Wildtier des Jahres erstmals seit Jahrzehnten wieder nachgewiesen

Der Fischotter ist zurück im Werra-Meißner-Kreis

Schwimmender Marder: Am Oberlauf der Wehre wurde ein Fischotter entdeckt. Der war zwar tot, es ist aber davon auszugehen, dass es sich nicht um ein Einzeltier handelt.
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Schwimmender Marder: Am Oberlauf der Wehre wurde ein Fischotter entdeckt. Der war zwar tot, es ist aber davon auszugehen, dass es sich nicht um ein Einzeltier handelt.

Der Fischotter galt im Werra-Meißner-Kreis seit Mitte des 20. Jahrhunderts als ausgestorben. Doch jetzt wurde an der Wehre wieder ein Exemplar entdeckt - leider tot. Experten gehen davon aus, dass der Otter kein Einzelgänger war.

Werra-Meißner – Auch wenn es eigentlich sehr bedauerlich ist, so ist die Nachricht dennoch für viele Naturinteressierte ein Grund zur Freude. Im Oktober dieses Jahres wurde erstmals wieder das Vorkommen eines Fischotters im Werra-Meißner-Kreis nachgewiesen. Es handelt sich um einen toter Fischotter, der am Oberlauf der Wehre gefunden wurde. Vermutlich wurde das Tier angefahren.

Dies ist seit vielen Jahren der erste Nachweis, dass Fischotter im Kreis vorkommen. Zuletzt hat es nur einen indirekten Hinweis auf Fischotter in unserem Kreis gegeben, als an der Sontra die Losung (der Kot) eines Otters gefunden wurde.

„Es ist kaum anzunehmen, dass es sich bei dem am Oberlauf der Wehre nun tot gefundenen Otter um ein Einzeltier handelt. Vielmehr muss angenommen werden, dass an den zahlreichen, naturnahen Gewässern im Geo-Naturpark Frau-Holle-Land weitere der nachtaktiven Wassermarder leben“, erklärt Marco Lenarduzzi vom Naturpark Frau-Holle-Land.

Viele Gewässer im Kreis sind ideale Lebensräume für Fischotter

Tatsächlich sind viele Gewässer im Werra-Meißner-Kreis ideale Lebensräume für Otter. Sontra und Wehre, Berka, Gelster und Frieda sind naturnahe Nebenflüsse der Werra. Dass Fischotter in naturnahen Gewässern Schäden an der Fischfauna anrichten, ist nicht zu erwarten.

Otter wurde früher scharf bejagt

In Hessen galt der Fischotter seit der Mitte des 20. Jahrhunderts als ausgestorben. Die starke Verschmutzung der Fließgewässer, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreichte und die Fischfauna massiv beeinträchtigte, ist sicher als die Hauptursache für das Aussterben der Fischotter anzusehen. Dabei waren in den Jahrhunderten zuvor Fischotter in der Landgrafschaft Hessen-Kassel keineswegs selten und wurden von eigens beauftragten Otterjägern, die dazu besonders gezüchtete Otterhunde hielten, scharf bejagt. Man fürchtete besonders die Schäden durch Otter an den für die Ernährung der Bevölkerung wichtigen Fischzuchtteichen.

In einer umfangreichen, von Hessen-Forst in Auftrag gegebenen Untersuchung wurden dann 2014 für Hessen wieder Ottervorkommen im Vogelsbergkreis an den Flüssen Ohm und Schwalm sowie im Spessart an den Flüssen Jossa und Sinn im hessisch-bayrischen Grenzgebiet nachgewiesen. Bis heute haben sich diese beiden Vorkommen nicht weiter ausbreiten können. Das hessische Umweltministerium schätzte ganz aktuell die Zahl der in Hessen lebenden Fischotter auf nur etwa 20 erwachsene Tiere.

Auch im benachbarten Thüringen, wo es deutlich mehr Otter gibt, sind die Bestände an einigen Gewässern, wie beispielsweise am Oberlauf der Werra, wieder rückläufig. Umso erfreulicher ist es, dass die scheuen Wassermarder nun auch den Weg in den Kreis gefunden haben. (Jörg Brauneis)

Fischotter ist Wildtier des Jahres 2021

Fischotter haben ein dunkelbraunes Fell, das sehr dicht und wasserabweisend ist. Der Körper ist langgestreckt und schlank bei einer Körperlänge bis zu 140 cm, wovon auf den runden, spitz endenden Schwanz bis zu 50 cm entfallen. Er kann bis 16 Jahre alt werden. Das Körpergewicht liegt zwischen fünf und zwölf Kilo, Weibchen sind deutlich leichter. Ohren und Augen sind sehr klein, sie haben auffällige Tasthaare am Maul, Backen, Augen und Vorderbeinen, die dem Otter die Fischjagd auch in trübem Wasser ermöglichen.

Die je fünf Zehen der Vorder- und Hinterfüße sind durch Schwimmhäute miteinander verbunden. Die Tiere leben einzelgängerisch und sind nachtaktiv. Zu ihrem Lebensraum gehören Uferbereiche naturnaher Gewässer, wobei das Streifgebiet eines Otters mehrere Kilometer umfasst. Ihre Nahrung besteht aus Fischen, Krebsen, Wasservögeln und deren Gelege, Mäusen und Bisamratten, aber auch Muscheln und großen Insekten.

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