Gestern war der Tag des Nichtstuns t

Der Tag des Müßiggangs kommt aus den USA und ist gerade jetzt eine Chance

Nicht arbeitsscheu, sondern ganz offiziell bequem dürfen es sich alle am Tag des Nichtstun machen. Der Feiertag am 16. Januar ist vor allem in den USA bekannt, aber auch bei uns hat der Tag des Müßiggangs geschlagen.
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Nicht arbeitsscheu, sondern ganz offiziell bequem dürfen es sich alle am Tag des Nichtstun machen. Der Feiertag am 16. Januar ist vor allem in den USA bekannt, aber auch bei uns hat der Tag des Müßiggangs geschlagen.

Am Samstag war der Tag des Nichtstuns. In den Vereinigten Staaten ist er sogar ein Feiertag, an dem einige Vorgesetzte dem landesweiten nicht ganz offiziellen Feiertag folgen und ihren Angestellten für den Tag freigeben.

Werra-Meißner - Was der Nichtstun-Tag mit der Coronakrise zu tun hat und warum er eine ungeahnte Chance ist, weiß der Mediziner Martin von Hagen, ärztlicher Leiter für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Werra-Meißner.

Doch gleich zu Anfang erst einmal zum Ursprung dieses kuriosen und in Deutschland beinahe unbekannten Feiertages. Eingeführt hatte ihn der amerikanische Journalist Harold Pullman Coffin, der ihn am 16. Januar 1973 zum ersten Mal ausrief. Zwar nie bestätigt, aber hartnäckig gehalten hat sich die Überlieferung, dass Coffin die vielen Feiertage missfielen und er einen Tag einführen wollte, an dem man die Seele baumeln lassen und nichts tun musste. Damals als Wohltat empfunden, führt heute das pandemiebedingte Nichtstun des Coronajahres bei vielen Menschen zu Verdruss.

Chance für Körper und Geist

Dabei stecke gerade im Nichtstun eine enorme Chance für Körper und Geist, findet Martin von Hagen. Er gibt dem Nichtstun jedoch erst einmal einen neuen Namen. „Nichtstun ist ja schon negativ behaftet, also könnte man auch stattdessen Achtsamkeit sagen“, sagt der Mediziner. Nichtstun, heiße Pausen einlegen, und diese könnten effektiv genutzt werden, so von Hagen. „Dann kann man über das bisherige Verhalten nachdenken und überlegen, was einem bisher gutgetan hat und was nicht.“

Die Veränderungen, die jeder daraus ziehe, beeinflussten das Wohlbefinden massiv. „Und das zeigt uns eben auch gerade die Pandemie, dass wir nicht weitermachen können wie bisher“, so von Hagen weiter. Das gehe bei umweltpolitischen Themen los und münde auch in den privaten Bereich jedes Einzelnen. „Wenn ich zum Beispiel jeden Tag mit Kopfschmerzen aufwache, dann muss ich mich eben selbst reflektieren, um die Ursache zu finden.“

Innehalten und Verhaltensstrukturen überdenken

Am Tag des Nichtstuns rät von Hagen deshalb, das Mehr an Zeit zu nutzen, zu dem uns die Pandemie gerade zwingt. „Innezuhalten und Verhaltensstrukturen neu überdenken“, so von Hagen.

„Aber ich bin kein Fan von Feiertagen, muss ich sagen, weil danach gehen doch die meisten zur Tagesordnung über“, fügt der Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie hinzu. Dabei sei das gerade der falsche Weg, sowohl persönlich als auch in der Krise, weiß von Hagen.

Der Arzt zieht aus der Therapie Rückschlüsse auf die Pandemie. „Wenn ein Patient eine Erkrankung hat, dann versucht der Therapeut, den Patienten zur liebevollen Annahme der erkrankten Körperregion zu bewegen. Und eine Krise wie die Corona-Pandemie ist wie eine Erkrankung. Nur wenn wir die Situation annehmen und achtsam sind, erlangen wir Wohlbefinden.“ Verweilen und damit sich und das eigene Umfeld annehmen und akzeptieren, dafür seien die durch die Pandemie aufgezwungenen Pausen und das Nichtstun genau das Richtige, schlussfolgert der Arzt.

Einen Tipp für aktive Nichtstuer oder solche, die es werden wollen, hat von Hagen noch: Er setzt auf Meditation und autogenes Training, damit es auch mit dem Nichtstun klappt und wir uns alle ganz bewusst zurücklehnen können – am offiziellen Tag des Nichtstuns.

Von Kim Hornickel

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