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Die Pandemie stellt Mütter vor neue Herausforderungen

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Von: Hannah Köllen

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Sind für Mütter auch in der Corona-Zeit da: Birgit Elbracht und Gudrun Lang von der Evangelischen Familienbildungsstätte (FBS) in Eschwege.
Sind für Mütter auch in der Corona-Zeit da: Birgit Elbracht und Gudrun Lang von der Evangelischen Familienbildungsstätte (FBS) in Eschwege. © HANNAH KÖLLEN

„Darf mein Mann mit in den Kreißsaal? Das war auf der Suche nach einer Geburtsklinik immer unsere erste Frage“, berichtet Stefanie Müller aus Eschwege.

Werra-Meißner – Sie bekam vor acht Monaten ihr erstes Kind, die Schwangerschaft lag mitten im langen Lockdown im vergangenen Jahr. Der Geburtsvorbereitungskurs, Kontakt zu anderen Schwangeren – all das fand nur online statt.

Letzten Endes durfte ihr Mann sie bei der Geburt begleiten. Doch Besuch im Wochenbett durfte die Eschwegerin nicht empfangen, und auch heute noch hält sie den Personenkreis, mit dem sie sich trifft, sehr klein.

Babymassage, Singkurse, Rückbildungsgymnastik: An all diesen Kursen nahm die frischgebackene Mama zunächst lediglich zuhause vom Computer aus teil. „Sich mit anderen Müttern über Ängste, Gefühle und Fragen auszutauschen blieb da natürlich auf der Strecke“, berichtet Müller. Bis heute sei jede Aktivität, jeder Gang zum Supermarkt, ein Abwägen. Denn ihr mittlerweile acht Monate alter Sohn ist ungeschützt, da ungeimpft. „Aus meinem Geburtsvorbereitungskurs hatten mittlerweile bereits fünf Babys Corona. Einige von ihnen waren sogar im Krankenhaus“, berichtet Müller.

Angespannte Situation für Eltern

„Viele Eltern isolieren sich aus Angst. Die Situation ist sehr angespannt“, sagt Birgit Elbracht, stellvertretende Leiterin der Evangelischen Familienbildungsstätte (FBS) in Eschwege. All das sei für die Mütter sehr anstrengend, sagt Gudrun Lang, Leiterin der Familienbildungsstätte. „Man muss ständig abwägen und Entscheidungen treffen – noch häufiger als früher.“

Stefanie Müller und ihr Sohn Bastian sind jetzt beim Babyschwimmen angemeldet. „Die Kurse sind total überlaufen, weil sie so lange ausgefallen sind.“ In den Kursen habe sie bisher noch nie einen Vater mit Kind entdeckt. „Dabei richten sich unsere Kurse nicht nur an Mütter, sie sind offen für alle“, betont Gudrun Lang.

In Vor-Corona-Zeiten hätten täglich rund 30 Mütter mit ihren Babys die Angebote der Familienbildungsstätte genutzt, sagt Birgit Elbracht. Durch Corona hätten sie auch viele Online-Kurse in ihrem Angebot aufgenommen. Diese seien aber nicht auf große Resonanz gestoßen, sagt Lang. Auch das Beratungstelefon, das sie im Zuge der Pandemie eingeführt haben, sei nicht angenommen worden. Daraus solle man aber nicht die falschen Schlüsse ziehen, sagt Lang. „Vielleicht war der Wunsch nach Beratung da, aber die Hemmschwelle zu hoch, zum Hörer zu greifen.“

Mütter haben mehr Sorgearbeit geleistet

Stefanie Müller hofft, dass sich die Pandemie nicht negativ auf die Entwicklung ihres Sohnes auswirkt. „Durch Corona ist für die Kinder ein großes soziales Lernfeld weggebrochen“, weiß Elbracht.

Die junge Mutter Müller ist nach der Geburt direkt wieder ins Berufsleben zurückgekehrt, sie arbeitet im Homeoffice. Ihr Mann hat sich ein Jahr Elternzeit genommen. „Bei uns passt diese Aufteilung einfach gut.“

Grundsätzlich hätten Mütter in der Corona-Zeit mehr Sorgearbeit übernommen als die Väter, ist sich Elbracht sicher. „Schwierig war vor allem, auf spontane Schul- oder Kitaschließungen zu reagieren. In den meisten dieser Fälle haben sich dann die Mütter kurzfristig um die Kinderbetreuung gekümmert.“

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