Der Traum vom Modellhaus lebt

Petra Strauß führt den Förderkreis Botanischer Garten mit viel Engagement

Am Eingang von der Rosengasse: Petra Strauß lädt auch an den kalten Wintertagen zu einem informativen Rundgang in den Botanischen Garten ein.
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Am Eingang von der Rosengasse: Petra Strauß lädt auch an den kalten Wintertagen zu einem informativen Rundgang in den Botanischen Garten ein.

Wenn es um den Botanischen Garten in Eschwege geht, dann ist Petra Strauß nicht weit weg. Wir stellen sie vor.

Eschwege – Botanik ist bekanntlich die Lehre und Wissenschaft von Pflanzen. Für Petra Strauß, die 2016 mit viel Enthusiasmus den Vorsitz vom Förderkreis des Botanischen Gartens in Eschwege übernommen hat, drückt diese Darstellung aber nur einen verschwindend kleinen Teil der 25 000 Quadratmeter großen Parkanlage aus.

Genau hier beginnt ihre intensive Arbeit, die einerseits von zukunftsträchtigen Visionen und andererseits von facettenreichen Ideen geprägt ist.

„Ich denke, richtig fertig wird der Botanische Garten nie, weil unsere Inspiration ständig neue Funken sendet“, erklärt die Vorsitzende und beleuchtet die Anfänge: „Der Botanische Garten ist aus der ehemaligen Gärtnerei Pflug entstanden und wurde 1957 von der Stadt erworben.“ Petra Strauß lobt besonders den Biologielehrer Dr. Sauer, „der damals exotische Bäume anpflanzte und somit das Fundament für den weiteren Weg gelegt hat“.

Förderkreis seit 2002

In jüngerer Zeit sei an ursprüngliche Ideen angeknüpft worden, auch die zusätzliche Gestaltung des Geländes habe, so Strauß, Fahrt aufgenommen: „Mit der Gründung des Förderkreises im Jahr 2002 unter Federführung von Karl-Heinz Reyer begann die ausführliche Bestandsaufnahme der Gehölze. Und weiteres Kennzeichen besonderer Aktivitäten war die Anlage einer naturnahen Spiel- und Abenteuerfläche für Kinder und Jugendliche“, so das Gründungsmitglied Petra Strauß.

Ihr Aufbruch zu neuen Ufern stieß prompt auf Anerkennung: „Ich wollte den Park auch für öffentliche Veranstaltungen attraktiver machen, um Natur und Kultur enger zu verknüpfen“, blickt sie auf das Gartenfest, das sich unter dem Motto „Herbstzauber“ längst im Veranstaltungskalender der Stadt etabliert hat.

„Wir wollten zunächst gärtnerisch Interessierte ansprechen, aber nach nun schon sieben Events finden sich auch Handwerk, Kulinarisches, Fachvorträge und Auftritte von regionalen Gruppen auf der Naturbühne wieder“, macht die Hotelfachfrau und Steuergehilfin beim WR-Gespräch deutlich, dass der „Herbstzauber“ auch eine gute Gelegenheit ist, um Werbung für die rund 150 Mitglieder zu betreiben.

Darüber hinaus koordiniert die Vorsitzende auch das permanent erweiterte Sommerprogramm, das bei Familiengottesdiensten und Lyrik im Park beginnt und über Picknick im Grünen bis hin zu Yogakursen reicht und sich als Anlaufstelle für Jung und Alt zunehmend erfolgreich entwickelt hat.

Bildungsort schaffen

Neben Erholung, Bewegungs- und Erlebnisraum haben Strauß und der Vorstand Visionen. „Wir wollen einen Bildungsort schaffen, der Einblick in Naturzusammenhänge gewährt. Wörtlich: Klimawandel und der Verlust an Naturvielfalt verlangen ein anderes Verhältnis. Und den Umgang mit Natur kann man nur mit der Natur lernen.“

Kulinarisch wird es mit der Idee „Essbare Stadt“. Das Konzept des Urobstgartens wurde auf Einladung von Strauß den Vertretern des Imker- sowie Obst- und Gartenbauvereins, vom BUND, des Baubetriebshofes und dem städtischen Naturschutzbeauftragten vorgestellt: „Mit den Mitteln aus einem Spendenmarathon entstand 2018 der Urobstgarten. Naschobst wie Erd- und Johannisbeeren, Kirschen, Äpfel, Birnen, Aprikosen und Zwetschgen wurden gepflanzt, wobei der Garten für alle da ist“, sagt Petra Strauß.

„Deshalb haben wir die Nähe zum Naturspielplatz gewählt. Es fehlt noch ein Hinweis zur Nutzung, viele Besucher glauben, dass es sich hier um einen privaten Garten handelt, aber es sollen sich ja alle bedienen.“

Mehrere Infotafeln

Dazu passt der kleine Küchenkräutergarten mit Insektenhotel Am Stadtgraben. Minze, Fenchel oder Thymian können für den Eigenbedarf geerntet werden. „Wir wollten zeigen, dass es nicht schwer ist, insektenfreundliche Bedingungen im eigenen Garten oder auf dem Balkon zu schaffen. Die pädagogische Ausrichtung wird auch auf Informationstafeln an den Eingängen sichtbar.“

Die Kooperation mit der Humboldt-Schule drückt sich in 6000 von den Kindern gepflanzten Blumenzwiebeln aus. Petra Strauß: „In der AG Naturkids gingen Schüler unter unserer Anleitung auf Entdeckungstour im Park und lernten dabei viel über heimische Vögel. Und um die Pflanzenvielfalt zu erhöhen, ist es mir gelungen, die beim Umbau der Stadthalle ausgegrabenen Rhododendren zu retten, zusammen mit weiteren Pflanzen konnte folglich das erste Blumenbeet im Park gestaltet werden.“

Viele Spender helfen

Beim 2020 entstandenen Staudenhügelbeet, das die sinnvolle Nutzung von Erdmassen vorsieht, kommt es zur Zusammenarbeit mit der Firma Knigge, die ein Praxisprojekt mit vier Auszubildenden angeboten hat. Petra Strauß: „Die Öffentlichkeit und vor allem viele Spender bringen den Botanischen Garten mit meiner Person in Verbindung, weil sie wissen, dass etwas Positives mit ihrem Geld passiert.“

Dabei denkt die Vorsitzende unter anderem an einen Bauunternehmer, „der einen Kugel-Ahorn-Baum ausgegraben und mit schwerem Gerät selber bei uns im Garten wieder eingepflanzt hat“.

Ein Ziel, den Bau eines Botanikhauses, verfolgt Strauß mithilfe der Stadt: „Das würde die Attraktivität erhöhen, den Tourismus stärken und mit der Fassadenbegrünung könnte es gar ein Modellhaus werden. Ich stelle mir dort außerschulischen Unterricht, Sternenguckernächte, Kräuterküche, Familientage oder Lesungen vor.“ (Harald Triller)

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