Gericht: Promille-Fahrer ist schuldig

„Die Frau hätte tot sein können!“

Bad Sooden-Allendorf. Die Frau hätte auch sterben können – so bewertete die Nebenklage den Fall einer 45-Jährigen aus Eltmannshausen, die im Juli 2013 nahe des Ausflugslokals Fischerstübchen unterhalb von Schloss Rothestein von einem betrunkenen Autofahrer aus Bad Sooden-Allendorf erfasst und schwer verletzt worden war. Beim Nachspiel vor dem Eschweger Amtsgericht kam der 54-Jährige gestern glimpflich davon.

Richterin Schmidt verurteilte den früheren Berufskraftfahrer wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung und fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 160 Tagessätzen á 10 Euro und ordnete nach knapp 17-monatigem Führerscheinentzug eine weitere dreimonatige Fahrerlaubnissperre an. Noch im Gerichtssaal wurde das Urteil rechtskräftig.

Mit seiner Entscheidung folgte das Gericht im Wesentlichen dem Plädoyer der Verteidigung und blieb deutlich unter dem gleichlautenden Strafantrag von Staatsanwaltschaft und Nebenklage. Die hatten eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, 120 Sozialstunden und einen zwölfmonatigen Führerscheinentzug gefordert.

Rückblende: An jenem Montagabend hatte sich der Angeklagte mit einem Bekannten im Ausflugslokal verabredet. Weil der nicht kam, setzte er sich nach etwa zwei Stunden ans Steuer seines VW Lupo. In dieser Zeit will er „zwei Bier und einen Schnaps, vielleicht auch etwas mehr“ getrunken haben. Nach etwa 200 Metern krachte es. Nach einer Radtour waren die 45-Jährige und zwei Freunde auf dem Rückweg in Richtung Kleinvach. Das Trio hielt kurz an, weil die Frau in der Dämmerung ein Foto machen wollte. Der Vollmond stand über Schloss Rothestein.

Offenbar, so ergab die Beweisaufnahme, hatte der Angeklagte mit 1,46 Promille Alkohol im Blut die Radfahrerin zu spät erkannt. Sie erlitt bei der Kollision ein Schädel-Hirn-Trauma, einen Beckenbruch, Quetschungen, Schnitt- und Schürfwunden, lag drei Wochen im Krankenhaus und musste in die Reha. „Moralisch fragwürdig“ empfand die Richterin das Verhalten des 54-Jährigen, der vor Gericht kein Wort der Entschuldigung für das Opfer fand und das Geschehen mit widerlegten Schilderungen klein zu reden versuchte. (zcc)

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