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Ein fast vergessenes Handwerk im Witzenhäuser Heimatmuseum erleben

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Im Museum zu sehen: Schautisch mit Tabak und Essenzen für die Soße.
Im Museum zu sehen: Schautisch mit Tabak und Essenzen für die Soße. © Stefan Forbert

Heimatmuseen bergen alte Schätze aus der Region. Bei manchem Exponat wissen selbst die Betreiber nicht, was es damit auf sich hat. Wir stellen in loser Reihenfolge besondere Ausstellungsstücke vor.

Witzenhausen – Kautabak und Witzenhausen – wie passt das zusammen? Sehr gut, denn Kautabak hat in Witzenhausen eine lange Vergangenheit, wie Brigitte Bartsch von der Touristinformation in Witzenhausen berichtet.

Im 19. und 20. Jahrhundert war der Kautabak ein beliebtes Genussmittel vor allem bei Seeleuten, Bergmännern und Arbeitern. Die Bergleute konnten unter Tage nicht viel trinken, weshalb sie Kautabak, auch Priem genannt, benutzten, um ihren Mund feucht zu halten. Zudem deckten sie damit ihren Nikotinbedarf.

Hergestellt wurde der Kautabak unter anderem in der Kautabakmanufaktur Grimm & Triepel, die 1849 in Nordhausen durch Theodor Grimm gegründet wurde. Einige Jahre später stieg Adolf Triepel als Teilhaber und Mitnamensgeber in das Geschäft ein. Etwa 30 Jahre nach Gründung wurde die Kautabakfabrik von Otto Kruse erworben, der sie über Generationen in seiner Familie weitergab. In Deutschland war die Manufaktur der größte Hersteller von Kautabak mit in Hochzeiten rund 65 Millionen Packungen jährlich.

Durch Bomben im Zweiten Weltkrieg zerstört, wurde die Firma in der Zigarrenfiliale in Unterrieden durch Familie Kruse wieder aufgebaut. Witzenhausen wurde zum Hauptsitz der Grimm & Triepel Kruse Kautabak GmbH. Seit 1975 hielt sie die Stellung als Deutschlands ältester und einziger Hersteller von Priem, bis im Dezember 2016 die Produktion eingestellt wurde. Die Fabrik wird an das Allgäuer Unternehmen G.H. Tabakfabrik GmbH & Co. KG. verkauft.

Um die Tradition nicht gänzlich aussterben zu lassen, wurde am Standort Witzenhausen das Kautabakmuseum eingerichtet, in dem die Geschichte der Besitzer erzählt und die Geheimnisse um die Herstellung an einer Produktionsstätte ausgestellt werden.

Das Besondere am Kautabak ist die Soße, die dem Tabak den Geschmack und das Aroma verleiht. Sie ist das Geheimrezept in jeder Manufaktur und besteht aus mehr als 96 Zutaten. Für die Herstellung kommen nur nikotinstarke Tabakblätter in Frage, die in die Soße getaucht werden. Besonders beliebt ist der Kentucky Tabak aus Virginia oder der Toskana. Der Tabak wird anschließend mit Deckblättern bedeckt und gerollt, was im Fachjargon als „spinnen“ bezeichnet wird. Diesen anspruchsvollen Prozess kann jedoch nicht jeder durchführen. Danach wird der Kautabak drei bis sechs Monate abgehangen und zum Schluss in Stücke geteilt.

Obwohl es der Name vermuten lässt, wird Kautabak nicht wirklich gekaut, sondern für etwa 20 Minuten in die Wange gelegt. Dort entfaltet sich ein Geschmack von Pflaume, Lakritze, Menthol oder Rosine.

Damals war es üblich, Tabak auf diese Art zu konsumieren, anstatt ihn zu rauchen. (Isabell Füllgraf)

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