Der Weg ist das Ziel

Selbstversuch: Sind täglich 8000 Schritte gehen mit Vollzeitjob möglich?

Schritte zählen per Smartphone: HNA-Volontärin Natascha Terjung nahm an der Schritte-Challenge des Gesunden Werra-Meißner-Kreises (GMWK) teil.
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Schritte zählen per Smartphone: HNA-Volontärin Natascha Terjung nahm an der Schritte-Challenge des Gesunden Werra-Meißner-Kreises (GMWK) teil.

Im Selbstversuch hat HNA-Volontärin Natascha Terjung getestet, ob sie jeden Tag 8000 Schritte schafft.

Witzenhausen – Nur das leise Rascheln der Bäume ist zu hören. Sonnenstrahlen zeichnen Linien kreuz und quer auf den Boden und während sich meine Schuhe immer wieder in den staubigen Boden drücken, wärmt die Spätsommer-Sonne meinen Rücken. Neben mir höre ich das sanfte Traben meines vierbeinigen Begleiters. Irgendwann vergesse ich, wie lange ich schon laufe – alles wird langsamer.

„Na, wo kommt ihr denn her?“, ruft jemand. Ich treffe den Vater einer langjährigen Freundin und wir unterhalten uns eine Weile. Wieder zuhause angekommen bemerke ich, dass ich fast zwei Stunden unterwegs war, um mein Schrittziel zu erreichen. Bereut habe ich es nicht.

Zwei Wochen lang habe ich versucht, jeden Tag mindestens 8000 Schritte zu gehen und mich gefragt, wie das mit einem Vollzeitjob zu schaffen ist. Anlass dafür war die Schritte-Challenge zum Cherry-Man vom Gesunden Werra-Meißner-Kreis (GMWK) und den Stadtwerken Witzenhausen. Mindestens 8000 Schritte sollten dabei jeden Tag absolviert werden. Jeder Teilnehmer bekam eine Starternummer, eine Gürteltasche fürs Smartphone, das die Schritte zählt, und einen Gutschein für einen Vital-Check bei der BKK Werra-Meißner. Diesen durfte ich schon vorher machen.

Die Vorbereitung

Bei einem Vital-Check werden die Fett- und Muskelwerte im Körper ausgewertet. Dass meine Fett-Werte nicht besonders gut sein würden, wusste ich schon. Doch bei meinem Termin bei der BKK in Eschwege wurde ich mit der harten Realität konfrontiert. Der Idealwert für den Anteil an Körperfett für eine Frau in meinem Alter (32) liegt zwischen 11 und 18 Prozent. Mein Wert lag deutlich darüber. Positives gab es aber trotzdem, denn die Qualität meiner Muskulatur liegt im Idealbereich. Wie kommen diese Messwerte zustande?

Ein Vital-Check ist eine BIAmessung, erklärt Luisa Schmidt, Ernährungsberaterin bei der BKK Werra-Meißner. Dabei wird Strom vom Fuß und der Hand derselben Körperseite durch den Körper geleitet. Da die verschiedenen Gewebearten des Körpers Strom unterschiedlich gut leiten, kann eine Unterteilung von Fett, Muskeln und Wasser festgestellt werden. Mithilfe des Gewichts, der Körpergröße, des Alters und Geschlechts wird die jeweilige Auswertung dann mit Referenzwerten verglichen.

„Mit dem Vital-Check kann ich die Menschen motivieren, etwas zu verändern“. sagt Schmidt. Denn zu viel Fett im Körper könne Entzündungen hervorrufen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkankungen steige.

Die Challenge

Nach dem Vital-Check war ich motiviert, aber auch nachdenklich. Ich habe in meiner Jugend und während des Studiums immer Sport gemacht. In den vergangenen Jahren hatte ich dafür aber immer weniger Zeit und das wirkte sich auch auf mein Gewicht aus. So startete ich meine Schritte-Challenge mit dem Willen, etwas zu verändern.

An meinem ersten Schritte-Zähl-Wochenende war es nicht so schwer, 8000 Schritte zu erreichen. Schließlich zählen auch die Schritte beim Shopping, oder? Ein Waldspaziergang mit dem Hund meiner Eltern oder mit der Freundin und einem Eis in der Hand halfen dabei, mein Ziel zu erreichen. Trotzdem entspannte ich mich am ersten Sonntagabend meiner Challenge-Woche in einem heißen Bad und dachte darüber nach, wie ich das in einer normalen Woche mit 40 Arbeitsstunden schaffen sollte.

Ab da hatte ich mein Smartphone immer in der Hosentasche. Ich hatte mir vorgenommen, morgens vor der Arbeit schon laufen zu gehen. Doch unter dem wiederkehrenden morgendlichen Motto „schnell, schnell, schnell“ und einer 40-minütigen Fahrt zur Arbeit habe ich das nicht geschafft.

So ging ich also in jeder Mittagspause etwa 15 Minuten in Witzenhausen spazieren. Manchmal hatte ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich plötzlich aus der gemeinsamen Mittagspause mit den Kollegen nach draußen stürmte. 3000 bis 4000 Schritte schaffte ich meistens bis zum Feierabend. Die restlichen Schritte ging ich zuhause, oft mit Freunden oder meinem Bruder.

Beim Laufen kam ich runter, gestresst fühlte ich mich aber trotzdem manchmal – Einkaufen und der Haushalt müssen ja auch noch sein. Aber: Das Laufen tat gut. Ich hatte das Gefühl, ich arbeite schneller und es fällt mir immer leichter, die 8000 Schritte zu gehen.

Was hat’s gebracht?

Insgesamt 134 753 Schritte bin ich in den zwei Wochen gelaufen. Hätte ich auch beim Handballtraining dienstags und donnerstags noch zählen können – mit dem Smartphone eher schwierig – wären es noch mehr gewesen.

An den Wochenenden war es nicht schwer, mein Ziel zu erreichen. Meistens habe ich sogar mehr als 8000 Schritte geschafft. In der Woche ist es eine Frage der Organisation. Da kann es schnell stressig werden. Trotzdem war die Challenge hilfreich.

Nach etwa einer Woche hatte ich das Gefühl, beim Gehen nicht mehr so schnell aus der Puste zu kommen, und ich konnte mich bei der Arbeit besser konzentrieren. Motivierend war vor allem der Vital-Check und das Wissen, dass noch 41 weitere Menschen an der Challenge teilgenommen haben. (ter)

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