BLICKPUNKT WERRA-MEISSNER Impfungen für Kinder zwischen fünf und elf

„Der Wunsch der Eltern ist da“ - Impfung der fünf- bis zwölfjährigen hat begonnen

Schutz für die Kleinen: Ein Kinderarzt impft ein siebenjähriges Mädchen gegen das Covid-19-Virus. Die Nachfrage nach den U12-Impfungen ist bereits groß.
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Schutz für die Kleinen: Ein Kinderarzt impft ein siebenjähriges Mädchen gegen das Covid-19-Virus. Die Nachfrage nach den U12-Impfungen ist bereits groß.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat die Impfung von Kindern zwischen fünf und elf Jahren gegen Covid-19 seit dem 13. Dezember freigeben. Im Moment ist die Nachfrage groß.

Werra-Meißner – Das Coronavirus macht vor keinem Alter halt. „Wir haben Coronafälle vom Säugling bis zum Jugendlichen“, so der Eschweger Kinderarzt Dr. Florian Peters. „Eine Impfung macht Sinn“, sagt er zu der seit Anfang der Woche freigegebenen Impfung für nun auch jüngere Kindern zwischen fünf und elf Jahren.

Am vergangenen Mittwoch hat er die ersten elf Kinder in seiner Praxis geimpft – mit dem Impfstoff von Biontech. Und im Moment erlebe die Impfkampagne für Kinder einen hohen Zulauf. „Der Wunsch der Eltern, ihre Kinder jetzt gegen Corona impfen zu lassen, ist da“, sagt der Arzt. „Mal schauen, wie lange das anhält.“

Warteliste für 200 Kinder

Seit der Freigabe des Impfstoffes für die jungen Kinder Anfang der Woche hat sich bei der Eschweger Kinderarztpraxis bereits eine stattliche Warteliste gebildet. 200 Eltern hatten bis Donnerstag bei der Praxis telefonisch oder online über die Webseite ihre Kinder für eine Impfung angemeldet.

Auch bei den Hausärzten am Bahnhof in Eschwege trudeln immer mehr Anfragen für Kinderimpfungen gegen Covid-19 ein. Wie Kinderarzt Dr. Philipp Siebrasse mitteilt, hat auch seine Praxis eine Warteliste angelegt, auf der bereits 30 Kinder stehen.

Eltern erhalten umfangreiches Aufklärungsgespräch

Zuerst folgen nun Aufklärungsgespräche mit den Eltern, ab Januar starten dort dann die Impfungen – prioritär bei Kindern mit Vorerkrankungen. Anfragen gebe es aber auch von Eltern, deren Kinder keine Vorerkrankungen haben.

Impfung wird gut vertragen

Was mögliche Nebenwirkung der Impfung betrifft – verimpft wird ein Drittel der üblichen Dosis – ist Dr. Peters gelassen. „Bei den Zwölf- bis 18-Jährigen wurde die Impfung gut vertragen und wir erwarten auch bei den jüngeren Kindern nicht, dass wir mit anderen Dingen überrascht werden.“

KV rät zu Impfungen bei Kinderärzten

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) hingegen hält Massenimpfungen für Kinder über Impfzentren angesichts der gebotenen Priorisierung für nicht machbar, so Karl Roth, Sprecher der KV. „Die Impfungen gehören in die Praxen der niedergelassenen Kinderärzte.“ Neben vielen Eltern, die sich sofort für eine Impfung zum Schutz ihrer Kinder gemeldet haben, gibt es aber auch jene, die gegenüber den Coronaimpfstoffen noch unsicher oder gar skeptisch sind. Daher rät die KV grundsätzlich zu einer Beratung durch diejenigen, die die Kinder am besten kennen: die niedergelassenen Kinderärzte. „Dort sind die Eltern auch in dieser Frage in den besten Händen. Nach allem, was wir derzeit wissen, sind Krankheitsverläufe bei Kindern überwiegend mild. Trotzdem ist es wichtig, gerade vorerkrankte Kinder zu schützen.“ Ob Omikron zu neuen Erkenntnissen und Empfehlungen führt, müsse abgewartet werden.

Was die Verfügbarkeit des Impfstoffes angeht, sagt Peters, dass die von ihm bestellten fünf Flaschen auch planmäßig geliefert worden seien. Der nächste Impfstoff sei für Anfang des Jahres geordert – dann werde weitergeimpft. (Stefanie Salzmann und Jessica Sippel)

Long Covid und PIMS - ein Amoklauf des Immunsystems

Dass die Krankheitsverläufe bei Kindern bei einer Infektion mit Covid-19 in der Regel relativ mild sind, darüber sind sich – zumindest nach bisherigem Stand – die Mediziner einig. Dennoch behandeln die Kinderstationen in den Kliniken reihenweise Kinder und Jugendliche. Doch die haben die eigentliche Coronainfektion bereits hinter sich und müssen dennoch stationär behandelt werden. Die Diagnose lautet PIMS.

PIMS kommt nach Corona

Die Abkürzung steht für Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome. Dieses Syndrom tritt in aller Regel drei bis vier Wochen nach der eigentlichen Coronainfektion auf – unabhängig davon, ob die Kinder in der akuten Phase Symptome hatten oder nicht. „Diesen Kindern geht es richtig schlecht und die sind sehr krank“, beschreibt eine Kinderkrankenschwester den Zustand vieler ihrer kindlicher Patienten. „Plötzlich extrem hohes Fieber, Ausschlag und nicht selten einen sehr niedrigen Blutdruck – das ist das Bild, mit dem die Kinder bei uns in der Notaufnahme ankommen“, sagt die Schwester. „Das ist eine Art überschießende Reaktion des Immunsystems auf das Virus und kann alles Organe und Systeme von der Niere bis zum Herz-KreislaufSystem betreffen.“

Sie erzählt von einem zwölfjährigen Mädchen, das vier Wochen nach einer symptomlos verlaufenen Covid-19-Infektion in das Klinikum eingeliefert wurde. Bei dem Kind wird PIMS diagnostiziert, in ihrem Fall mit einer aufsteigenden Lähmung, das Mädchen ist inkontinent. Behandelt wird sie mit einer langwierigen Cortisontherapie.

Ein Elfjähriger erkrankt noch während der akuten Infektion an einer Gehirnentzündung, bekommt epileptische Anfälle und ist halbseitig gelähmt. Ebenso ein sechsjähriger Junge, der ebenfalls nach einer Infektion hohes Fieber, epileptische Anfälle und Lähmungen bekam. Ein neun Monate altes Baby mit schweren Vorerkrankungen stirbt, Monate vorher hatte es Corona, das seine Lunge extrem geschädigt hatte.

Behandlung mit Cortison und Immunglobulinen

Behandelt werden die Kinder mit PIMS in der Regel dann mit Cortison und Immunglobulinen, einem aus Eiweiß bestehenden Antikörper, der im Blut zirkuliert.

Die Kinderkrankenschwester schildert aber auch die Tortur des Krankenhausaufenthaltes für die Kinder. Diese müssen wegen der weiteren möglichen Infektionsgefahr in Isolierzimmern untergebracht werden. „Wenn wir da mit Kittel, Haube, Schutzbrille, Maske und zwei Paar Handschuhen reingehen, weinen viele Kinder vor Angst.“

Oft seien Coronainfektionen bei den Kindern aber auch Zufallsbefunde in den Kliniken. „Ein Kind kommt mit gebrochenem Arm, der Test bei der Aufnahme ist positiv“, erzählt die Pflegerin. „Dann kommt ein enormer Organisationsaufwand auf die Stationen zu.“ Das alles koste viel Zeit und Kraft. (Stefanie Salzmann)

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