1. Startseite
  2. Lokales
  3. Witzenhausen

Auf denkmalgeschützten Gebäuden sollen PV-Anlagen einfacher genehmigt werden

Erstellt:

Von: Julia Stüber

Kommentare

Die Errichtung einer PV-Anlage auf dem Dach der Metzgerei Mühlhausen in Meißner-Abterode ist beispielsweise bislang nicht möglich - obwohl Eigentümer Arno Mühlhausen aufgrund steigender Energiepreise gerne aktiv werden würde.
Die Errichtung einer PV-Anlage auf dem Dach der Metzgerei Mühlhausen in Meißner-Abterode ist beispielsweise bislang nicht möglich - obwohl Eigentümer Arno Mühlhausen aufgrund steigender Energiepreise gerne aktiv werden würde. © Stüber, Julia

Die Zahl der Solaranlagen in Hessen soll zunehmen, und zwar auch an denkmalgeschützten Gebäuden. Was ändert sich jetzt damit für den Werra-Meißner-Kreis?

Werra-Meißner – Das ist das Ziel einer neuen Richtlinie, wie das Ministerium für Wissenschaft und Kunst in einer Pressemitteilung erklärt. Das Prozedere soll einfacher werden, eine Genehmigungsgarantie für PV-Anlagen auf alten Gebäuden gibt es aber nicht.

„Der jüngste Dürresommer, immer häufigere Unwetter weltweit, aber auch die Energiekrise in Folge des Überfalls der Russischen Föderation auf die Ukraine führen uns täglich vor Augen: Wir müssen umsteuern in der Energieversorgung, um loszukommen von klimaschädlichen Arten des Heizens und der Stromversorgung und unabhängig zu werden von Diktatoren“, sagt Dorn.

Was ändert sich damit für den Werra-Meißner-Kreis? Die Genehmigungspraxis wird umgekehrt, teilt Jörg Klinge vom Landkreis mit. Konkret: In der Vergangenheit wurden Solaranlagen an oder auf Kulturdenkmälern nur dann genehmigt, wenn sie das Erscheinungsbild des Gebäudes nicht beeinträchtigten. Denn Kulturdenkmäler „dokumentieren die gestalterischen, technischen und handwerklichen Möglichkeiten ihrer Entstehungszeit.“ Bei baulichen Veränderungen an einem Kulturdenkmal verfolgt die Denkmalpflege konsequent „das Ziel der Erhaltung und des denkmalgerechten Umgangs.“ Und Photovoltaikanlagen stellten eben eine bauliche Veränderung da.

Mit der neuen Richtlinie werde nun allerdings klargestellt, dass in aller Regel Solaranlagen auf und an Kulturdenkmälern denkmalschutzrechtlich zu genehmigen sind. „Dies trifft auch zu, wenn durch die Solaranlage ein Kulturdenkmal in seinem Erscheinungsbild beeinträchtigt wird“, teilt Klinge mit. Allenfalls bei einer erheblichen Beeinträchtigung eines Kulturdenkmales könne der Antrag abgelehnt werden. In solchen Fällen sei vor einer Ablehnung zu prüfen, ob es Alternativen gibt, um die von der Solaranlage ausgehenden Beeinträchtigung für das Kulturdenkmal so gering wie möglich zu halten.

Rechtslage ändert sich nicht

Die Genehmigungspraxis ändert sich, die Rechtslage nicht. Bei der Errichtung von Solaranlagen auf Kulturdenkmälern kollidieren die Vorschriften des Denkmalschutzes und des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes, sagt Klinge. Schon immer sei es ein Abwägungsprozess zwischen den Belangen des Denkmalschutzes und denen des Klima- und Ressourcenschutzes gewesen. Eine Vorrangigkeit ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. In Hessen hat der Denkmalschutz Verfassungsrang. juh

Die Richtlinie bedeute aber nicht, dass ein Bauherr grundsätzlich einen Anspruch auf eine Genehmigung hat. Sie ist eine Handlungsanweisung an die Unteren Denkmalschutzbehörden, die nach wie vor eine Abwägung vornehmen müssen, erklärt Klinge. Die neue Richtlinie gelte zudem nicht nur für Privatpersonen, sondern auch für öffentliche Gebäude.

Die Errichtung einer PV-Anlage auf dem Dach der Metzgerei Mühlhausen in Meißner-Abterode ist beispielsweise bislang nicht möglich - obwohl Eigentümer Arno Mühlhausen aufgrund steigender Energiepreise gerne aktiv werden würde. Denn das Haus, in dem sich der Traditionsbetrieb befindet, steht unter Denkmalschutz – genau wie weitere Gebäude entlang des Steinwegs in Abterode. Außerdem liegt die Metzgerei direkt im Kirchenumfeld, habe der Denkmalschutz Mühlhausen mitgeteilt. Die Installation einer Anlage an der Stelle des Daches, die sich aufgrund der Sonneneinstrahlung auch lohnen würde, gestaltet sich daher schwierig.

„Wir hoffen natürlich nun, dass sich mit der Richtlinie die Genehmigungsfähigkeit verbessern wird – um etwas zur Energiewende beizutragen und um strukturelle Nachteile, die ein Fachwerkhaus nun mal hat, auszugleichen“, meint Bürgermeister Friedhelm Junghans.

Auch interessant

Kommentare