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Viel Beifall für Konzert des Modern-Jazzers Sven Krug und sein Quintett

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Das Sven-Krug-Quintett im E-Werk: (vorne von links) Werner Kiefer, Urban Beyer und Detlef Landeck sowie (hinten von links) Bene Schuba und Sven Krug.
Das Sven-Krug-Quintett im E-Werk: (vorne von links) Werner Kiefer, Urban Beyer und Detlef Landeck sowie (hinten von links) Bene Schuba und Sven Krug. © Siegfried Furchert

Das war ein anderer Sven Krug, den die Zuhörer am Freitag in Eschwege kennenlernten. In früheren Konzerten im E-Werk hörten sie den Kasseler Bassisten und sein Quartett, wie sie ausschließlich Krugs Eigenkompositionen aus dem großen Fundus des Modern Jazz interpretierten.

Eschwege – Der andere Sven Krug? Am Freitag erlebten ihn die Zuschauer als Verehrer von Kurt Tucholsky, der als Hommage an den Schriftsteller die „Tucholsky-Suite“ und „Lost Innovator-Suite“ komponierte – für ein Quintett und einen Text-Rezitator arrangiert. In Modern Jazz umgesetzt, weil ihn „das spielerisch erscheinende Gewebe aus Standardsprache, Amts- und Juristendeutsch in Tucholskys Texten und das Leben und Werk Tucholskys dazu inspirierte“, wie Komponist Krug die Entstehung der Suiten umschreibt. Ein von der Hessischen Kulturstiftung unterstütztes Musik-Experiment von Sven Krug mit Tucholskys Texten, in denen der Schriftsteller auch gegen Kriege opponiert.

Mehrfacher Szenenapplaus

Vielleicht war bei den Besuchern ein wenig Skepsis vorhanden, was sie im gut besuchten E-Werk erwartet. Aber als sie sich nach den ersten Takten „eingehört“ hatten, schwand alle Skepsis, mehrfacher Szenenapplaus für alle Interpreten schon im ersten Teil, der Tucholsky-Suite. Vier Stücke kündigte als Überleitungen Rezitator Axel Garbelmann an, die vier Künstlern – dem Schauspieler Philipp Seymour Hoffmann, der Bauhaus-Künstlerin Dirte Helm, dem Schriftsteller Richard Wright und der Komponistin Lilli Boulonger – gewidmet waren.

Sven Krug fand interessante Lösungen, wie er Tucholskys Texte in Jazzmusik umsetzt. Die Musiker Urban Beyer (Trompete), Werner Kiefer (Saxofon), Detlef Landeck (Posaune), Ursel Schlicht (Piano), Sven Krug (Bass) und Bene Schuba (Schlagzeug) trugen viel dazu bei, diesen Musikstil zu verstehen und das Konzert zu einem Klang-Erlebnis zu machen.

Tosender Beifall

Ein besonderes Schmankerl: als Rezitator Garbelmann Tucholskys Gedichte gegen den Krieg vortrug, von Sven Krug allein am Bass begleitet. Tosender Beifall. Auch im zweiten Teil, der Lost Innovator-Suite, für die „Rumba im Staatskommissariat für öffentliche Ordnung“, der „Benno Büffel Blues“, „Den letzten Bolero mit Kaspar Hauser“ und Tucholskys Gedicht „Zwei Erschlagene“ mit Rezitator Axel Garbelmann.

„Wir haben heute ein Konzert gehört, das wir so schnell nicht vergessen werden“, sagte der begeisterte Jazzclub-Vorsitzende Gerhard Marquardt, der schon bei der Begrüßung auf die besondere Stimmung dieser Tage und einige Gänsehaut-Situationen wie den Ukraine-Krieg hinwies.

Für Sven Krug und seine Musiker war es eine Genugtuung, „dass man uns Kulturschaffenden in Eschwege endlich wieder einen Auftritt schenkt“.

Von Siegfried Furchert

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