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Die klassizistische Kirche in Küchen von 1827

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Von: Kristin Weber

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Klein aber fein: Die klassizistische Kirche in Küchen von 1827 mit ihrer schlichten Sandstein-Optik wirkt auf das Wesentliche konzentriert.
Klein aber fein: Die klassizistische Kirche in Küchen von 1827 mit ihrer schlichten Sandstein-Optik wirkt auf das Wesentliche konzentriert. © Kristin Weber

47 Gotteshäuser der evangelischen Kirche gibt es im ehemaligen Kirchenkreis Witzenhausen. Jede Kirche hat mindestens eine spannende Geschichte zu erzählen. Heute: Küchen

Küchen – Das Besondere an der klassizistischen Kirche in Küchen erschließt sich auf den ersten Blick: Die Kirchenbänke sind in einem stufenförmig aufsteigenden Halbkreis um den Kanzelaltar herum angeordnet. Dadurch entsteht der Eindruck, wie in einem Hörsaal oder Amphitheater zu sein. Landesbaumeister Johann Friedrich Matthei (1790 - 1874) legte diese Sitzordnung nach reformiertem Verständnis als Predigtraum an. „Die Kanzel bildet dabei den Mittelpunkt“, erklärt Pfarrer Dirk Rehbein. „Die Gemeinde sammelt sich um diese herum.“

Ein weiterer großer Vorteil dieser Sitzordnung ist, dass der Raum in dieser kleinen, rechteckigen Kirche auf diese Weise optimal ausgenutzt wird. Bis zu 130 Personen können auf zwei Etagen sitzen und haben von allen Plätzen aus freien Blick auf die Kanzel. Den Bau ließ Matthei im Jahr 1827 errichten und wiederholte die Architektur 1829-30 in Stadthosbach und leicht abgewandelt in Oetmannshausen.

Der Platz im Inneren ist durch die Hörsaalartig ansteigenden Bankreihen optimal ausgenutzt worden.
Der Platz im Inneren ist durch die Hörsaalartig ansteigenden Bankreihen optimal ausgenutzt worden. © Kristin Weber

Die Kirche in Küchen steht an der Stelle, an der zuvor eine verfallene Holzkirche gestanden hatte – vermutlich aus Fachwerk. Das Dorf Küchen wird erstmals 1363 erwähnt, als es durch die Gebrüder von Kappel an ihren Schwager Heinrich von Hundelshausen verkauft wurde. Es bestand damals also schon und war landwirtschaftlich geprägt. Ab dem Jahr 1480 hatte das Kloster Germerode hier ein Gut und seit 1570 wurde die Kirchengemeinde von Harmuthsachsen aus betreut. Im Jahr 1827 wurde die neue Kirche dann als Sandsteinkubus errichtet.

Die Kanzel mit dem verkleideten Aufgang auf der einen und dem Pfarrstand auf der anderen Seite.
Die Kanzel mit dem verkleideten Aufgang auf der einen und dem Pfarrstand auf der anderen Seite. © Kristin Weber

Die Kanzel befindet sich an der Nordwand hinter dem Altar, wobei der Aufgang und der Pfarrstand symmetrisch mit Holz verkleidet sind. Das schlichte aber harmonische Bild wird unterstützt von den vier toskanischen Säulen, die die Empore tragen. In ihrer Mitte steht die Barockorgel von 1840, flankiert von zwei Säulen, die den Turm von der Innenseite stützen.

Der Turm befindet sich über dem Eingang in der Mitte. Die Glocken hingegen stammen aus 1927 und 1955. Über der Turmhaube zeigt die Wetterfahren das Datum der Erbauung. Eine Renovierung von Turm und Giebel dauerte von 1951 bis 1954. Innen wurde 1967 bei der Renovierung das Altarpodest entfernt, doch um die Jahrtausendwende mussten die Decke, der Turm und der gesamte Dachstuhl erneuert werden. Die Kirche wurde in diesem Zuge bis 2003 von Grund auf saniert. Sie erhielt einen neuen Fußboden, die Bankreihen wurden von fünf auf vier verringert und das Gestühl vom Holzwurm befreit.

Die Empore mit der Barockorgel von 1840.
Die Empore mit der Barockorgel von 1840. © Kristin Weber

Schließlich erhielt der Innenraum eine neue und helle Farbgebung. Besonders durch die großen Fenster wirkt er lichtdurchflutet.

„Küchen ist meine schönste Kirche“, sagt Pfarrer Rehbein. „Sie sieht schlicht aber edel aus, aufs Wichtigste konzentriert. Nur die Orgel hat keinen so guten Klang.“ Heutzutage gehört die Kirche nicht mehr zu Waldkappel, sondern zum Kirchspiel Walburg. Die Kirchengemeinde ist ein fester, aber nicht jünger werdender Teil des Dorfes. Die Konfirmanden hingegen gehen nach Laudenbach und Waldkappel.

Einmal im Monat findet der Gottesdienst noch in Küchen statt. Sogar während der Corona-Pandemie konnte man weiterhin den Kirchenraum nutzen, denn es war möglich, die wenigen Gottesdienstbesucher weit auseinanderzusetzen. „Trotz allem wird es schwierig sein, die Menschen nach Corona wieder zu erreichen“, befürchtet er. Und das findet er schade, denn mit der Kirche in Küchen haben sie ein echtes Schmuckstück.
(Kristin Weber)

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