Aktion auf dem Eschweger Wochenmarkt

Polizei gibt Tipps gegen Einbrüche: Dieben das Leben schwer machen

Aktion auf dem Eschweger Wochenmarkt: Polizeisprecher Jörg Künstler (von links), Hauptkommissar Hakan Sahin und Hauptkommissar Reiner Lingner informieren zu Einbrüchen und Trickbetrug. Die Eschwegerin Sigrid Kathe lässt sich von den Beamten beraten.
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Aktion auf dem Eschweger Wochenmarkt: Polizeisprecher Jörg Künstler (von links), Hauptkommissar Hakan Sahin und Hauptkommissar Reiner Lingner informieren zu Einbrüchen und Trickbetrug. Die Eschwegerin Sigrid Kathe lässt sich von den Beamten beraten.

Beamte des Polizeipräsidiums Nordhessen haben jetzt auf dem Wochenmarkt in Eschwege über Einbruchschutz und Co. informiert.

Eschwege – Der Urlaub steht an, schnell räumt man noch auf, zieht alle Stecker aus den Steckdosen und lässt bei allen Fenstern die Rollläden hinunter – oder?

„Rolläden sind ein Sichtschutz, aber kein Einbruchschutz“, verdeutlicht Reiner Lingner, Hauptkommissar des Polizeipräsidiums Nordhessen, der gestern gemeinsam mit seinen Kollegen Hakan Sahin und Eschweges Polizeisprecher Jörg Künstler auf dem Eschweger Wochenmarkt zum Thema Einbruchschutz und Trickdiebstahl informierte.

Tage- oder wochenlang geschlossene Fensterläden signalisieren potenziellen Einbrechern viel mehr: Hier ist niemand zu Hause. Genau das gilt auch für einen lang gewachsenen Rasen, tagelange Dunkelheit in den Räumen an den Abenden und ein überquellender Briefkasten.

„Die Einbrüche häufen sich zu zwei Stoßzeiten im Jahr, in den Sommerferien und in den dunklen Jahreszeiten“, berichtet Lingner. Das lasse sich jedes Jahr beobachten.

Weniger Einbrüche wegen Corona

Aber hessenweit lasse sich laut Klinge auch ein weiterer Trend beobachten: Durch Corona und Homeoffice gab es während der Pandemie weniger Einbrüche. 51 Fälle wurden 2020 im Landkreis angezeigt, das sind rund 30 weniger als noch 2019. Außerdem häufe sich die Zahl der Einbruchsversuche, wenn der Einbruch also scheitere. „Das zeigt, dass unsere Prävention und Beratung auch etwas bringt.“

Zum Wochenmarkt in Eschwege haben sich jedenfalls zahlreiche interessierte Bürger am Stand der Polizeibeamten beraten lassen. So wie auch die Eschwegerin Sigrid Kathe. Die bekannte Stadtführerin erhält immer wieder Anrufe von ihr unbekannten Menschen, erzählt sie. „Ich kenne die Nummern und die Menschen am anderen Ende nicht. Ich melde mich auch nie mit meinem Namen.“

Die Beamten raten ihr dazu, ihren Vornamen im Telefonbuch auf einzig den Anfangsbuchstaben abkürzen und ihre Adresse entfernen zu lassen. „Betrüger durchforsten die Telefonbücher und achten auf alte Vornamen und kurze Rufnummern“, erklärt Lingner. In den vergangenen Wochen haben Telefonbetrüger mit ihren Maschen fünf bis sechsstellige Beträge bei Senioren ergaunert. Daher mahnt er auch Bankmitarbeiter zur Aufmerksamkeit, wenn plötzlich jemand einen hohen Betrag abheben will.

Oft telefonieren organisierte Gruppen von Callcentern aus ganze Straßenzüge ab, sagt der Polizeihauptkommissar. Kleine Änderungen im Telefonbuch könnten dabei schon einiges bewirken. „Ich lege grundsätzlich auf, wenn ich viele Stimmen im Hintergrund höre und die Menschen am anderen Ende nicht kenne“, berichtet Kathe.

Betrüger am Telefon sind gerissen

Die Betrüger sind gerissen, berichten die Beamten. Denn es ist sogar möglich, dass sie eine andere Nummer anzeigen lassen, als von der die Betrüger tatsächlich anrufen. So wird bei den Angerufenen auch mal die 110 angezeigt, die Betrüger geben sich als Polizisten aus. Lingner betont aber: „Niemals würde die Polizei von der 110 anrufen.“ Das sei technisch auch gar nicht möglich.

„Jeder Einbruch ist einer zu viel“, sagt Lingner. Materielle Werte seien bei Einbrüchen oft zweitrangig. Schlimmer sei es für die Betroffenen, weiß er, wenn individueller Wert gestohlen werde. Etwa der Verlobungsring der Großmutter oder Familienerbstücke. Auf der anderen Seite stünde das psychische Trauma.

„Oft berichten Menschen nach einem Einbruch davon, nicht mehr richtig schlafen zu können, aus Angst vor einem weiteren Einbruch“, sagt er, Menschen seien deshalb schon weggezogen. Den Einbruch von vornherein zu erschweren und zu verhindern, sei der beste Weg.

Info: Die Präventionsdienststelle der Polizei ist mobil auf Wochenmärkten der Region unterwegs: als Nächstes am 4. August in Bad Arolsen, am 19. August in Melsungen, am 27. August in Hessisch Lichtenau.

Die Tipps von der Polizei

Wer sein Heim vor einem Einbruch wirksam schützen möchte, braucht nicht unbedingt eine teure Alarmanlage. Schon mit dem eigenen Verhalten kann man Einbrechern den Zugang zum Haus erschweren. „Mechanische Sicherung vor elektronischer Sicherung“, lautet das Motto.

Die Polizeibeamten von der Präventionsstelle des Polizeipräsidiums Nordhessen geben konkrete Tipps zum Schutz vor Einbrüchen ins eigene Heim:

Alles schließen: Das einfachste zuerst: Wer das Haus verlässt – auch wenn er nur zur Arbeit geht – sollte immer darauf achten, dass Fenster und Türen geschlossen sind. „Ein gekipptes Fenster, ist ein offenes Fenster“, erklärt Hauptkommissar Reiner Lingner von der Präventionsstelle. Vor allem im Keller. Denn es gebe Möglichkeiten, auch über ein gekipptes Fenster gut ins Haus zu gelangen. Auch sollte man die Eingangs-, Terrassen- und Hintertüren abschließen, ebenso wie Garagen mit Hauszugang. Auch sollten draußen keine Schlüssel versteckt werden.

Nachbarn einweihen: Wer in den Urlaub fährt, sollte seinem Nachbarn Bescheid sagen. Dieser kann die Polizei rufen, wenn ihm etwas Verdächtiges auffällt. „Lieber einmal mehr, als zu wenig“, sagt Lingner. Denn auch, wenn jemand wie ein Postbote aussieht, muss er keiner sein.

Haus mit Leben füllen: Einbrecher achten auf Anzeichen, ob Häuser verlassen sind: Das sind etwa ein langer ungemähter Rasen, Dunkelheit im Inneren am Abend und tagelang heruntergelassene Rollläden. Fährt man also länger in den Urlaub, lohnt es sich, wenn Verwandte oder Bekannte zum Rasen mähen vorbeikommen. Die Rollläden sollten oben bleiben, dafür kann man über eine Zeitschaltuhr regeln, dass abends für ein paar Stunden das Licht brennt – aber nicht immer zur selben Zeit, wie Polizeihauptkommissar Hakan Sahin betont. Das Licht sollte unkalkulierbar angehen. Einbrecher kämen nicht nur nachts, sondern häufig tagsüber, wenn die Menschen an der Arbeit seien.

Keine Hinweise auf Abwesenheit: Wer seine Angehörigen gerne an seinem Urlaub teilhaben lassen möchte, sollte dies nur über private Nachrichten tun. Die Beamten betonen, dass man seine Urlaubsbilder nicht öffentlich und für alle Menschen sichtbar in den sozialen Netzwerken posten sollte. Denn darauf achten auch organisierte Einbrecher.

Beraten lassen: Jeder kann sich kostenlos von der Polizei beraten lassen. Bei einer Einbruchschutzberatung kommt ein Beamter zu den Menschen nach Hause und macht eine Schwachstellenanalyse. „Einbruchschutzmaßnahmen werden vom Staat bezuschusst“, sagt Lingner. Denkbar sind einbruchshemmende Fenster und Türen, Zusatzschlösser und die Sicherung der Kellerfenster.

Zusätzlichen Schutz können auch Alarmanlagen bieten. „Diese sollte man von einer Fachfirma einbauen lassen und keine im Baumarkt kaufen“, sagt Lingner.

(Jessica Sippel)

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