900 Meter. Foto: Hessen Mobil

Das sagt Bundestagsabgeordneter Michael Roth (SPD)

„Bereits seit Längerem bin ich mit der Thematik um die Schließung des Autobahnansschlusses Wommen nach Fertigstellung des sogenannten ,Wommener Dreieckes’ (Anschluss Neubau BAB 44 an BAB 4) vertraut und habe mich aus diesem Anlass bereits 2017 beim damaligen Bundesminister für Verkehr und Digitale Infrastruktur Alexander Dobrindt nach Möglichkeiten für den Erhalt der Anschlussstelle Wommen erkundigt.“ Das sagt Michael Roth (SPD), Bundestagsabgeordneter für den Werra-Meißner-Kreis, auf Anfrage unserer Zeitung.

„Im vergangenen Jahr hatte ich mir zudem gemeinsam mit meiner Kollegin Karina Fissmann (SPD) ein weiteres Mal direkt vor Ort ein Bild gemacht und abermals mit dem Bundesverkehrsministerium die Planungen zur Anschlussstelle Wommen erörtert“, so Michael Roth weiter.

„Grundsätzlich unterstütze ich die Initiative zum Erhalt der Anschlussstelle Wommen. Gleichzeitig werde ich aber keine falschen Erwartungen wecken und möchte auf die aktuelle Stellungnahme seitens des Bundesverkehrsministeriums aus dem Jahr 2021 hinweisen.“ Dort heißt es: „Mit der Fertigstellung des Abschnitts zwischen der Anschlussstelle Sontra-Ost und dem Autobahndreieck Wommen voraussichtlich Ende 2024 wird die heutige B 400 zu einer Kreisstraße abgestuft werden, da der Verkehr nahezu vollständig über die parallel verlaufende neue A 44 abgewickelt werden kann. Ab diesem Zeitpunkt soll die heutige (Halb-) Anschlussstelle Wommen (A 4/B 400), die sich in unmittelbarer Nähe des künftigen Autobahndreieckes befindet, aus verkehrlichen und betrieblichen Gründen nur noch als Betriebszufahrt genutzt werden, wie es bereits 2001 im Zuge der Planfeststellung festgelegt wurde.“

(Emily Hartmann)

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