Einhaltung der Coronaregeln soll häufiger kontrolliert werden

Dehoga will mehr Kontrollen in Hotels und Gastronomie

Christian Pelikan
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Christian Pelikan

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) wünscht sich mehr Kontrollen der 2G- und 3G-Regeln durch die Ordnungsämter, um die schwarzen Schafe der Branche zu identifizieren.

Werra-Meißner - Das sagen sowohl der hessische Hauptgeschäftsführer Julius Wagner als auch der Dehoga-Vorsitzende des Werra-Meißner-Kreises, Christian Pelikan. Je nach Größe der Kommune ist es für die Ordnungsämter schwierig, mehr Kontrollen personell umzusetzen.

82 Prozent der Betriebe wurden 2021 noch nicht kontrolliert

Der Branchenverband Dehoga hatte selbst eine Umfrage gestartet und 520 Hoteliers und Gastronomen befragt. 82 Prozent der Betriebe gaben an, in diesem Jahr noch kein einziges Mal kontrolliert worden zu sein. 18 Prozent hätten mindestens einmal Besuch von den Ordnungsbehörden bekommen. Pelikan kann diese Erfahrung bestätigen. Einmal wurden bei ihm Abstände kontrolliert. „Dabei wollen die Gäste, dass es Regeln gibt“, sagt Pelikan. Hotelgäste hätten ihm häufiger widergespiegelt, dass sie selten so konsequent kontrolliert wurden wie in seinem Hotel, dass sie diese Handhabung aber gut finden würden. Unterlegt wird diese Aussage von einer Umfrage der AOK Hessen (siehe Kasten). Mehr als die Häfte der Hessen (56 Prozent) wünscht sich demnach viel häufiger die 2G-Regel in Räumen, wo mehrere Menschen zusammenkommen.

In Eschwege regelmäßige Kontrollen durch Ordnungsamt

In Eschwege beispielsweise finden regelmäßige Kontrollen statt. „Auch auf Hinweise aus der Bevölkerung wird eingegangen“, sagte Sprecherin Scarlett Grebestein. Die Zahl der Verstöße sei gering, Gäste und Gastronome reagierten verständnisvoll. Die regelmäßig stattfindenden Kontrollen können durch das vorhandene Personal abgedeckt werden. In Witzenhausen wird nach Angaben von Bürgermeister Daniel Herz in unregelmäßigen Abständen und bei Bedarf die Einhaltung der aktuellen hessischen Coronaregeln kontrolliert. Verstöße wurden bislang noch nicht festgestellt. Mehr Kontrollen als bislang seien personell nicht leistbar. Dehoga-Vorsitzender Pelikan appelliert an die Kollegen, die Regeln konsequent einzuhalten. „Es steht zu viel auf dem Spiel für die Branche.“ Foto: stefan forbert

Mehr als die Hälfte der Befragten wünschen sich mehr 2G-Regel

Die AOK Hessen hat 1000 Menschen im Bundesland befragen lassen. 56 Prozent wünschen sich, dass nur Geimpfte oder Genesene (2G) Zugang zu Veranstaltungen oder Meetings bekommen. Insbesondere Menschen ab 60 Jahren sind dafür (68 Prozent) und immerhin 13 Prozent der Ungeimpften. Genau ein Drittel ist jedoch dagegen. Impfpflicht: 28 Prozent würden sie sogar schon ab zwölf Jahren einführen. 34 Prozent lehnen eine generelle Verpflichtung ab.

Coronaregeln: Motivation zur Überprüfung lässt nach

Dehoga-Mitglieder sind tagesaktuell über die neuesten Entwicklungen und Auswirkungen der Pandemie auf die Gastronomie informiert. 180 Whatsapp-Gruppen hat der Verband ins Leben gerufen, um die angeschlossenen Gastronomen mitzunehmen. „Hier wird auch auf die Einhaltung dieser Regeln hingewiesen“, sagt Christian Pelikan, Vorsitzender der Dehoga Werra-Meißner. Und hier sieht Pelikan das Problem.

Lasche Auslegung der Regeln

„Die Verbandsmitglieder halten sich vorbildlich an die Regeln, Quereinsteiger, die nicht organisiert sind, legen die Regeln mitunter lasch aus“, sagt Pelikan. So könne es beispielsweise sein, dass in nebeneinanderliegenden Restaurants unterschiedliche Regeln gelten würden. Deswegen plädiert auch Pelikan dafür, dass das Ordnungsamt häufiger in der Gastronomie vorbeischaue.

In Eschwege werde regelmäßig kontrolliert, heißt es vonseiten des Ordnungsamtes. Bei den Kontrollen wird überprüft, ob der Gaststätteninhaber die geltenden Bestimmungen einhält und kontrolliert. „Beispielsweise ist ein Gaststätteninhaber bei der Anwendung der 2G-Regel dazu verpflichtet, zu kontrollieren, dass diese auch eingehalten wird“, sagte Sprecherin Scarlett Grebestein. Die Gastronomen und auch die Gäste seien sehr verständnisvoll und kooperativ. „Es gab bislang keine Schwierigkeiten bei der Durchführung der Kontrollen.“

Wettbewerbsnachteil für Regeltreue

In anderen Kommunen wird weniger überprüft, ist das Ergebnis der Dehoga-Umfrage. Da es zu wenig Kontrollen gebe, lasse offenbar auch vielerorts die Motivation nach, sich strikt an die aktuell geltenden Coronaregeln zu halten, vermutet der Verband gegenüber der Hessenschau. „Außerhalb der befragten Unternehmen nehmen die Betriebe viele Mitbewerber wahr, die sich nicht an die Regeln halten oder Kontrollen von Negativnachweisen nur lax umsetzen“, sagte Dehoga-Fachbereichsvorstand Robert Mangold in Frankfurt. „Wir hören immer öfter, dass sich die regeltreuen Betriebe im Wettbewerb benachteiligt fühlen.“ Die Zahl der rund 12 000 Gastronomie-Betriebe in Hessen erschwere es, den Kontrolldruck zu erhöhen.

Verband fordert klare Ansagen von der Politik

Christian Pelikan wünscht sich indes klarere Ansagen aus der Politik – sowohl auf Bundes-, Landes- und Kreisebene. Das Weihnachtsgeschäft sieht er nicht in Gefahr. So weit wie vergangenes Jahre werde es nicht kommen. Aber: „Es wird wohl eine generelle 2G-Regel kommen.“ Derzeit liegt die Quote für 2G in Hessen bei zwölf Prozent. Eine zunehmende Zahl von Betrieben agiert laut Umfrage flexibel. 38 Prozent wechseln zwischen 2G und 3G. Das heißt: Sie bleiben im Grundsatz bei 3G, bieten für Veranstaltungen aber 2G. Mit Blick auf das Weihnachtsgeschäft tendieren sie zum 2G-Modell. (Tobias Stück)

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