Lebensstein für den Wichtel-Vater

Der Werratalverein Reichensachsen erinnert an Gründer Friedrich Wienesen

Setzten sich für die Erinnerung an den Mitbegründer des Werratalvereins ein: (von links) Bernd Eisenberg, Bernd Schubert, Wilfried Haase und Reinhardt Siegel, neben dem Gedenkstein Friedrich Wienesens.
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Setzten sich für die Erinnerung an den Mitbegründer des Werratalvereins ein: (von links) Bernd Eisenberg, Bernd Schubert, Wilfried Haase und Reinhardt Siegel, neben dem Gedenkstein Friedrich Wienesens.

Vor gut 90 Jahren gründete Friedrich Wienesen die Wichtelbrunnenanlage des Werratalvereins Reichensachsen. Vier Männer des Vereins haben jetzt sein Andenken bewahrt.

Reichensachsen – 90 Jahre steht die 15 Meter hohe Linde schon hinter dem Vereinshäuschen am Wichtelbrunnen in Reichensachsen. 91 Jahre ist es her, dass der Gründer der Wichtelbrunnenanlage starb. Ihm zu Ehren wurde die Gedächtnislinde gepflanzt und in diesem Jahr sollte an den ehemaligen Vorsitzenden des Werratalvereins Reichensachsen, am 17. März, erinnert werden. Wie alle Veranstaltungen in diesem Jahr musste der Vorstand den Ehrentag für Friedrich Wienesen aber aufgrund der Corona-Pandemie absagen. „Wir möchten ihm aber trotzdem gedenken“, sagt Wilfried Hase, Ehrenvorsitzender des Werratalvereins. Deshalb hat der 86-Jährige die wichtigsten Stationen aus Friedrich Wienesens Leben zusammengefasst.

Der 1858 in Gerstungen geborene Wienesen lebte in jungen Jahren in Grebenstein und wurde später Angestellter der Postdirektion Kassel, die ihn 1880 nach Reichensachsen versetzte. Zwölf Jahre später entschied Wienesen, nach unzähligen Streifzügen durch die Wälder rund um Eschwege, den Werratalverein ins Leben zu rufen. Baron von Boyneburg übernahm den Vorsitz und der Werratalverein Boyneburg war geboren. Als Wienesen dann bei einem Spaziergang über den Spitzenberg eine sprudelnde Quelle entdeckte, baute der Wandervater dort die erste Schutzhütte des Vereins – den Wichtelbrunnen.

„In den Brunnen bin ich als Kind gefallen“, erinnert sich Vereinsmitglied Reinhardt Siegel. „Und dann ist später auch mein Sohn reingefallen“, erzählt Siegel und muss lachen. In das Wasser des Brunnens tauchen die Reichensächser aber nicht nur unfreiwillig ein, denn noch vor einigen Jahren wurden Taufen an der Quelle veranstaltet.

Auf dem Grillplatz neben der Hütte treffen sich auch heute noch Wandergruppen und vor der Coronapandemie gab es zweimal im Monat Kaffee und Kuchen in 330 Metern Höhe.

Immer ganz nah bei seinem Lebenswerk und am Wanderweg in Richtung Annas Ruh hat der Werratalverein den Gedenkstein für seinen Mitbegründer gesetzt. Die Inschrift auf dem grauen Stein, der ursprünglich auf dem Grab Wienesens stand, zeigt das Konterfei und die Lebensdaten des Wandervaters. „Den Stein haben wir in diesem Jahr gereinigt und das Bild von Wienesen angebracht“, erklärt Bernd Eisenberg, Vorsitzender des Werratalvereins Reichensachsen. Als Nächstes muss die alte Linde gleich neben dem Gedenkstein gesichert werden. „Die Baumkrone teilt sich und da muss jetzt eine Sicherung drum herum“, erklärt Vereinsmitglied Reinhardt Siegel.

Friedrich Wienesen vor seinem Haus 1924 an der Landstraße 38 in Reichensachsen.

Die Erinnerung an Friedrich Wienesen will der Verein auch über 90 Jahre nach dessen Tod weiter erhalten. Reinhardt Siegel verbindet sogar eine ganz persönliche Besonderheit mit dem Gründer. „Ich wohne in dem Haus, in dem Wienesen auch einmal gelebt hat“, sagt Siegel begeistert.

Die Reichensächser wollen die Erinnerung an Friedrich Wienesen weiter wachhalten und warten auf das Ende der Pandemie. „Dann holen wir die Feier nach“, bekräftigt Ehrenmitglied Wilfried Haase. (Kim Hornickel)

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