Tipps gegen Betrüger

Polizei warnt und gibt Tipps: Betrüger geben sich als Beamte und Bankmitarbeiter aus

Vorsicht vor Betrugsmaschen: Die Polizei warnt davor, persönliche Daten herauszugeben und keine Überweisungen auf Aufforderung zu tätigen. Wem ein Anruf komisch vorkommt, soll die Polizei rufen. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa
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Vorsicht vor Betrugsmaschen: Die Polizei warnt davor, persönliche Daten herauszugeben und keine Überweisungen auf Aufforderung zu tätigen. Wem ein Anruf komisch vorkommt, soll die Polizei rufen.

Dreiste Betrugsmasche: Falsche Bankmitarbeiter und falsche Polizisten haben bei zwei Frauen aus Waldkappel und Eschwege versucht, Geld zu erschleichen. Die Polizei gibt Tipps.

Eschwege/Waldkappel – Sie erschleichen sich Geld übers Telefon, das Internet oder direkt an der Haustür, geben sich als die Enkelkinder, Mitarbeiter von Banken oder gar Polizisten aus. So erging es einer 82 Jahre alten Seniorin aus Waldkappel. Wie die Polizei mitteilt, sind die Betrüger in dieser Woche gleich mit einer Doppelmasche an die Frau herangetreten:

Falscher Bankmitarbeiter, falscher Polizist: Betrugsmasche in Waldkappel aufgeflogen

Zuerst hatte sich ein Mann unter falschem Namen bei der Frau gemeldet und als ein „Herr Brandt“ von der Bank der Seniorin ausgegeben. Der Frau wurde am Telefon gesagt, dass etwas mit ihren Kontobewegungen nicht stimme. Um weitere Probleme zu vermeiden, müsse die Seniorin eine vierstellige Summe auf ein anderes Konto überweisen. Das schildert die Polizei.

Doch damit nicht genug: Um jegliche Zweifel der Frau zu ersticken, kündigte der falsche Bankmitarbeiter zudem an, die Polizei würde sich in den nächsten Tagen bei der Frau melden. Kurz darauf rief tatsächlich ein anderer Mann an und gab sich als Polizist namens „Herr Kühn“ aus. Er bat sie, wegen laufender Ermittlungen niemandem von dem Anruf zu erzählen. Später gab es erneut einen Anruf, scheinbar um die 82-Jährige noch mehr um den Finger zu wickeln.

Die Frau zweifelte aber an den Anrufen, vertraute sich Familienangehörigen an und setzte sich mit ihrer Bank in Verbindung. Dort erklärte man ihr, dass niemand von der Bank die Seniorin angerufen hatte und es sich offenbar um eine Betrugsmasche handelte. Daraufhin erstattete sie Anzeige bei der Polizei.

Falscher Bankmitarbeiter, falscher Polizist: Betrugsmasche auch in Eschwege versucht

Einen ähnlichen Fall gab es ebenfalls in dieser Woche in Eschwege. Unbekannte riefen eine 81 Jahre alte Eschwegerin an und gaben sich als Mitarbeiter ihrer Hausbank aus. Scheinbar wollten diese die Frau über ihre Kontotransaktionen aushorchen, heißt es vonseiten der Polizei. Die verunsicherte Frau rief daraufhin selbstständig bei ihrer Bank an, wo ihr ebenfalls mitgeteilt wurde, dass sich von dort niemand bei ihr gemeldet habe.

In beiden Fällen sei es zu keinen Schäden oder Geldtransfers gekommen, teilt Polizeisprecher Jörg Künstler auf Nachfrage mit. Er erklärt, dass solche Betrüger die Hilfsbereitschaft, Gutgläubigkeit und auch Einsamkeit besonders von Senioren ausnutzen.

Die Erwartungshaltung auf viel Geld und Ersparnisse bei Senioren sei hoch. „Tritt jemand am Telefon dominant als Polizist auf, schüchtert das viele ein“, erklärt er. Gleichzeitig werde die Masche mit dem Freund-und-Helfer-Gedanken verknüpft.

Häufig zielen Maschen wie der Enkeltrick auch auf körperliche Gebrechen ab, wie Schwerhörigkeit. Am Telefon werde extra leiser gesprochen. „Auf die Frage ‘Thomas bist du es?‘ lässt sich ganz einfach mit ‘Ja‘ antworten“, schildert er. Schon sei ein Gespräch mit dem vermeintlichen Enkel am Laufen.

Solche Betrüger arbeiteten oft nicht allein, erklärt Künstler. Dahinter steckten oft größere Gruppierungen, die es sich zur Aufgabe gemacht hätten, über Betrugsmaschen an Geld zu kommen. Häufig rufen diese sogar aus speziellen Callcentern an.

Polizei Werra-Meißner gibt Tipps zu Betrugsmaschen:

In der Vergangenheit haben Betrüger immer wieder versucht, Geld zu erschleichen – auch im Werra-Meißner-Kreis. Besonders häufig komme der Enkeltrick vor, erklärt Polizeisprecher Jörg Künstler – auch in Verbindung mit Schockanrufen. Ein Beispiel: Ein Familienangehöriger ist angeblich schwer erkrankt oder verletzt und braucht schnell Geld für eine Heiltherapie.

„Diese Angstmache gibt es jetzt auch immer häufiger in Verbindung mit falschen Coronanotfällen“, sagt Künstler. Betrüger gäben sich dabei auch als Ärzte aus, die Geld für die medizinische Versorgung oder einen teuren Krankentransport fordern. Was ebenfalls häufig vorkomme, seien Gewinnversprechen, falsche Bankmitarbeiter und falsche Polizisten. Häufig sollen Überweisungen stattfinden oder man solle Wertsachen aushändigen.

Die Polizeidirektion Werra-Meißner gibt jetzt Tipps zu solchen Betrugsmaschen:

  • Geben Sie keine Details zu Ihren familiären und finanziellen Verhältnissen preis.
  • Fordern Sie die Anrufer auf, ihren Namen zu nennen. Raten Sie nicht, wer anruft.
  • Sprechen Sie mit der Familie und Vertrauenspersonen über ungewöhnliche Situationen und Anrufe.
  • Sollte Ihnen eine Kontaktaufname komisch vorkommen, auch wenn sich jemand als Polizist ausgibt, rufen Sie die Polizeibehörde oder den Notruf. Erstatten Sie Anzeige.
  • Geben Sie auch an vermeintlich Bankmitarbeiter nie private Daten heraus. Bankmitarbeiter und Polizisten würden nie persönliche- oder Kontodaten am Telefon erfragen – erst recht nicht nach der persönlichen Geheimzahl (PIN) oder nach der Transaktionsnummer (TAN).
  • Es wird zudem nie die Herausgabe von Bargeld oder Wertgegenständen verlangt.
  • Behauptungen wie: „Jemand hat Zugriff auf Ihr Konto“ oder „Das Geld sei bei der Bank nicht mehr sicher, es muss zu Hause aufbewahrt oder in ein Schließfach gelegt werden“ oder „Überweisungen müssen gesperrt werden“, stimmen nicht.
  • Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen (...sonst ist das Geld verloren...). Legen Sie einfach auf.
  • Vergewissern Sie sich, ob ein Anruf tatsächlich von Ihrer Bank kommt.
  • Wählen Sie bei einem Rückruf nur die Ihnen bekannte Rufnummer der Bank (keine Wahlwiederholung).
  • Stehen angebliche Polizisten vor der Tür: Fordern Sie, den Dienstausweis zu sehen.
  • Lassen Sie grundsätzlich keine Unbekannten in die Wohnung. Übergeben Sie nie Geld oder Wertgegenstände an Unbekannte. Die Polizei wird Sie nie bitten, Wertsachen auszuhändigen.

Weitere Tipps und eine Auflistung weiterer Maschen gibt es auf der Internetseite der Polizei polizei-beratung.de. (Von Jessica Sippel)

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