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Die Brummis rollen trotz Ortsumgehung weiter durch Frieda

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Von: Stefanie Salzmann

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Längst nicht alle nutzen sie: Die Ortsumgehung Frieda. 6000 Fahrezueg, davon 1000 Lkw fahren hier täglich.
Längst nicht alle nutzen sie: Die Ortsumgehung Frieda. Ingeborg Wiegand ist Anwohnerin der Leipziger Straße, wo weiterhin täglich die Brummis durchs Dorf donnern. © Stefanie Salzmann

Seit sieben Jahren gibt es um Frieda eine Ortsumgehungsstraße. Der Durchgangsverkehr hat sich zwar verringert, dennoch rollen immer noch reichlich Lkw und Pkw durchs Dorf. Eine Tempo-30-Zone wird bisher von den Behörden abgelehnt.

Frieda – Altes Thema, neuer Frust: der Schwerlastverkehr auf der Ortsdurchfahrt in Frieda. Seit der Inbetriebnahme der Ortsumgehung der B 249 vor inzwischen sieben Jahren hat der Durchgangsverkehr zwar deutlich abgenommen, dennoch donnern Lkw durch die Leipziger Straße. Viele Eichsfelder Kennzeichen finden sich an den Autos, die sich ebenfalls die 900 Meter Umweg über die Umgehungsstraße sparen und den direkten Weg durchs Dorf weiterhin bevorzugen.

Wenn hier ein Lkw langfährt, wirds in meinem Haus dunkel und ich könnte dem Beifahrer des Lasters durchs Fenster einen Kaffee reichen.

Ingeborg Wiegand Anwohnerin

„Wenn hier ein Lkw langfährt, wirds in meinem Haus dunkel und ich könnte dem Beifahrer des Lasters durchs Fenster einen Kaffee reichen“, schildert Ingeborg Wiegand die Situation. Die 76-Jährige ist im Sommer vorigen Jahres gemeinsam mit ihrem Mann in das kleine Fachwerkhaus an der Friedaer Hauptstraße gezogen – in dem guten Glauben, dass Verkehr aufgrund der neuen Umgehungsstraße kein Thema mehr ist.

Verkehrsberuhigung laut Behörden ohne Rechtsgrundlage

Was für die alteingesessenen Anrainer der Leipziger Straße schon eine erhebliche Verbesserung gegenüber der Zeit vor dem Bau der Ortsumgehung ist, ist für Ingeborg Wiegand ein Schock und eine Belastung, mit dem sie sich nicht abfinden will. Daher hat sie an alle Behörden, Amtsträger und Entscheider gewandt – vom Ortsvorsteher über den Bürgermeister, Hessen Mobil, die Verkehrsbehörde des Kreises und inzwischen an die Landrätin selbst. Sie hat auf den Missstand wieder aufmerksam gemacht und eine alte Forderung der örtlichen Bürgerinitiative erneuert, dass sie Leipziger Straße doch wenigstens als Tempo-30-Zone ausgewiesen wird. Doch so wie alle, inklusive Bürgermeister und Gemeindevertretung, beißt sie bei den Behörden des Kreises und auch des Landes auf Granit.

Die Verkehrsbehörde des Kreises argumentiert damit, dass es für eine Tempo-30-Zone dort keine Rechtsgrundlage gebe, weil es sich um eine Durchgangsstraße handele und der Ausbauzustand gut sei. Ein Tempolimit sei nur für Gefahrenstellen zulässig. Landrätin Nicole Rathgeber ließ Ingeborg Wiegand im Februar dieses Jahres auf Anfrage wissen, dass der Kreis keine Möglichkeit sehe, den Schwerlastverkehr zu stoppen, es handele sich vermutlich um Ziel- und Quellverkehr der Firma Fridola.

Auch Meinhards Bürgermeister Gerhold Brill hat erst im März wieder einen Vorstoß beim hessischen Verkehrsministerium gemacht. Das erneuere in seiner Antwort in der vorigen Woche nur seine Sicht, dass Tempo 30 in einer vorfahrtsberechtigten Hauptstraße nicht zulässig ist – es sei denn, eine „qualifizierte Gefahrenlage“ läge vor. Zugleich gibt das Ministerium den Ball an den Kreis zurück.

Ortsumgehung kostete acht Millionen Euro

Die Leipziger Straße wurde 2015 mit Inbetriebnahme der Ortsumgehung, die acht Millionen Euro kostete, zur Gemeindestraße herabgestuft. „Ich würde ja einfach Tempo-30 Schilder aufstellen“, sagt der Bürgermeister. Aber der Kreis hat schon angekündigt, dass er diese dann umgehend wieder abreißen lassen würde, weil die gesetzliche Grundlage fehlt. (Stefanie Salzmann)

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